weidenlabyrinth

Zu sagen, in den letzten drei Monaten wäre hier im Hause Gerull viel los gewesen, ist eine schlichte Untertreibung. Erstaunlicherweise klappte die impromptu Umstellung von Büro mit anderen Menschen und einem tatsächlichen Chef auf home-office und eigener Chef – bis jetzt – ganz gut. Fast zu smooth, irgendwie.

druckerei mitte letztes Jahrhundert

Meine allererste Begegnung mit der Arbeitswelt der Erwachsenen hatte ich in den Herbstferien der 10. Klasse, als ich mir in der Druckerei eines Bekannten meines Onkels einen Teil der Austauschreise in die USA verdiente. Jene Druckerei war natürlich schon moderner als dieses herrliche Schätzchen im Freilichtmuseum Hagen, aber als mir am Ostersonntag da der Geruch von Druckerschwärze in die Nase stieg, fühlte sich das sehr heimelig an.

Ich hab dann auch noch das Schulpraktikum in einer Druckerei gemacht und tatsächlich erwogen, Setzer zu werden. Ein Beruf, der fast obsolet ist.

Druckerei Freilichtmuseum Hagen

Diese kleine, aufgeräumte Druckerei hat’s mir angetan. Letztlich war unser Projektbüro ein ähnlich heimeliger Ort zum Arbeiten. Kleines Team, das sich meist gut verstand. Viel Gestaltungsspielraum. Auch wenn ich über manche der Förderbedingungen in den letzten zwei Jahren herbe geflucht habe, als ich mit der wunderbaren Lorina-May Sauer im wirklich allerletzten BUNT_IST_KULT-Workshop stand, fühlte sich das schon sehr herzschmerzig an.

workshop Kalligraphie BIK

dieletztenwochen

Noch merkwürdiger war es dann, beim Austandsfrühstück von beiden Chefs hochgelobt zu werden.

frühstückstisch

Nicht, daß sie nicht recht gehabt hätten, aber während meiner gesamten Karriere am subventionierten Theater ist es nie einem meiner Intendanten bzw. Oberspielleiter gelungen zu erkennen, was er an mir gehabt hat. Ich spiel halt keine Machtspielchen. Tja, Pech jetzt für wen?

geschenkederkollegen

Als ich nach dem Frühstück, dem anschließenden Aufräumen und einer letzten Runde emails am heimischen Esstisch saß, vor den Geschenken der Kollegen, da war ich gleichermaßen gerührt, wie unternehmungslustig. Was jedenfalls überhapt nicht da war – warum auch – war diese Wut im Bauch, mit der ich aus jedem Theaterengagement gegangen war. Ohne die geht’s viel besser!

präsentkorbvomchef

Danke, Meinolf, nicht nur für diesen prallgefüllten Korb. ;-) Ich bin dann mal weg.

Holzschuhe und Schürze

Freilichtmuseum Hagen

Angesichts dieser Überbleibsel menschlicher (?) Arbeitsumgebungen, empfinde ich es im Moment als vollkommenen Luxus, morgens um 7 ungewaschen und im Schlafanzug losarbeiten zu können und dann vier Stunden später genau die Stunde zum Baden ausnutzen zu können, in der unsere Badewanne in der Sonne liegt.

erstarbeitendannbaden

Ist das noch Arbeit? Wenn man freiwillig und weil’s Spaß macht, abends bis um halb 12 am Schreibtisch sitzt?

Ist das noch Arbeit, wenn man den Kopf frei genug hat, festzustellen, wie unglaublich groß Sohnemann geworden ist? Fünf nächste Woche!! Wie konnte das so schnell gehen? Als ich dies Foto von ihm ansah, war ich wirklich erschrocken. Weil trotzdem zu oft die Notwendigkeiten des Tages mich davon abhalten, wirklich mit ihm da zu sein.

dergroßekleinemann

Wie so oft läßt einen das Leben in solchen beruflichen Umbruchphasen nicht in Ruhe. Sonntagabend waren wir  von einem letzten Krankenhausbesuch bei meiner Oma zurück gekommen und Montagmorgen konnte ich meinen Mann  am Schrottplatz abholen. Wenn ich dies Foto sehe, kann ich immer noch nicht glauben, daß er, bis auf zwei Prellungen, unverletzt geblieben ist.

gecrashtesauto

Im Kofferraum lagen noch die Kissen von der Theateraufführung eine Woche vorher. Dann über und über mit Glassplittern übersäht.

Die Beerdigung meiner Oma war traurig, tröstlich, ihr angemessen und parallel zu meiner letzten großen Veranstaltung im BUNT IST KULT-Job. Genau, diesmal war ich eine dieser „Karrieremenschen“, die beim Tröster schon wieder das Handy am Ohr haben …

frühling

Jetzt ist es also endlich Frühling – und das Jahr hat schon kräftig hingelangt. Ich würde gerne mal auf die Pausetaste drücken, um mein backlog abarbeiten zu können. Aber life happens on the run, hat mir mal jemand gesagt. Yeah, well. Ich bin keine Läuferin, nie gewesen, aber mittlerweile schockt mich die lange Distanz nicht mehr wirklich. Ich muß sie halt in meinem Tempo gehen.

In nem Karmann Ghia wäre Frau natürlich stylischer unterwegs. Vorausgesetzt, Haarfarbe, Mantel und Auto passen im Ton wirklich zusammen.

onetruecar

Am Kontakt mit schönen Dingen wird es wohl vorerst nicht mangeln. An Ideen und Gestaltungsspielraum auch nicht. Fehlen Zeit und Geld. Aber: Fehlen die nicht immer?

fabric: Fashion for Designers