Ehre, was ist

Im Moment passiert gerade viel Leben. Eineinhalb Berufstätige plus ein ausgesprochen eigensinniger fast Dreijähriger versuchen sich neu einzuspielen. Gar nicht so einfach. Und das ist die Untertreibung des Jahres. Ich hatte schon Morgende, da bin ich heulend zur Arbeit gefahren, nachdem ich ein ebenfalls heulendes Kind im Kindergarten abgegeben hatte. Und ich hole so gut wie jeden Tag ein auf 180 Sachen hochgeschraubten kleinen Mann von da ab. Effekt des Ganzen ist unter anderem, daß ich abends nur noch auf die Couch will.

Was auch nicht stimmt. Eigentlich will ich schon mittags auf die Couch. Und noch eigentlicher will ich gar nicht auf die Couch, sondern ans Schreiben, zumindest an die Nähmaschine. Aber ich bin völlig erschlgen und wenn ich doch mal den Rechner anmache, pinne ich mir allerhöchstens zum Hohn ein paar schöne Bildchen auf Pinterest.

Nun liegt meine Kreativität nicht komplett brach, dann könnt ich mich vielleicht doch eher aufraffen. Aber ich hab die letzten Wochen auch damit verbracht, allerlei work-shops und Kurse zu konzipieren. Außerdem muß ich mich in ein völlig neues Fachgebiet und ganz neue Strukturen einarbeiten. Was alles keine Herkules-Aufgaben sind, aber erstaunlicherweise mehr Kräfte rauben, als ich erwartet hatte. In völliger Selbstüberschätzung (mal wieder!) dachte ich mir so: Naja, 25 Stunden, das ist doch nix. Bullshit.

Es verlangt nen ganz anderen Tagesablauf und wirft das nie wirklich eingependelte System zwischen Kreativen Eigenprojekten, Mutter sein und meinen Teil der Hausarbeit wuppen vollkommen über den Haufen. Ich nehme an, ich bin damit nicht allein. Bele z.B. hatte mich vorgewarnt.

Und wenn ich an diesem meinen blog denke, dann hab ich sofort ein schlechtes Gewissen, weil ich seit Januar nichts Genähtes mehr zu zeigen hatte und in letzter Zeit meine Worte fast ganz versiegten.

Was einerseits daran liegt, daß an der DIY Front gerade bis auf Brotbacken und den überwiegenden Teil der Abende selbst kochen nichts passiert. Und andererseits dadurch bedingt ist, daß mein Arbeitsspeicher gerade so mit fachlichen Dingen belegt ist, daß ich manchmal wie blind und taub durch meinen Resttag taumle und von wahrnehmen und achtsam sein und damit Futter zum drüber schreiben kaum die Rede sein kann.

Paradoxerweise fällt es mir aber überhaupt nicht schwer, meinem inneren task-master beständig neue Worte in den Mund zu legen. Eigentlich rede ich mit mir selbst nur noch in DU SOLLTEST und DU MUSST. Gerade jetzt müßte ich z.B. dringend Sohnemanns total verschlammte Winterstiefel saubermachen und noch mindestens Bad und Eßzimmer wischen. Was beides wohl nicht mehr passieren wird und damit ordentlich Munition bietet für den Selbstbeschuß.

Als ich mich heute an meinem freien Tag schon wieder dumm anmachen wollte von wegen: WAS HAST DU EIGENTLICH MIT DEINEM VORMITTAG GEMACHT? fiel mir dieser Yogi-Tee-Spruch ein: Ehre, was ist.

Toll, dachte ich. Genau was ich jetzt brauche. Nicht nur steigt kein Dschin aus meiner Teekanne, sondern ich krieg auch noch so ein Blatt zugespielt. Ehre, was ist. Super: Durcheinander aller Orten, eine anklagend an der Tür hängende noch immer unfertige Bluse, eine ungeduldige, hungrige Mutter und ein geschaffter kleiner Mensch, der nicht weiß wohin mit der Anspannung seines Tags. Wie bitte soll ich das denn ehren?

Eine Tasse Chai-Tee und eine halbe Rosinenschnecke später war ich zumindest in der Lage, mal die Erwartungen und Selbstanforderungen in meinem Kopf so weit auszuschalten, daß ich meine Lage halbwegs objektiv begucken konnte. Veränderungen sind messy. Sie sind nicht besonders bequem. Und sie brauchen Zeit. Aber sie sind die Momente, an denen wir uns neu kalibirieren.

