Stoffwechsel – Stoffvorstellung

Als ich nach einer sehr späten Heimkehr aus dem Urlaub und dem sehr frühen ersten Arbeitstag zurückkam, lag da ein Paket für mich, das ich quietschend in Empfang nahm. Der Sohn fragte: “Was ist da drin, Mama?” Meine Mutter, so ganz lakonisch: “Schuhe.” “Nee”, sage ich, und schüttele entschieden den Kopf. “Dann Stoff”, sagt meine Ma und geht Kaffee kochen.

Ja. Ich rechne es mir hoch an, daß ich tatsächlich erst mal mit der Familie Mittag gegessen habe, aber dann gab’s kein Halten mehr. Auf das Paket. Auch wenn da die Agentur Rampensau im Absender stand, (ich stelle gerade erst fest, daß es die tatsächlich gibt) war mir völlig klar: das konnte nur meine Stoffwechsel-Post sein.

Ich schälte das verpackte Stoffbündel aus seinem Briefumschlag, öffnete das Geschenkpapier und fand:

stoffwechsel_blumen

stoffwechsel_tuch

Der sehr liebe Brief, der mit K. unterzeichnet ist ( was ich ganz skeptisch mal für ne völlig falsche Fährte halte), verriet mir, daß die seidigen Blumen eine Viskose sind und das blaugraue Tuch ein Wollkammgarn. Ich verliere vermutlich jeden Anspruch auf einen NähNerdTitel, wenn ich jetzt gestehe, daß ich erstmal googeln mußte, wie denn wohl Kammgarn so gemacht wird. Womit Ihr merkt: der unifarbenen Stoff fällt nicht in mein normales Beuteschema. Auch erschien mir die ersten ein, zwei Tage das Grau etwas blaustichiger als ich es mir ausgesucht hätte.  Das Wollkammgarn und ich mußten uns erst ein bißchen gewöhnen. Mittlerweile ist alles gut. Die Blümchen hingegen hatten mein Herz sofort bezaubert.

Was mir auch mit dem Auspacken klar war? Was diese zwei Stoffe werden würden. Meine gute Fee schlug dieses Kleid hier vor.

dsquared2-grey-pinstripe-blazer-dress

Aber die wunderbaren Blümchen als Futter verschwinden lassen? Nein, das geht doch nicht. In Edinburgh hatte ich mich in die gesamte Schaufenster-Auslage von Walker Slater verliebt und deshalb sah ich den grauen Stoff sofort als Weste und Knickerbocker und die Blümchen als Bluse mit Stehkragen. So wie hier:

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Aber: Das ist ja auch schön.

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Und das hier sowieso.

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Nein, erstmal beim ersten Einfall bleiben.

 

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Als ich den Stoff dann heute zum Photographieren über meine Puppe warf, kamen mir aber Zweifel, ob das graue Tuch nicht zu fein für eine Hose ist. Vielleicht doch eher ein Rock? Oder so ein 70s-Culotte-Hosenrock-Dings? In jedem Fall werde ich da wohl den einen oder anderen Schnitt entwickeln müssen. Falls aber jemand anhand meiner Zeichnung sagen kann: Mensch in Burda xy, oder hier oder dort gab’s doch mal was sehr Ähnliches, dann bitte …. denn ehe ich mich versehe ist der 1. Advent und ich bin mit meinen hochfliegenden Plänen wieder voll im Verzug.

So. In Abwesenheit von Sherlock fasse ich mal kurz die Fakten zusammen.

Meine Stoffpatin scheint schon länger mein blog zu lesen, jedenfalls fühlte ich mich von ihrer Auswahl von Stoff und Schnitt gut erkannt. Lotti antwortete mir, als ich kurz vor Abreise in den Urlaub eine Panik-Mail schrieb – was wenn das Paket ankäme, während ich nicht da sei und dann – oh Schreckensgraus – zurückgehen würde – ich hätte überhaupt die beste Stoffpatin, woraus ich schließe, daß sie sie persönlich kennt. Was mich wiederum schließen läßt, daß es sich doch um eine Berliner Absenderin handelt. Auf den Poststempel hatte ich nicht geguckt. Dem hätte ich auch nicht getraut. Mein Paket ist ja auch nicht … aber halt. Gleichwohl sagt der Brief, die Stoffe entstammen einem Sale, also kein Marktkauf. Aber nur weil jemand in Berlin wohnt, muß sie ja nicht zwangsläufig auch … jaja, vermutlich kichert gerade jemand in einem ganz anderen Teil der Republik vor sich hin. Irgendwas im Ton des Briefes läßt mich Frau Nahtzugabe vermuten. Aber das ist nur ein intuitiver Hauch, den ich mit nichts belegen kann.

