Ich gebe es zu: Da ich dies schreibe, trage ich bereits wieder ein langärmeliges T-Shirt und eine Strickjacke. Beides nicht me made, dafür aber warm. Trotz regengrauem Schietwetters wollte ich aber mein neues Blüschen endlich vorzeigen und nach einer extra heißen Dusche hab ich sogar die Viertelstunde beim Photo machen nicht gefroren. Dafür aber dauernd ungünstig zur Kamera gestanden.
Macht mir heute nüscht. Auch wenn ich meinen Kopf für die Rückenansicht besser vorne behalten hätte. Eigentlich sitzt die Bluse hinten nämlich auch. Anders als designed trag ich das Schleifchen lieber vorne.
Hier kurz die Fakten. Die längere Ausführung gab’s schon gestern und zwar hier.
Schnitt: Taffy aus dem Colette Sewing Handbook.
Stoff: 2€ der Meter Poly vom Markt am Maybachufer. Ich konnte dem Muster nicht widerstehen.
Preis: 4€ für den Stoff, durch den Schrägschnitt gab’s arg viel Verschnitt, ich denke nicht, daß ich aus dem Rest noch was für mich hinkriege. 6,75€ für’s Schrägband bei meiner lokalen Dealerin. Garn hatte ich eh. Und natürlich der Preis des Buchs. Das dürfte sich aber über den Sommer noch amortisieren. Licorice ist schon kopiert.
Arbeitszeit: Oi. Ich hab’s nicht nachgehalten. Aber da ich eine Nähschnecke bin und außerdem ein bißerl mit dem Ausschnitt gekämpft hab, hab ich bestimmt 8 Stunden dran gesessen. Was aber kein Maßstab ist. Die Anleitung im Buch ist jedenfalls super.
Zieh ich das noch mal an? Hell yeah! Sobald die Sonne da draußen wieder aufkreuzt und das Quecksilber die 20°C-Marke übersteigt. Vielleicht hab ich ja dann auch das passende Röckchen fertig. Und die zweite Version aus Jersey mit weißen Tupfen.
Weitere schöne selbstgenähte Garderobe gibt’s wie immer mittwochs bei Cat-und-Kasha.
Also: meine Mama war hier. Eine ganze Woche lang. Was bedeutet: ich hatte Zeit zum Nähen. Ohne schlechtes Gewissen. Yeah!
Ich hatte Zeit zum Nähen, was an sich schon schön ist. Zu schreiben bringt Klarheit in meine Gedanken und Tage. Zu nähen zumeist das feine Gefühl, was geschafft zu haben. Denn der Fortschritt, so klein er manchmal ist, wird sofort sichtbar. Was mir aber übers Wochenende klar wurde: Handarbeit kann immer auch Seelenarbeit sein. Meine paar Stunden konzentrierte Arbeit vor der Nähmaschine und am Bügeleisen haben mir noch nie so gut getan wie an diesem Wochenende, an dem ich innerlich so angeschlagen war.
Was hab ich also geschafft?
Endlich ein neues Oberteil für mich. Tata! Nein, es ist nicht die rosa Bluse mit dem Bubikragen. Das Biest hängt immer noch anklagend an der Eßzimmertür. Vielmehr hat es der 2 Euro Stoff vom Markt am Maybachufer geschafft, sich in eine einigermaßen gutsitzende Taffy aus dem Colette Sewing Handbook zu verwandeln. Fragt sich nur noch, wie sich das Polyesterstöffchen im Hochsommer tragen wird. MERKE: Nie vom Muster alleine verleiten lassen.
Aber ich will Taffy gar nicht fertigmachen.
Zunächst mal: Die ganze Choose wird schräg zugeschnitten. Bibber. Nägel kauen. Doch erst NOCH einen Tee trinken. Es ging dann aber ganz ohne Verluste ab. Und ließ sich gut nähen. Die Anleitung im Buch ist superverständlich. (Natürlich auf Englisch.) Selbst für mich Greenhorn. Zwei Mäkeleien hab ich trotzdem. Eine betrifft die Paßform, die andere das Papier der Schnittbögen. Dunkelbraunes, sehr, sehr dünnes Papier. Die Linien heben sich beim Durchpausen nicht wirklich gut ab. Also hab ich sie nachgezogen. Filzer zerläuft zu nem breiigen Strich und selbst B2 Druckbleistift breite Mine reißt das Papier auf. Nicht so schön.
