Es ist wieder Montag (und meiner macht seinem Status als Nervensäge gerade alle Ehre). Es ist schon wieder Zeit für eine neue Runde #springstylealong. Heute geht es um unser Style Concept.

Das ist so ein Begriff, der einer gerne mal um die Ohren gehauen wird, wenn es um’s “wardrobe building” geht. Also um den Aufbau und die Zusammenstellung der eigenen Garderobe.

Deshalb hier für uns heute ein Arbeitsdefinition.

Ich verstehe Style Concept als Leitfaden, der definiert, was unsere Kleidung uns und anderen erzählen soll. Ein Style Concept legt die großen Linien dieser Erzählung fest, aber auch die relevanten Elemente:

Farben, Palette, Formen / Proportionen, Details / Eigenheiten /Kombinationen. Also das WAS unserer Erzählung und das WIE.

Erreicht werden soll ein bestimmtes athmosphärisches Ziel, sowohl nach innen als auch nach außen. Wir wollen uns auf eine bestimmte Art fühlen und die, die uns anblicken sollen eine bestimmte Botschaft lesen in unseren “Looks”. Und zwar entsprechend unserem Kontext.

Also: Wie sieht Euer Style Concept aus? Welches sind die roten Fäden? Welches sind die zentralen Elemente? Was soll nach innen und nach außen rüberkommen?

 

Villainous Venice

Villainous Venice ist mein Motto. Klingt böser als es gemeint ist. – Werdet Ihr gleich lesen.

Ich hatte im Wunschkonzert ja schon auf diesen Jaguar-Werbespot mit Tom Hiddelston verwiesen. Bei eingehenderer Beschäftigung mit dem Prickeln, den der bei mir ausgelöst hat, kam ich zu der Schlußfolgerung, das ich gerade eine gewisse stilistische Schärfe vermisse in meiner Kleidung. Ich will nicht gemeiner werden, aber klarer, distinkter im Ausdruck.

Weitere Eigenschaften, die im Werbespot benannt werden, und die mir gut gefallen, sind: elegant, witty, smart, calm, impressive.

Ich komme im Beruf zur Zeit – so fühlt es sich jedenfalls an – immer als die lustige, nur manchmal strenge Dozentin rüber. Ein bisschen mehr Autorität könnte meine Kleidung also schon noch ausstrahlen, bevor es in unnahbar kippt. Am Freitag zur Prüfung hatte ich meinen neuen grauen Bleistiftrock, meine Warlord-Jacke und meinen grauen, recyclten Pulli an mit höheren Schuhen und der neuen Brille und hatte das Gefühl, dass ich auch innerlich ein paar Zentimeter größer war. In diese Richtung denken.

Das andere Element des Mottos: Venedig.

Das sind zunächst mal die spannenden Farbkombinationen, die meine Palettenspielereien erbrachten. Ich bin da noch nicht viel weiter als letzte Woche, denke aber, dass ich einige zentrale Stoffe, die definitiv verarbeitet werden, scannen werde und dann in einem Palettentool noch mal mit diesen Farbtönen und Ergänzungen spielen werde. Das wären dann auch die einzigen erlaubten Stoffkäufe: ein oder zwei Kontrastfarben, die ich so nicht besitze.

Dann ist es die Materialität. Venedig, das sind für mich bröckelnder Putz, Stucco, vom Wasser freigelegtes Mauerwerk. Gut abgetragener Marmor. Rauh gegen glatt. Natur gegen hochgradig veredelte Materialien. Unifarbenes Leinen, Hanfmischungen, Baumwollstoffe mit deutlicher Struktur und dagegen glatte, glänzende Stoffe mit barocken Motiven. (Kleines Problem, dass keine dieser Kategorien besonders gut im Fundus vertreten sind, aber ich werde mir was einfallen lassen.)

Venedig steht für unglaubliche Ornamentik und das Rascheln des Grases draußen in der Lagune. Das Ziselierte und das Heruntergekommene. Und natürlich den Prunk des Carnevales und die Sprezzatura der Italiener an sich.

Um das ganze mal in meinen Kontext einzubinden: Ich bin zur Zeit vormittags on display als Dozentin in der Erwachsenenbildung mit einer kulturell sehr gemischten Gruppe von Menschen. Den Rest des Tages verbringe ich als Privatperson: Mutter, Ehefrau, dressmaker. Ab und an geht’s zum Paddeln aufs Wasser, ab und an mal für ein Wochenende oder einen Urlaub woanders hin. Ergo: Party dresses und andere Formen der großen, repräsentativen Garderobe sind nicht nötig (und auch ausreichend vorhanden). Die Herausforderung liegt eher darin, im eher lässigen Alltag mehr Glamour zu integrieren ohne dabei über meine Komfortgrenzen zu stolpern. (Ich steige vormittags beständig drei Etagen hoch und runter. Hochhackige Schuhe zu engen langen Röcken sind da raus.)

Ich mag ja den extrem gut sitzenden (schwarzen) Anzüge der meisten bad guys sehr gerne, aber ich persönlich trage ungern Hemdblusen und Jacketts finde ich beim Anschreiben an der Tafel auch eher hinderlich. Zentrale Aufgabe wird es also sein, meine Entsprechung dafür zu finden. Hosen werden sicher eine ganz große Rolle spielen und auch eher ungewöhnliche Tops ( vor allem aus Webware).

Außerdem sehe ich ganz viele außergewöhnliche, große Schmuckstücke in meiner Zukunft. (Hab ich aber noch nicht mit meinem Kontostand abgeglichen. ;-))

Konkrete Stückliste gibt es dann im nächsten Beitrag, wenn wir denn endlich einen Plan machen.