Sherlock? What do you think?

Wer und wo auch immer Du bist Frau K.: Herzlichen Dank. Ich freue mich total über den Stoff und den lieben Brief. Das ist ein sehr feines Stoffgeschenk. Und ich hoffe, ich kriege  was Ansehnliches daraus hin. Vielleicht können wir ja mal zusammen Stoff einkaufen gehen?

Alle anderen Stoffe, schönen Pläne und Rätselraterei findet Ihr hier bei Frau Siebenhundertsachen, die die textile Herbstfreude überhaupt erst ermöglicht hat. Und nun bin ich gespannt, was mein Wichtel so schreibt. Bibber.

Me Made Mittwoch! Der Hm,ha,ichweißnicht-Rock

Für alle, die den Schnitt nicht kennen: das ist Anémone von Deer & Doe. Der Stoff ist der heißgeliebte Viscose-Krepp vom roten Faden. Zusammen ergibt das ein …. ich weiß noch nicht so recht. Fertig ist der Rock schon eine ganze Weile, getragen habe ich ihn noch nicht viel.

anemone_front

Aber eins nach dem anderen. Der Schnitt näht sich gut. Allerdings hatte ich meine liebe Last damit, die hohe Taille so anzupassen, daß sie auch wirklich paßt aka: nicht rutscht. Das ist mir tatsächlich auch nach mehrmaliger Frickelei nicht gelungen, deshalb der Gürtel. Das liegt aber keineswegs am Schnitt, sondern an meiner kurvenreichen Mitte.

anemone_seite

Ich hatte Angst, daß sich der Bund an der natürlichen Taille beim Tragen immerzu einkerben würde, deshalb habe ich ganz steife Einlage genommen. Ich bin noch nicht wirklich davon überzeugt. Zum Tragen ist es nicht super unangenehm, aber merkwürdig fremd. Die Länge ist ungewohnt, fühlt sich aber ganz cool an.

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Ich fremdele dennoch mit der Silhouettte. Von vorne finde ich die Ansicht ganz hübsch. Oder betont der Schnitt doch zu sehr, die Region meines Körpers, wo ich eher keine Aufmerksamkeit möchte? Hm ….

Was anderswo in der Republik heute Selbstgemachtes ausgetragen wird, sehr Ihr wie immer im wunderbaren Me Made Mittwochs blog.

Me Made Mittwoch: Out of the blue

 

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Als ich heute morgen vom Stoff kaufen mit meinen Kursteilnehmerinnen zurück ins Büro kam – um noch ein paar Nähmaschinen auf Vordermann zu bringen – mußte ich doch mal eben bei Twitter reinschauen. Imagine my surprise: Es war schon wieder Mittwoch. Es war mal wieder Me Made Mittwoch. Und ich war mal wieder nicht dabei. Weil ich natürlich nicht daran gedacht hatte, einen post vorzubereiten und Photos zu machen.

Was überaus ärgerlich war, weil der Rock, den ich anhatte – mittlerweile bin ich in chilligere Gaunerklamotten ungestiegen – noch nicht mal verbloggt war. Dann fiel’s mir ein: ich hatte genau die gleiche Kombi vor ein paar Wochen im Urlaub an. Incl. Schuhen und Schmuck. So ist das halt bei mir: wenn ich eine Kombination gefunden habe, in der ich mir gefalle und die bequem ist, dann wird die häufig genauso wieder getragen.