Was die Paßform angeht: die Ausschnitte sind arg riesig. Nach einiger Recherche hab ich festgestellt, daß das nicht an meinem Oberweiten- Schultern-Verhältnis liegt, sondern wohl ein genereller Bug des Schnitts ist. Ich bin dann letztlich einem online gefundenen Rat gefolgt und hab vorn und hinten mittigs eine kleine Falte eingebaut. Nu sieht’s ganz gut aus und der Ärmel rutscht nicht mehr sonstwohin.
Ich hab zum Einfassen natürlich kein selbstgemachtes Schrägband benutzt, sondern welches gekauft. Das teurer war als die zwei Meter Stoff. Satinschrägband, um genau zu sein. Und ehrlich gesagt gefiel mir der Fall der Ärmel vor der Schrägbandapplikation besser, weil weicher. Beim nächsten Mal wage ich mich doch mal dran, welches selbst zu machen.
Alles in allem aber: eine fröhliche kleine Bluse mit dramatischen Ärmeln. Morgen dann, egal wie das Wetter ist, beim Me.Made.Mittwoch premiert.
Dann mußte ich natürlich noch was für die Ma nähen. Ist ja wohl Ehrensache, wenn sie schon Sohnemann bespaßt. Und schon letztes Jahr Stoff gekauft hatte. Leinen. In orange. Und das schräg zugeschnittenen Leinen-A-Linien-Kleid aus der neuesten Ottobre (Nellie) sollte es sein.
Ich also gaaaaanz vorsichtig zugeschnitten. Gaaaanz vorsichtig gesteckt. Gaaaanz vorsichtig einmal anprobiert und Busenabnäher und Weite hier, Weite da verändert. Formband aufgebügelt. Genäht, noch mal anprobiert, noch mal geändert. Also wirklich das Ding wie ein rohes Ei angefaßt, um ja nicht irgendwas zu verziehen. Dann saß Kleid toll. Ich also, um ja keinen Schaden anzurichten, Reißverschluß per Hand eingesetzt. War super. Mach ich von jetzt ab immer. Kleiner Scherz. Aber er hat mich so echt weniger Nerven gekostet als drei mal rein und wieder raus, weil die Maschine nicht macht, was ich will.
Ende vom Lied? Ich guck dann vorm Einnähen der Belege doch noch mal in die Anleitung. Und versteh nur Bahnhof. Wie bitte soll ich denn diesen Stoffwust – das Kleidchen ist wadenlang – durch einen vier Zentimer ! schmalen Schulterträger nach vorne wenden? Ich les es. Meine Ma liest es. Mein Mann nimmt sich der Sache an und zieht – unterbrochen von meinen Mahnungen zur Vorsicht – das ganze Ding durch die Schulter, nur ums wieder genauso liegen zu haben.
Mittlerweile ist der Ausschnitt natürlich doch verzogen. Also Not-OP. Schultern und Seiten aufgetrennt, Belege konventionell gewendet. Und nu kann ich die Seiten und dann die Schultern wieder irgendwie zusammenpfuschen.
Fragen also: Wie funktioniert diese Dreherei? Kann dazu bitte mal jemand ein oder mehrere Schaubilder veröffentlichen? Vielleicht sogar die Leuts von Ottobre Design. Und wo ihr gerade dabei seid: Guckt Euch doch bitte mal Sarai Mitnicks Anleitungen an. Vielleicht ist nordisch-wortkarg nicht der beste Weg zu Home-Schneiders Zufriedenheit. Und: Wie empfindlich sind denn nu Klamotten im Schrägschnitt in der Verarbeitung wirklich? Ich fand es gegenintuitiv das Kleid durch so ein Nadelöhr zu zerren. Aber vielleicht bin ich nur ein furchtbarer Angsthase.
So also ist der Stand der Dinge. Ich geh nu mal ans orangefarbene Kleid zu retten, was ich retten kann. Schließlich soll’s ja spätestens der Osterhase bringen.