Ich bin im Moment nicht so energiegeladen, daß ich meinen Tagesablauf durchziehen und abends dann zu kreativer Höchstform auflaufen könnte (was auch an der seit drei Wochen anhaltenden Grippe liegen mag). Meine beste Nähzeit ist sowieso der Vormittag. Schreiben geht manchmal auch in müde. Aber nicht in müde und unausgedacht. Ich brauch mittags genauso meine Zeit, um runter zu kommen, wie der kleine Mann sie braucht. Das ist nicht ideal, aber es ist so. Und es wird nicht besser, wenn ich mir jeden Tag sage, daß das doch wohl eigentlich gar nicht sein kann.

Ehre, was ist heißt anzuerkennen, daß ich nicht alles so kann, wie ich mir das gerne wünsche. Das ich z.B. wesentlich mehr Zeit für mich brauche als angenommen, um ausgeglichen zu sein. Es heißt aber auch, den Bedürfnissen, die zur Zeit zu kurz kommen, immer wieder Gehör zu geben und sich dann selbstdisziplinierend vom Sofa zu erheben, um doch noch eine oder zwei Stunden was zu tun.

Für diese Woche nehme ich erstmal aus meinem kurzen Erleuchtungsmoment mit, meinem Zensor Mäßigung zu befehlen, wenn er sich meldet und wieder mehr im Augenblick als in den Debatten in meinem Kopf zu sein.

 

Auf den Kopf stellen

Am FREITAG!!!! erscheint der dritten und letzte Teil meines Buchs WINTERVERGNÜGEN. Zur Einstimmung hier die Begrüßung und der Hinweis, daß es diesen letzten Teil bis Samstag, 02.02.2013, 24 Uhr für 7 € bei mir zu bestellen gibt. Danach kann man das Buch natürlich auch immer noch kaufen. Allerdings gilt dann wieder der reguläre Preis.

 

Februar. Ein Monat der mir sonst durchgeht. Es ist lange genug dunkel und kalt gewesen. Deshalb hab ich keine Lust mehr auf Schal und Handschuhe und Winterstiefel. Ich will Sonnenschein und Tulpenblüte.

Aber es ist noch nicht soweit. Ist erst Februar. Manchmal frage ich mich, ob er deshalb nur 28, manchmal 29 Tage hat? Weil wir ihn länger nicht ertragen würden. Wenn mir als nüchterner Niedersächsin auch die organisierte Form von Massenfröhlichkeit im Karneval fremd ist, kann ich doch vollkommen nachvollziehen, daß man dem Winter mit Krach, Radau und Geistermasken den Weg zur Tür raus weisen will. Ist es wirklich immer noch Winter? Ja. Erst Februar.

Vielleicht haben die Blumenhändler auch deshalb den Heiligen Valentin ausgesucht: Jede Ablenkung ist recht. Ist es wirklich erst Februar?

Wartet man im Dezember sehnsüchtig auf den ersten Schnee, hat man im Februar für Neuschnee keinen Sinn mehr. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.

Was macht man also mit diesem ewigen Zweiten, in dem man vielleicht schon realisiert hat, daß man nicht alle guten Vorsätze halten kann? Man stellt sich und seine Welt auf den Kopf.

Ehe der Jahresanfangsschwung ganz verloren ist: Erklären wir den Februar zum Experiment. Er ist eh viel zu kurz, um ihn ernst zu nehmen. Wie wär’s? Wir fordern uns heraus. Wir gewöhnen uns um. Wir probieren ein neues Ich. Wir nehmen unsere Januarpläne und machen Ernst mit den Veränderungen.

Was der Februar vor allem lehrt? Alles, was wert ist, getan zu werden, wird man trotzdem tun müssen. Trotz der wintermüden, graugelaunten, frostgebeutelten Stimmung. Trotz der Schneewehen und der Eisglätte. Trotz der geplatzten Resolutionen und des schwindenden Optimismus. Obwohl von Krokussen noch keine Spur und Frühling nur eine vage Verheißung ist. Wer aufbrechen will, muß es trotzdem tun. Auch, wenn er sich dafür auf den Kopf stellen muß.

In diesem Sinne: Trotzdem viel Vergnügen.

Alles andere aber (Kein) SWAP-Zwischenbericht

Äh, ja. Aso eigentlich wäre schon vor ein paar Tagen ein SWAP-Zwischenbericht fällig gewesen. An dem Tag hatte ich aber anderes im Sinn. Was für den großen Teil meiner Zeit im November galt.

