Auftreten, Selbstbewußtsein und Kleidung. Das sind die drei Begriffe, um die es gleich gehen wird.

Obgleich meine Gedanken zun den ersten beiden Fragerunden noch immer unüberarbeitet im Notizbuch schlummern, steige ich direkt bei der dritten Runde der Blogserie von Art und Stil ein. Diesmal geht es um das Thema Stilvorbilder.

Die Fragen beziehen sich alle auf das wunderbare Buch Women in Clothes, das mich vor zwei Jahren sehr verzaubert hat und in dem ich immer wieder gerne stöbere.

  1. Was bewunderst Du an der Art, wie andere Frauen auftreten?

Ich beschränke das mal auf Frauen, die ich im wahren Leben kenne und lasse alle medial aufbereiteten Frauen raus.

Dabei stelle ich fest, dass es sehr wenige Frauen in meinem Leben gibt, die mit so viel Verve oder Eigensinnigkeit “auftreten”, dass ich sie dafür bewundere. Selbst aus meiner Theaterzeit fällt mir eigentlich nur eine einzige Frau ein, die ihre Art, ihren Style und ihre Persönlichkeit derart kohärent lebt, dass sie mir nachdrücklich hängengeblieben ist.

Auch, als ich gerade die diversen Konferenzen, Fachtagungen, Gremiensitzungen und andere irgendwie offiziellen Termine der letzten 5 Jahre durchging, musste ich lange überlegen, welche Frauen da auf dem Podium, auf dem Parkett oder im Gespräch wirklich rausgestochen haben. Wenige. Eine italienisch-deutsche Erzählerin, deren Energie und Begeisterung für ihren Job eine recht verschnarchte Fachtagung Interkultur wachküsste. Kleidung: Irgendwas walla-walla-mäßiges in Schlammtönen aus Jersey. Gleiche Tagung, etwas später: Ehemalige Kulturdezernentin / aktuell: Beraterin für Kommunen zum Thema Diversity. Extreme Fachkompetenz, starke eigene Meinung, flüssiger, freier Vortrag. In einem recht biederen Business-Anzug mit weißer Hemdbluse.

Bewundernswertes Auftreten hat für mich vor allem was mit Energie, Begeisterungsfähigkeit und Eigensinn zu tun. Denke ich. Kleidung fällt mir da lediglich als Verstärker auf oder eben als Widerspruch, wie bei der besagten kulturdezernentin, deren grauer Business-Dress nicht zu ihrem Eigensinn passte.

Was ich allerdings jedes Mal bewundere, wenn ich in Frankreich bin, ist diese unbeschreibliche Eigenart, französischer Frauen, sich zurecht zu machen und dabei sehr chic, aber in keiner Weise aufgedonnert oder bemüht auszusehen. How the heck are they doing that? Da bin ich auch nach über 20 Jahren Frankreichreisen nicht dahinter gekommen.

2. Was bedeuten “wohlfühlen” und “selbstbewußtwirken” für mich

Grundlegend heißt wohlfühlen im Bezug auf Kleidung erstmal: Nichts kneift, klebt, kratzt, engt ein oder rutscht, wohin es nicht soll. Es ist angenehm auf der Haut und warm oder luftig genug. Darüber hinaus müssen mir Farbe und Form meiner Kleidung stehen, damit ich mich darin wohlfühle. (Wobei “stehen” ein sehr subjektives Konzept ist.) Im idealsten Falle fühle ich mich in meiner Kleidung zehn Zentimeter größer, sie lässt mich lächeln oder macht mich entschlossener.

Selbstbewußtsein ist ein Begriff mit dem ich generell nicht viel anfangen kann. Und gerade wenn’s um Kleidung geht, finde ich ihn schwierig. Wenn ich mir nämlich im Laufe meines Tages bei der Arbeit oder anderswo meiner Kleidung, meines Aussehens zu bewußt werde – dann ist jegliche Leichtigkeit dahin. Ich überprüfe aber auch nach dem Anziehen meinen Aufzug nicht noch mal im Spiegel. If it feels good, I feel good. End of story.

Natürlich hilft Kleidung dabei, uns präsenter, passender, professioneller, sinnlicher, entspannter zu fühlen. Aber auch die unglaublichste Klamotte macht aus einer Maus keine Löwin. Vielleicht lassen sich einige Menschen einen Moment lang von der Schale täuschen. Aber die Maus trägt die Krone halt wie eine Maus. Und nicht wie eine Löwin. Die meisten Menschen werden eher unbewußt den Widerspruch sehen.

Insofern könnte ich “selbstbewußt” mit Blick auf Kleidung vielelicht definieren als: Sich bewußt der eigenen Persönlichkeit und den Bedürfnissen des Tages entsprechend kleiden.

3.) Fallen dir Frauen auf der Straße auf? Falls ja, welche Art von Frauen ziehen deine Aufmerksamkiet auf dich?

Ich glaube, mir fallen da Männer wie Frauen gleichermaßen auf. Allerdings hier am Rande des Sauerlands eher weniger. Was mein Auge immer fängt, sind eigensinnige Dinge: post-punk unperfekt gefärbte Haare in allen Farben des Regenbogens, Spielereien mit der Silhouette, die über das gerade angesagte Maß hinausgehen, Outfits, die nicht schön, aber eigensinnig sind. Ungewöhnliche Farbkombinationen. Besonders elegante Erscheinungen. Und dann die Überstylten, allzu Perfekten. Die mit den jeweils angesagten, sauteuren Logohandtaschen.

4.) Welche bewunderst du? Wenn nicht Bewunderung, wie würdest du das Gefühl beschreiben, das eine interesant gekleidete Frau bei dir auslöst?

Bewunderung ist mir da ein viel zu starkes Wort. Menschen, egal ob Frauen oder Männer, die besonders eigensinnig angezogen sind, lösen vor allem Neugier bei mir aus. Ich frage mich dann, wenn ich der Erscheining einen Moment nachsinnen kann, wie die wohl die Welt sehen. Die Eleganten: das ist, vermute ich, das gleiche ästhetische Vergnügen, mit dem ich gelungene Architektur oder Design anschaue. Die Überperfekten erfüllen mich immer mit Unbehagen. Es ist mir zu hermetisch und zu künstlich. Ich liebe den Bruch.

 

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