Zu sagen, es war eine Scheiß-Woche trifft es nicht. Für weite Strecken war sie sogar ganz nett und produktiv und entspannt, weil ich Unterstützung mit Sohnemann hatte. Dann kam der Freitag und seit dem stehe ich auf sehr wackeligen Füßen. Ein großer Wunsch verwehrt, eine Hoffnung zunächst aufzugeben. Oft befällt mich in Momenten, in denen es hart kommt, das ‘warum ausgerechnet immer ich’-Syndrom. Auch so diesmal. Aber dann ließ mich irgendwas (ist es das Alter? die einsetzende Weisheit?) mich umdrehen und nicht auf das sehen, was ich nun nicht haben werde, sondern auf das, was da ist.
Deshalb heute meine Liste der zehn Dinge für die ich dankbar bin.
1. ein gesundes, aufgewecktes, forderndes Kind zu haben
2. meinen Mann
3. Omas, die zu Besuch kommen und auch nach sechs Tagen noch klaglos Türme bauen, die gleich wieder umgeworfen werden
4. das ich mich ins Nähen so vertiefen kann, daß zumindest für eine Weile die grauen Wolken und dunklen Gedanken verschwinden
5. schöne Stoffe, die funkeln, obwohl’s die Seele gerade nicht tut
6. wirklich gute Torte
7. bekocht werden
8. dumme, alltägliche, nervige Dinge, die einem zu tun geben, wenn sonst nichts getan werden kann
9. Matthew Crawfords Buch ‘The Case for Working with your Hands’
10. Opas, die ihre Autos verleihen und Brüder, die die Augen offenhalten nach günstigen gebrauchten
Um dem neulich von Cat ausgemachtem Trend zur Idealisierung der Blogger-Mama-DIY-Welt entgegenzuwirken: so sieht mein Arbeitszimmer / unser Eßzimmer aus, wenn ich arbeite.
Halte ich freie Oberflächen für essentiell? Ja. Würde ich eine Deklaration unterschreiben, die das abendliche Wegräumen von Spielzeug und Arbeitsmaterial fordert? Ganz sicher. Aber das Leben folgt eigenen Gesetzen.
Ich stehe mit dem Hefeteig auf Kriegsfuß. Nicht mehr so heftig wie früher, immerhin hab ich mittlerweile ein totsicheres Brotrezept mit Hefe im fast täglichen Gebrauch, aber auch das hat nicht zu einer Lust geführt, noch mehr Rezepte mit Hefe auszuprobieren. Dieses ewige Gehenlassen und Wiederdurchkneten – echt jetzt, dazu fehlt mir die Geduld. Und die Ergebnisse waren denn auch meist dürftig.
Was aber machen, wenn einem trotzdem der Sinn nach hausgemachter Pizza steht?
Auftritt Quark-Öl-Teig. Ich weiß, ich weiß. Der ist irgendwie ein Relikt aus den 80ern und keine ernstzunehmende Bäckerin würde zugeben, ihn zu benutzen … so ungefähr ist sein Image, oder?
Aber: Auch wenn das Original-Rezept zu meinem Pizza-Teig aus der Brigitte der frühen 80er Jahre stammen sollte, mit ein paar Anpassungen ist es auch in diesem Jahrhundert tauglich – und hey: keine Wartezeiten! Teig fertig. Ausrollen. Tomatensauce drauf und was man sonst auf seiner Pizza mag. Rein in den Ofen und schon mal Weinchen aufmachen. Bzw. Apfelschorlen-Fläschchen anrichten.
Gut, nach dieser kleinen Lobeshymne hier nun die Teig-Zutaten für ein Blech:
125 g Quark
4 EL Milch
2 Eier
4EL Olivenöl
125 g feines Mehl
125 g Vollkornmehl
nicht ganz 1 Päckchen Backpulver
1 Prise Salz
nach Lust und Laune und geplantem Belag: ein bißchen Rosmarin, Thymian oder Oregano
Was ist zu tun?