Danach brauchte ich erstmal ein Päuschen, um mich für einen auch nicht unwichtigen Termin gestern zu stählen. Der hat mir allerdings noch mal deutlich gemacht, daß ich ganz schnell ein paar wirklich ordentlich, offizielle Stücke nähen muß. Weshalb ich gestern abend mit Verve an meine Anise Jacke gegangen bin. Ziel dafür: Freitagmittag! Diesen Freitagmittag!

Insgesamt sieht meine to-sew-Liste für Dezember heftig aus. Ich befürchte, wenig Gebloggtes, dafür ganz viel Zeit hinter der Nähmaschine. Weniger Worte, mehr Photos.

Eine klitzekleine Kleinigkeit muß ich dann doch noch erzählen, ehe ich an die Bilder übergebe. Ich hab bei ebay eine Riesenpackung Schnittmuster aus den 50er und 60ern ersteigert. 45 Stück, um genau zu sein. Die Kiste ist leider immer noch nicht da, aber ich kann’s kaum erwarten! Wenn, o wenn sie kommt, werdet Ihr sofort informiert!

Während alle anderen noch mit dem Anlegen der Schutzkleidung beschäftigt sind, inspiziert Sohnemann schon mal die Tore.

Dann die Schläger.

Und er schreckt auch vor der Rampe nicht zurück.

Ich für meinen Teil muß mich beim Sicherheitstraining sehr überwinden, genau das zu tun, was ich nicht will: Hinfallen. Dafür aber, daß ich seit mindestens 8 Jahren nicht mehr auf Inlinern gestanden hab und auch davor nicht viel gelaufen bin, ging’s nach ner Stunde ganz gut. – Was Autoren am Tag ihrer Veröffentlichung machen. ;-)

Ab und an folge ich meinem eigenen Rat, also Sonntag erstmal Raum geschaffen und meinen Arbeitsplatz und umliegende Oberflächen aufgeräumt. Dabei dieses getrocknete Etwas wiedergefunden, das Sohnemann und ich im August in Bad Godesberg im Park gefunden hatten. Weiß jemand, von welchem Baum das stammt?

Und weil gerade alles so schön freigeräumt war, den ‘Adventsaltar’ diesmal im Eßzimmer eingerichtet. Wenn das kein schöner Anblick am Schreibtisch ist ….

Sohnemann ist ganz vernarrt in diese kleinen Männer hier:

Und jetzt Ihr: Was bleibt bei Euch gerade alles liegen?

 

Es ist raus!

 

Moin Welt!

Ich fasse es zwar noch nicht so ganz, aber: die vorbestellten Exemplare meines Buchs sind verschickt. EIn ganz und gar selbstgemachtes Buch. Und, Kerl, hab ich dabei gelernt.

Nun bin ich erst recht aufgeregt! Und stolz. Und freu mich wie … ein Wichtelmännchen?

Und ich würde die Freude gern mit noch mehr Lesern teilen. Wer sich also bis heute Nacht um 12 entscheiden kann, den Dezemberteil VORFREUDE doch lesen zu wollen und mir das auch per e-mail (alexandra punkt m punkt at gmx punkt de) mitteilt, der bekommt ihn für den reduzierten Vorverkaufspreis von 7€! Jo, so sieht’s aus.

Hier noch ein Häppchen Text und dann geh ich Rollschuhlaufen mit meinen beiden Männern, denn die mußten ganz schön zurückstecken, die letzten Tage!

Die winterkahle Natur erlaubt den Blick auf die Struktur. Hebt Texturen hervor, die sonst unter Farbe und Bewegung verschwinden. Wer achtsam hinsieht, entdeckt eine Fülle von verborgenen Details. Schnee ist ein großer Radierer, der selbst verbaute Ruhrgebietsrandstädte in andeutungsstarke Tuschezeichnungen verwandelt. Der Bildelemente reduziert und dadurch bedeutsamer macht. Er deckt viele Spuren unserer Zivilisation zu und gibt der Landschaft ihre Unberührtheit zurück. Seine weiten weißen Flächen machen den Blick und die Gedanken frei.

Dem großen Weißeln des Schnees folgend darf man sich ruhig fragen, wo es eine neue Leinwand aufzuziehen gilt. Wo man visuellen und geistigen Raum schaffen muß, damit Neues entstehen bzw. Essentielles zum Vorschein kommen kann. Wo muß man in Ruhe aufräumen und Spuren beseitigen? Ich bin kein Freund der Hausarbeit, aber der große Hausputz vor Weihnachten ist durchaus nützlich, Platz zu schaffen. Nicht für mehr Zeug, sondern für mehr Ideen.

Ich wünsche Euch in jedem Falle ein sensationell stimmungsvolles erstes Adventswochenende. Habt viel Spaß.