Es ist so: Wir haben Juli. Wir haben Sommerferien. Wir fahren in drei Wochen in den Urlaub.

Mein bereitgelegter Sommerstoffestapel ist nicht kleiner geworden.

Aber am ersten home-office-Tag schreibe ich mich mit einer Winter-Wunschkleiderliste warm. Freiwillig und mit großem Genuss.

Dabei ist es hier durchaus noch nicht so lange, so nachhaltig Sommer, dass eine schon keine Lust mehr auf morgendliche Flatterkleider haben könnte. Trotzdem sehe ich mit Wonne Mantelschnitte durch, befühle meine Wollstoffe und phantasiere begeistert Material-Mixe zusammen.

Nicht zum ersten Mal. Letztes und vorletztes Jahr ging’s mir ebenso. Kaum war’s Mitte Juli, sondierte ich Schnitt- und Materialoptionen. Warum ist das so? Ist das nur bei mir so? Ist das bei Euch anders?

Das vorfreudige Konzeptionieren fällt beim Wechsel vom Winter auf Sommer deutlich kürzer aus und wesentlich später an. Ich komme eigentlich erst auf Touren, wenn der Sommerurlaub unmittelbar bevor steht.

Vielleicht fühle ich mich in Herbst und Winter unbehauster und habe deshalb das Gefühl, vorsorgen zu müssen? Vielleicht verarbeite ich Winterstoffe auch viel lieber? Bieten Herbst und Winter gar ein größeres Spielfeld?

Wie dem auch sei, ich giere mit Blick auf H / W 16 / 17 nach Jacken und Mäntel. Ging mir noch nie so. Ich bin eigentlich ein Ein-Jacken-Mantel-Mädchen. Ich schleppe das eine Winterteil bis es nicht mehr geht. Mantel und Jacke waren immer Notwendigkeiten, um warm zu bleiben, nicht wirklich Style-Optionen. Bis jetzt. Mittlerweile kann ich ja auch Jacken und Mäntel nähen. Also will ich für die kommende Saison

  • eine College-Jacke aus einem Samt-Brokat-Mix
  • eine petrolfarbene 60s Kurzjacke aus falschem Persianer
  • einen Kurzmantel aus Leopard mit protzigen Glitzerknöpfen
  • einen klassischen Blazermantel in Anthrazit (zu dme ich schon Wolle für einen Schal gekauft habe).

Gierig. Ich sagte es. In meiner Gier hätte ich so ne College-Jacke neulich beinahe bei Zara gekauft. “Ich komm ja grad gar nicht zum Nähen …” Im letzten Moment siegte “Ich kann das besser”. So weit ist es dann eben auch schon.

Gut, ich gebe zu: Diese Vorüberlegungen machen mir fast so viel Spaß, wie die tatsächlich gefertigten Teile dann endlich tragen zu können. Da schlägt die Geschichtenausdenkerin voll durch. Letztlich finde ich es nämlich herrlich, alle halbe Jahre ein neue Geschichte zu entwickeln, eine neue Figur.

Auch wenn ich es in meiner bisherigen Nähkarriere noch nicht einmal geschafft habe, die komplette Klamotten-Sequenz wie geplant umzusetzen, suche und “dichte” ich auch zu Beginn dieser Saison wieder genüsslich an meinem Style Concept für H / W.

Vielleicht ist neue Figur auch ein bisschen hoch gegeriffen. Ich neige immer wieder in der dunklen Jahreszeit zu satten bis gedeckten Tönen und nicht zu Pastell und Knallfarben. Ich komme immer auf Wollstoffe und Strick zurück mit ein paar Glanzlichtern. Die Grundhaltung ist immer, einen möglichst schicken Ersatz für die Daunendecke zu finden, in die eingewickelt ich mich eigentlich durch diese Zeit bewegen möchte. Nur mag ich halt nicht aussehen wie das Michelin-Männchen.

Und so werden auch dieses Jahr Wollstoffe in Rot- bis Beerentönen, in Grau und Schwarz dabei sein – schätze ich. Ein paar Samteffekte in Rot, Lila oder Petrol. Ein bißchen Jacquardglänzen in Koralle und Petrol. Eine Prise Glitzer in Form von Knöpfen vielleicht. Viel gemütlicher Strick für Pullover und Kleider.

Aber weil ich meine gekaufte Fake Fur Weste so liebe, würde ich gerne mehr flauschiges Fell haben. Daher die Jacke und der Mantel.

Das wäre also mal wieder die Seite der großen Geste. Das Glamour Girl, das im Winter besonders laut nach Ausdruck verlangt.

Ich habe nach dem ersten Experiment mit Seidenorganza und dem “Couture Dress” Craftsy Kurs Lust auf sehr ordentliche, wertige Verarbeitung (was natürlich aufs Schönste mit wenig Zeit zum Nähen kollidiert). Auf Materialmixe in einem Kleidungsstück (woran ich mich bisher nicht wirklich getraut hab).

Gleichzeitig habe ich aber auch Lust auf eine etwas rauhere, unfertigere – Achtung großes Wort jetzt für mich – punkigere Anmutung. Vielleicht eher im Styling, in den Schuhen und Strümpfen. Ich bin in den letzten Wochen oft sehr casual in knalligen Sneakern und Jerseykleidern unterwegs gewesen. Daran hat mir einerseits die Lässigkeit und Bequemlichkeit gefallen, andererseits wars mir manchmal zu lieblich. Zu nice. Ich hätte es gerne wieder etwas schicker, aber auf eine kantigere Art.

Weshalb mein Style Concept für Herbst / Winter denn auch unter CZARINA PUNK läuft.

First up auf der Projekt-Liste: Ein Vivienne Westwood inspiriertes Kleid mit drapiertem Ausschnitt und gerafftem Rock aus dieser geschenkten irischen Wolle.

irisch_handgewebt_geschenkt

Und Ihr so? Schon in der Planung? Schon fertig geplant? Schon angefangen? Motto?