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Es mag nicht ganz fair sein, meinem neuen Mantel gegenüber, aber das ist das Gefühl, jeden Morgen, wenn ich ihn anziehe.

Warum ich von ihm (Mantel) als einer sie (bitch) denke, kann ich nicht mal sagen – und eigentlich war nicht der Mantel oder der Stoff mein größter Gegener, sondern schlicht ich selbst, aber okay: Victory, in any case. Mount Everest war ein Klacks dagegen.

Aber mal von vorne:

Angefangen habe ich diesen Mantel im Oktober 2013! Yes, ma’am. Schon da hatte mich meine vier Jahre alte Winterjacke total angenervt. Schnitt und Stoff waren schnell gefunden. Ich bestellte einen spottbilligen Maßschnitt bei Lekala und eine 1 cm dicke thinsulate-Einlage. Because: Winter is coming!

Ich schnitt fleißigst zu – nach etwas „Überlegung“ der Sicherheit wegen doch mit ordentlich Nahtzugabe. Ich verband Oberstoff und Thinsulate in jedem Schnittteil seperat. Und ich wunderte mich bei der ersten, zum Glück nur gehefteten Anprobe sehr darüber, daß der „Maßmantel“ VIEL zu groß war. Tätä.

Also: auftrennen, zugegebenen Nahtzugabe komplett zurückschneiden, nochmals heften: So weit okay. Bis auf das leidige Problem Schultern zu weit. Klar: Wie hätte das anders sein sollen? Gefragt waren für den Schnitt genau 3 Maße. Und das Oberbrustmaß war nicht dabei.

Zum Glück gibt’s für so kniffelige Anpassungen die anNÄHerung. Und so kam ich im Januar 2014 mit einem an den Schultern top angepaßten Mantel nach Hause – und der hatte mittlerweile auch für meine Verhältnisse top-abgesteppte Nähte und ziemlich gleichmäßige Paspelknopflöcher.

Ein weiteres Nähkränzchen später hatte das Ding Ärmel, Ärmelfischchen und Schulterpolster. Dann war es März, von Wintern jenseits der Mauer keine Spur und: ich hatte noch NIE ein Oberteil gefüttert. Mal ganz ab davon, daß mittlerweile NFL lief und ich ganz andere „Herausforderungen“ zu meistern hatte. Ähem.

Gut. Wir springen den Sommer. Als es kalt genug wurde, daß ich nicht mehr meinen grünen Frühlingsmantel tragen konnte, kam wieder die lila ich-weiß-nicht-warum-ich-ne-kurze-Jacke-mit-so-viele-Rüschen-gekauft-hab-Jacke zum Einsatz. Yeah. Prompt blieb ich ein paar Tage später beim Schuhe anziehen mit der Jackentasche im Wohnungstürgriff hängen und produzierte einen veritablen Riß bis in die Innereien der Jacke.

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Ich kramte also den „fast fertigen“ Mantel vor. Und wie ein Pferd vorm Hindernis scheute ich gleich wieder zurück. FÜTTERN. Die Belege waren schon drin im Mantel. Die wollte ich doch jetzt nicht wirklich ernsthaft wieder austrennen, oder? Also das Futter von Hand rein? Wie macht man das denn? Und damit blieb der Mantel anklagend fuchsia-farbend leuchtend an der Tür hängen.

Die anNÄHerung 2015 kam immer näher, und obwohl ich mich eigentlich in Grund und Boden schämte, nahm ich den Ewigkeitsmantel mit: Wenn ich ihn da nicht fertig bekam, wo dann? Grimmig entschlossen und mich selbst kennend, bat ich auch gleich in der Projektvorstellungsrunde darum, mich nicht wieder fahren zu lassen, bevor der Mantel nicht fertig war. DANKE an alle, die mich nachhaltig genervt haben. Vermutlich hätte ich mich sonst an die Stoffwechsel-Bluse und den Stoffwechsel-Blazer gehalten und immer noch keinen Mantel.

Der Clou an der Sache ist: Ich hab das Ding seit Montag jeden Tag an. Heimse jeden Tag Komplimente ein. Bin jeden Tag ein bißchen stolz auf mich. Der Mantel hat die richtige Länge zum Autofahren. Er hat die richtige Länge für fast alle meiner Röcke. Er ist WARM. Ich werde ihn gaaanz sicher genauso hingebungsvoll und mit Vergnügen tragen, wie ich meinen grünen Mantel trage.

Einziges, klitzekleines Problem – aber das löse ich per Einkauf – sämtliche winterlichen Kopfbedeckungen passen nicht. Entweder farblich oder stilistisch. Die Karo-Schägerkappe finde ich auch nicht den Burner dazu, aber was aufn Kopp mußte gestern sein.

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Fazit: Um mit Hornbach zu sprechen: Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht.

Nichts weglegen, wenn man nicht mindestens einen klaren Plan hat, wie man dem Problem beikommen könnte. (Gilt übrigens für alles im Leben – and I goddam know what I’m talking about.)

Schwierige Fälle mitnehmen zu Nähmöglichkeiten mit sozialer Kontrolle / Unterstützung. Ich stelle fest, alleine zu wissen, Bele ist ja notfalls da – so als wandelndes Fachwissen – macht meine aufgebauschten Nähprobleme ganz handzahm.

Wenn man der eigenen Disziplin nicht traut, Menschen mit ner gewissen inneren Strenge damit beauftragen, einen zu nerven. Besonders, wenn man wie ich, eeeecht nicht genervt werden will und es viel eher mag, den eindruck zu erwecken, alles VOLL im Griff zu haben.

Letztlich ist das eigenständige Nähen von Kleidung auch eine Charakterschulung.Vielleicht vor allem?

In dem Sinne: Got you, bitch!