Der Rock ist eine weitere Version des 40s Tea Skirts. Also des Rockteils von Sew Over Its 40s Tea Dress. Der Stoff hat deutlich mehr Stand als die Stoffe der anderen beiden Varianten. Und immer, wenn ich ihn trage, habe ich das Gefühl zu schreiten, nicht zu gehen. Der Stoff ist von Alfatex, war schon eine Weile auf Lager und ist ein sehr grob-gewebtes, empfindliches Leinen. Ich liebe ihn trotzdem.

Dank Urlaubsphotos bin ich heute also doch beim Me Made Mittwoch dabei. Verzeiht mir die sonnigen Photos. Äh, ja: Der Hafen ist übrigend ins Mallaig. Da hin kommt man mit dem Harry Potter Zug. Aber das ist Stoff für einen weiteren blog-post.

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Anderer Tag, andere Kombination. Aber hier sieht man den Rock doch deutlich besser.

Was die NähNerdWelt heute so an Selbstgenähtem trägt, sieht mensch wie immer hier.

NIX FÜR LEMMINGE – MÄRCHEN – Ich hab einen Entwurf, aber wie nähe ich das?

nixfürlemmingegross

Moin und gleich erstmal eine dicke Bitte um Entschuldigung. Natürlich hätte dieser post gestern online gehen sollen, aber leider ist die versprochene Internetverbindung hier in den schottischen Highlands etwas launisch, so daß ich jetzt gerade erst ins Netz komme. Mit etwas Verspätung nun also der post zum Verlinken.

 

Heute geht es darum, auszuklamüsern, wie wir unsere Entwürfe nun tatsächlich in Stoff umsetzen.

Ich habe wie immer an der Puppe gearbeitet, um an einen Schnitt zu kommen. Allerdings bin ich noch lange nicht fertig, weshalb ich mir heute auch nur Gedanken zur Jacke mache.

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Als Material habe ich mich jetzt für ein hinreißendes dunkelauberginefarbenes Napppa-Leder entschieden. Mit Leder habe ich noch nie gearbeitet. Die Damen bei meinem Lieblingsstoffdealer haben empfohlen, möglichst große Stiche zu wählen und natürlich eine Ledernadel zu verwenden. Ansonsten meinten sie, dürfte das recht dünne Leder keinen Ärger bei der Verarbeitung machen. Außer natürlich den simplen Fakten, daß ICH extrem ökonomisch zuschneiden muß … husthust … und man jeden Stich im Leder sieht … also nicht großartig getrennt werden kann. Extrem exaktes Arbeiten erforderlich und: die Paßform muß vorher 100% stimmen … noch mal …husthust. Entspricht gar nicht meiner Arbeitsweise. Meistens frickele ich nämlich am Endprodukt auch noch ewig. Na gut. Wir wollen ja raus aus unserer Komfortzone mit dieser Herausforderung.

lederjacke_seite

Wer von Euch hat denn schon mal Leder verarbeitet? Was muß ich noch beachten?

Zum Schnitt der Jacke: Bis jetzt bin ich beim Drübernachdenken noch auf keine großen Probleme beim Zusammenbauen gestoßen. Ich vermute eher, daß ich noch mal substantiell nacharbeiten muß, um die Paßform von der Puppe auf mich anzupassen. Ich denke, daß ich mit der Reihenfolge: Schultereinsatz ins Vorderteil einbauen, Vorderteile zusammennähen, mit den beiden Rückenteilen und den rückwärtigen Schultereinsätzen ebenso verfahren, Schulternaht schließen, Kragen einsetzen, Seitennähte schließen, Ärmel zusammennähen ( es werden zweiteilige Ärmel werden, ggf. mit Reißverschluß) , Schuppenschulterkappe draufnähen , Ärmel einsetzen, Jacke und Ärmel säumen und Futter einsetzen hinkommen müßte. Die bösen Überraschungen tauchen eh immer erst beim tatsächlichen Nähen auf. Aber da sind ja noch zwei Probeteile vor.

lederjacke_kragen

So. Over to you. Rauchen Euch die Köpfe? Habt Ihr gar schon zugeschnitten und angefangen zu nähen? Wo braucht Ihr Rat und Wissen?

By the way: Das ist gerade meine Aussicht.

arbeitsplatz

Jemand Lust auf ne Runde Snooker? Die analogen Dinge funktionieren hier nämlich prima.