Der Dienstag unserer Venedig-Reise begann mit Wasser im Vorzelt. Dinge, die der Camper nicht braucht. Zum Glück haben Paddler meist einen großen Schwamm dabei. Der machte kurzen Prozess mit dem Wasser. Die Ursache wurde abgestellt. Der Regen floss weiter. Wir fassten einen “Wir gehen Frühstücken”-Beschluss. Die Poolbar bietet ein typisch italienisches Frühstück: Kaffee und Kornetto. Sohnemann bekam Joghurt mit Obst und vertiefte sich in die ausliegenden italienischen Kinderbücher. Der Mann und ich nahmen noch einen Kaffee und hatten keine Eile.

Schließlich entschieden wir uns, das Glassmuseum in Murano zu besuchen. Der kleine Fußweg bis zum Vaporetto-Anleger reichte, um uns bis auf die Unterwäsche nass werden zu lassen. Wir fuhren trotzdem. Und tatsächlich gucke die Sonne auch kaum, dass wir angekommen waren, heraus. Irgendwann war sogar mein Flanellrock wieder trocken. So’n Reiserock aus schnelltrocknendem Material wäre eventuell doch ein lohnendes Nähprojekt. Sonst bringt die beste Regenjacke nüscht.

Das Glasmuseum ist eher unspektakulär. Zwar viel Information, aber Museumspädagogik geht anders. Vor allem anschaulicher. Sohnemann, der da unbedingt hingewollt hatte, wohl in der Erwartung Glasbläser bei der Arbeit zu sehen, war ziemlich enttäuscht. Zum Schlendern ist Murano aber ganz nett. Und wenn frau etwas gründlicher plant als wir das tun, lässt sich bestimmt eine Glasbläserei finden, wo zugeguckt werden darf.

Natürlich reihen sich entlang der kleinen Kanäle in Murano Glas-Geschäfte: Kronleuchter, Gläser, Schmuck. You name it. Von grottenhässlich und recht billig über cool und bezahlbar bis zu richtig toll und arschteuer. Your choice. Ich kaufte eine weitere Kette und zwei weitere Geburtstagsgeschenke.

Am Mittwoch stand der Dogenpalast auf dem Programm. Das Wetter war mit uns. Wir frühstückten gemütlich im Freien. Machten uns landfein und nahmen einmal mehr das Vaporetto nach Venedig.

Zum Glück bewegte sich die Schlange vorm Ticketschalter zügig. Wie schon in Marseille im letzten Jahr hatte der resident engineer vergessen, sein Schweizer Taschenmesser aus seinem Survivalrucksack zu nehmen und also wurde es einmal mehr in Gewahrsam genommen. Der Sohn las, bis ich ihm den Audioguide ans Ohr hielt, in seinem lustigen Taschenbuch. Dann lauschte er die nächsten Stunden ebenso vertieft, wie er zuvor gelesen hatte. So entspannt sind wir, glaub ich, noch nie durch ein Museum gekommen. Und vermutlich ist das Kind noch nie so mit Wissen vollgepumpt worden.

Ich war irgendwann zwischendrin ein wenig angepisst ob der vielen Kerle, die in der Gestaltung des Dogenpalastes und der musealen Aufbereitung abgefeiert wurden … als habe es in Venedig nicht eine bemerkenswerte Frau gegeben … aber letztlich bin ich mit einem im Kopf fertigen plot für einen historischen Roman aus dem Palazzo Ducale gegangen. Nicht das das der Plan gewesen wäre.

Anschließend streiften wir ein bißchen durch die Umgebung, versuchten den Massen zu entkommen und die schöne kleine Gasse wieder zufinden, wo wir beim ersten und zweiten Besuch Kaffee getrunken und Schuhe gekauft hatten. Wir fanden sie nicht. Stattdessen gab es eine Tasche für mich, und mehrere Eis an mehreren Eisdielen für die Herren.

Als wir schließlich mit dem Vaporetto unterwegs auf “unsere” Insel waren, stand die Sonne schon wieder tief. Statt kochen also essen gehen. Und da ein wenig Wind wehte, kam sogar ein Platz direkt am Wasser in Frage. Der Sohn hatte einmal mehr Salami-Pizza und sowohl mein Fritto Misto als auch die Nudeln mit Thunfisch des resident engineers waren sehr gut. Also große Empfehlung für Ristorante All’Ancora.

Am Donnerstag forderte der kleine Mensch den versprochenen Strandtag und bekam ihn. Wir mussten uns alle erstmal an die seeeeehr vielen Krebse im Sand gewöhnen – das Wasser war zudem wunderbar klar und recht angenehm in der Temperatur. Und der Spritz an der Strandbude erstaunlich günstig. Wir ließen unseren kurzen Besuch also gechillt ausklingen, ehe es zurück zum Campingplatz und ans Packen ging.

Da wir bis auf Zelt und Schlafsachen alles schon am Donnerstagabend verpackt hatten, gingen wir am Freitag noch mal in der Poolbar frühstücken. Anders als am Regentag saßen wir draußen und waren die einzigen Gäste.

Dann wollten wir starten, aber das Auto nicht. Irgendwo war am Abend zuvor ein Lämpchen angeblieben und die Batterie wollte nicht mehr. Für die erschreckend gut organisierte Campingplatz-Crew kein Thema. Innert fünf Minuten stand der Transporter des Campingplatzes neben unserem Auto und gab Starthilfe. Danach ging’s ohne Klimaanlage und Radio los Richtung Südtirol.

Ohne jeglichen Stau, aber mit leerem Tank erreichten wir Ritten. Diesmal hatte der resident engineer bei der Hotel-Auswahl daneben gegriffen. Zwar hatte unser Zimmer im Unterinnerhof einen großen Balkon und eine ganz ansehnliche Aussicht, dafür wackelte das Klo, der Boden im Bad war eine einzige Stolperfalle und jede Armatur machte den Anschein, als fiele sie gleich aus der Wand. Der kleine Spielplatz war nicht benutzbar. Das versprochene Pool ebenso. Zumindest war das Zimmer sauber.

Wir machten uns auf die Suche nach einer Tankstelle und einem schönen Ort zum Abendessen. Dabei liefen wir noch einmal um den Wolfsgrubener See, testeten den Spielplatz in Klobenstein und hatten schließlich ein fabelhaftes Abendessen beim Pirbamer in Ritten und dank Baustellenumleitung eine abenteuerliche Rückfahrt zum Hotel. Südtirol hat uns ganz bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen.

Schon Tage vor der Abreise hatten wir auf die Nachricht gelauert, ob das Timmelsjoch endlich geräumt und für den Autoverkehr geöffnet wäre. Und tatsächlich brauchten wir uns nicht durch den Endlos-Stau am Brenner zu quälen, sondern zuckelten gemütlich durch’s Passeiertal zum Passo Rombo hinauf. Die Herren liefen barfuß durch den Schnee. Tourengänger zogen letzte Spuren. Teuerste Autos paradierten vorbei. Wir stoppten am neuen Motorrad Museum und Restaurant für Kaiserschmarrn und Latte Macchiato, bis wir uns ernstlich vom Urlaub verabschieden und den längeren Teil des Heimwegs antreten mussten.

 

Offensichtlich hatte uns unsere vormittägliche Trödelei aber verkehrstechnische Vorteile gebracht. Im Gegensatz zum Hinweg waren alle Autobahnen frei, selbst zwischen Würzburg und Aschaffenburg. Wir landeten spät abends wieder zuhause,  fielen ins Bett und zumindest ich träumte schon wieder von einer weiteren Reise in die Serenissima.