„Irgendwas ist ja immer!“ Frau sollte sich das zu Beginn jeder Projektplanung ins Gedächtnis rufen. Das etwas ohne jegliche Probleme und Zwischenfälle von Anfang bis Ende durchläuft und zwar in der geplanten Zeit mit den geplanten Mitteln ist die A U S N A H M E!

Nicht die Regel!

Dementsprechend: Entspannt Euch, wenn Ihr hinter Eurem Plan her hinkt. Macht Euch locker, wenn’s nicht so läuft. Geht ne Runde spazieren, wenn Ihr das Miststück in Brand stecken wollt. Und kocht erstmal einen Tee, falls Ihr Euch fragt, wie Ihr nur so daneben liegen konntet.

Denn: Wir sind hier nicht auf der Arbeit. Das Weltendrehen hängt nicht davon ab, ob wir alles rechtzeitig fertig kriegen. Und so lange Ihr niemand anderem irgendwas für irgendwann fest versprochen habt, ist der 11.5. auch nur ein Anreiz, kein Abbruchdatum!

Dröseln wir doch mal auf: Habt Ihr schon was fertig? Ja! Halleluja! Freut Euch, stolziert damit durch die Gegend, gebt ein bißchen damit an. Heute beginnt der MeMadeMay, beste Gelegenheit, ein fertiges Teil zu präsentieren und sich digital auf die Schulter klopfen zu lassen. Bringt die Motivation, mit den anderen Teilen weiter zu machen.

Das Leben hat interveniert und Ihr seid nicht so weit, wie Ihr sein wolltet? Ja nun. Wie gesagt: es hängt kein Job und kein Menschenleben dran. Vermutlich müsst Ihr auch nicht nackt rumlaufen. Selbst eine andere Anlassklamotte wird sich wohl im Schrank finden. Also: Breeze! Alles, was hier verletzt ist, ist der eigene Stolz, weil frau nicht so kann, wie sie will.

Nächster Stolperstein: Irgendwas will nicht. Das Material nicht, der Schnitt bzw. die Passform nicht, die Anleitung ist unverstehbar … Hier muss eine Entscheidung getroffen werden! Und zwar möglichst rational und realistisch.

Die Passform stimmt noch immer nicht und Ihr habt den Originalstoff nicht mal zugeschnitten? Und ersichtlich noch 7 Stunden Nähzeit bis zum Schlußtermin? Dann müsst Ihr abwägen: Wollt Ihr diesen Schnitt wirklich? Dann bleibt nichts, als weiter zu machen und evtl. das Défilée nicht zu schaffen. Würdet Ihr dieses Traumstöffchen so unendlich gerne tragen? Dann mal flugs einen tried and true Schnitt rausfischen und weiter machen.

Ein veritables Teil für die Tonne produziert? Wirklich? Habt Ihr es schon 24h weggelegt und dann noch mal angeschaut? Hat jemand anderer drauf geguckt? Ist dieser jemand vertrauenswürdig? Ist alles nüscht oder könnt Ihr noch was retten? Aus dem Kleid einen Rock machen? Komplett auseinander nehmen und den Stoff wenigstens wieder verwerten? Ist Euch klar, was das Problem / der Fehler war? Haken dran und weiter verwerten.

Solange Ihr nicht fertig seid, hilft nur Action! Egal ob in Minischritten oder mit dramatischem Schereneinsatz. Auf der Etappe stehen bleiben ist das Einzige, was Ihr nicht machen dürft. Alles andere ist erlaubt. Also Kaffee, Rat, neuen Stoff, Schnitt oder Schere holen, durchatmen und weiter!

Ich habe eine Bluse, die eigentlich nur so halboffiziell zum Plan gehört, fertig.

Dann habe ich mich komplett verkalkuliert, wie lange ich für den Kommunionsanzug für meinen Sohn brauche. Mittlerweile habe ich eine sehr schöne Smokingjacke fertig. Und die Hose zugunsten einer gekauften gestrichen.

Mein Mantel hängt noch immer ungefüttert rum, genau da, wo ich ihn am Montag nach Sewing by the Sea hingehängt habe.

Mein Grasserkleid hat seit vorgestern Futter und einen sauteuren, suboptimalen Reißer … und mein Mann hat nicht ganz unrecht, wenn er den Gesamteindruck fregattig nennt! Der Stoff steht praktisch von alleine. Eine Eigenschaft, die ihn für volumiöse Kimonoärmel an mir disqalifiziert. Jaja, hätte ich vorher wissen können. Dieser leise Katastrophendetektor, der von Beginn an Vorsicht meldete, den hab ich halt geflissentlich überhört und weiter gemacht. Die erste Anprobe war zwar beruhigend, aber mit Futter drin, erschlagen mich die Ärmel. Und zwar so sehr, dass ich sicher weiß, dass ich mich trotz wunderbarem Rot irre unwohl in dem Kleid fühlen würde.

Da ich das Kleid aber am Sonntag zur Kommunion anziehen wollte und ab morgen eigentlich Kuchen backen angesagt ist, musste eine schmerzhafte Entscheidung her. Es wird kein rotes Kleid geben bis Sonntag. Außer ich ziehe ein altes an. Ich werde nach der Kommunion ein neues Oberteil konstruieren – zum Glück ist genug Stoff übrig – und dann wird’s halt zur Konfirmation im Juni angezogen.

Gestern Mittag habe ich ruckizucki den Grasserschnitt aus einem Tauschtischfund in schwerem, kreppigen, stretchigen Mystery-Stoff noch mal zugenäht. Die Ärmel fallen nun ganz weich. Und Futter braucht es auch nicht. Dann halt eben schwarz mit bunten Accessoires.

So, und nun zu euch: Was geht?

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