Alles ganz easy. Wie ich neulich feststellte, braucht man nicht mal den Mixer rausholen. Man kann ganz lässig erst mit der Gabel und dann mit der Hand arbeiten. Nimmt man das Handrührgerät, braucht man eigentlich sowohl die Rührer als auch die Knethaken. Also: Mehr Abwasch.
Quark, Milch, Eier, Öl sowie Salz und Kräuter kräftig verrühren, bis sie eine homogene Masse ergeben. Mehl und Backpulver mischen und dazu geben. Dann entweder zunächst mit der Gabel weiterarbeiten und dann auf die Hand zum Kneten umsteigen oder gleich die Knethaken nehmen. Teig gut durchkneten.
Ein Backblech mit etwas Olivenöl bestreichen und den Teig darauf ausrollen. Ich spar mir – ehrlich gesagt – den Einsatz des Nudelholzes immer und verteile den Teig mit der Hand. Ab dem zweiten Blech nervt das aber. Wer also mehr als ein Blech plant, sollte den Teig wirklich ausrollen. Er wird dann ja auch viel gleichmäßiger.
Wer nach dem Ausrollen denkt: ‘Hui, das ist jetzt aber ganz schön dünner Teig’, dem sag ich: ‘Denk an das viele Backpulver. Keine Angst. Fröhlich draufgepackt. Ich tendiere auch immer dazu aus meiner Pizza einen Gemüsekuchen zu machen.’
Backzeit: Je nach Belagdicke und Backofenleistung: 10-20 min.
Was nun drauf machen? Das überlasse ich Eurer Phantasie, Eurem Geschmack und dem Vorratsschrank. Wir hatten neulich ein halbes angefangenes Glas scharfe Tomatensoße, darauß Thunfisch mit Zwiebeln und sehr fein geschnittenem roten Paprika und darüber Emmentaler. Beim Essen dachte ich, daß ein paar Anchovis und Kapern dazu nicht verkehrt gewesen wären und ein etwas weniger süßlicher Käse vermutlich die bessere Wahl. Geschmeckt hat sie trotzdem.
Ich hab’s dann heut mal aus dem Schrank gekramt und auch seit morgens an. Ganz so unbequem wie beim ersten Mal Tragen letzten Sommer ist es nicht mehr.
(SO hochmütig kommt man rüber, wenn man als Frau seine Meinung sagt – äh, wenn frau krampfhaft versucht, ihr Doppelkinn zu verstecken. Also noch mal normal.)
Dies ist also mein erstes selbstgenähtes Kleid. An der Farbe liegt’s nicht, daß ich es nicht anziehe. Der Rock in gleicher Farbe wird beständig ausgetragen. Am Schnitt liegt’s auch nicht wirklich, denn das hellblaue Leinenkleid, das ich nach gleichem Schnitt, wenn auch mit etwas verkürztem Taillenabnäher, genäht habe, hab ich letzten Sommer auch ganz oft angehabt.
Abgesehen von den dummen Falten, die der Taillenabnäher nach diversen ‘Veränderungsmaßnahmen’ immer noch wirft, stören mich die nicht wegbügelbaren Fältchen unterm Busenabnäher. Aber der Oberkiller ist der runde und halsnahe Ausschnitt, denke ich. Beim Leinenkleid hab ich den in einen V-Ausschnitt abgewandelt. Und das sieht einfach besser aus.
Ums kurz zu machen: jedes Mal, wenn ich das Kleid im Schrank sehe, denke ich: Ach schade, die Farbe ist so geil. Aber wenn ich’s dann rausnehme, ärger ich mich so über die kleinen und größeren Schönheitsfehler, daß ich es gleich wieder wegpacke. Eigentlich müßte ich mich nur für eine gescheite Änderungsstrategie entscheiden, oder? Vorschläge?
(SO von der Seite geht’s sogar – sowohl mit den Falten als auch dem Doppelkinn.)
Der Schnitt ist übrigens original 60s, aus einer Zeitschrift mit dem unglaublich sexy Nahttp://www.mamamachtsachen.de/wordpress/wp-admin/post.php?post=591&action=editmen: Vollschlanker Schick. Hätte mir wohl zu denken geben sollen, aber ich fand es so angenehm, daß die Modelle nach dem Brustumfang und nicht nach der Konfektionsgröße klassifiziert waren.
