Im Style Boot Camp Check-In diese Woche stellte eine der Teilnehmerinnen fest, dass sie eigentlich besondere Details an Kleidungsstücken sehr liebt. Und obwohl die ja beim Selbernähen nach Wunsch zu realisieren wären, hängen in ihrem Kleiderschrank so gut wie keine so gestalteten, selbstgenähten Kleidungsstücke. Wie kommt das?

Die Antwort verbarg sich in einem Satz, der mit „eben mal“ anfing. Eben mal abends einen einfachen Rock nähen. „Eben mal“ in einer Stunde ein Shirt runternähen.

Dieses „eben mal“ ist die instant gratification der Hobbyschneiderinnen. Denn natürlich ist der Gedanke toll, in kürzester Zeit ein neues Kleidungsstück fertigen zu können. Eben noch als Stoff im Schrank, jetzt schon in 3 D an der Frau. Fast wie zaubern.

Nur: ganz so schnell geht es dann doch nicht. Und die Details, die Verarbeitungsweisen, die Raffinessen, die wir  anfangs im Kopf hatten, als wir dieses Kleidungsstück projektierten und die es außergewöhnlich und ganz zu unserem Eigenen machen würden, die bleiben dabei zumeist aus „Zeitgründen“ auf der Strecke.

Tatsächlich aus Zeitgründen? Sicher. Unsere Nähzeit ist begrenzt. Und diese wenige Zeit wollen wir effektiv und vor allem produktiv genutzen. Aber: was bedeutet denn im Bereich unseres leidenschaftlichen Hobbys effektiv? Was bedeutet denn produktiv? Müssen wir eigentlich zwangsläufig die Logik des immer Mehr immer Schneller übernehmen? Haben wir nicht mal zu nähen angefangen, um aus diesem Hamsterrad auszusteigen?

Vor allem: Macht es Sinn, dass unser dieser innere Drang „nun aber flott was fertig zu machen“ davon abhält, bewußt und sorgfältig ein Kleidungsstück so zu arbeiten, wie wir uns das vorgestellt hatten?

Je länger ich an einem Projekt sitze, desto häufiger ertappe ich mich bei einem Gedankengang, wie dem folgenden: Wenn ich die Zeit, die ich jetzt schon in die Herstellung meines Trenchcoats investiert hab, mit meinem Stundensatz belege, dann käme ein Betrag dabei heraus, für den ich einen Burberry-Trench hätte kaufen können. Macht es da Sinn, selbst zu nähen?

Das ist natürlich eine hypothetische Frage. Aber in ihr verbirgt sich eine tief eingeprägte Haltung, dass eingesetzte Mittel – hier Zeit – auch einen entsprechenden Nutzen bringen müssen.

Andersrum gefragt: wiegt das Gefühl, das ein geglücktes, selbstgenähtes Kleidungsstück beim Tragen in uns auslöst, wiegt unser Empfinden während wir es nähen, den Aufwand auf?

Rhetorische Frage. Wäre meine Antwort NEIN, würde ich nciht nähen.

ABER: Wir unterliegen oft dem „Fertigmachen“-Drang zu Ungunsten des „Ich mach es mir wirklich so, wie ich will“ und nehmen dem Ergebnis dadurch viel von der Eigensinnigkeit und dem Style, die es haben könnte.