Kleider ohne Paßformfehler und andere schöne selbstgemachte Klamotten wie jeden Mittwoch hier: Cat-Und-Kasha.
Nachtrag: Per FB, von ner befreundeten Gewandmeisterin:
‘Unter dem Abnäherende ein schräges Stück Futter drunterlegen und beim steppen schön auslaufen lassen. Große Abhnäherbeträge ca. 14 cm lang abnähen.’
Muß ich Heidi Klums body haben? Muß ich, um beruflich und politisch ernst genommen zu werden, die immer gleichen Hosenanzüge a la Angela Merkel und Hilary Clinton tragen, weil mich – wenn ich Rashida Datis Stil aus Jederjäckchen und hohen Hacken folge – kein Mann, und vor allem keine Frau, auf Augenhöhe mehr ernst nimmt? Muß ich mein Brot selbst backen, am Besten noch mein Getreide selbst anbauen und darf ich nur Stoffwindeln benutzen? Hab ich meine Glaubwürdigkeit verspielt, wenn ich ohne Make-up zum Vorstellungsgespräch auftauche? Müssen Männer in Chefpositionen so arg allergisch auf denkende Frauen reagieren, die ihre Meinung sagen (weil sie das dummer Weise an der Uni so gelernt und dafür gute Noten gekriegt haben)? Ist es wirklich der Weisheit letzter Schluß, mein Kind mit kaum nem Jahr in Fremdbetreuung zu geben, damit Mama wieder arbeiten gehen kann, um auch ja dem Bild der Übermutter zu entsprechen? (Nicht zucken: wenn Mama arbeiten gehen muß, weil sonst alle kein Brot mehr haben, dann ist eine vernünftige Tagesmutter oder Krippe eine wirklich gute Sache.)
Verrate ich alle Frauen, die vor mir für unsere Freiheit und unsere Rechte gekämpft haben, wenn ich Schöner Wohnen lese, meine gebackenen Torten blogge und Zeit aufwende, meine Wohnung anheimelnd einzurichten?
Ist abhängig beschäftigte Erwerbsarbeit tatsächlich der Weg in die Freiheit?
Reibt sich jemand verwundert die Augen? Was hier los ist? Vielleicht eben gerade zu Catherine rüberhüpfen und gucken.
Aber eigentlich kann das, was ich sagen mag, auf eigenen Beinen stehen.
Wann ist Frau eine Frau?
Was meint denn Frau überhaupt?
Da blubbern in jeder von uns (Jungs, ich nehm Euch heut mal aus, ihr dürft gern mitlesen und auch was sagen – am Besten so was in der Art wie: Macht Euch doch nicht immer selbst fertig.) ungefragt, manchmal ungewollt jede Menge Bilder nach oben. Manche haben wir uns selbst zum Vorbild erkoren und mancher haben wir uns nicht erwehren können.
Weiß mein Kopf, daß meine Ausstrahlung eher von meinem Selbstbewußtsein abhängt, als von meinem Gewicht? Ja. Mach ich mir trotzdem an den meisten Tagen mindestens einmal Gedanken über die zu üppigen Ringe um den Bauch? Ja.
Hab ich massiv was gegen diese Art Frauen, die immer eine Haarsträhne um den Finger wickeln und mit jedem Mann in höherer Position in Kleinmädchenstimme sprechen, dabei ständig suggerierend, sie wären ja zu haben, wenn er ihnen diesen kleinen Gefallen erfüllte? You bet! Heißt das automatisch auch, daß ich mich ganz generell in jeder außer der einen Situation der durchaus vorhandene spielerischen Spannung zwischen den Geschlechtern verweigere? Seid ihr wahnsinnig? Am Theater?
Genieße ich es als frei produzierende Regisseurin diejenige zu sein, die alle Fäden in der Hand hat und das Ding gar erst auf die Beine stellt? Ja, ja, ja. Sehe ich mit Sohnemann im Moment keine halbwegs verträgliche Möglichkeit, ein weiteres solches Projekt zu stemmen? Allerdings, ja. Finde ich es grundfalsch mit dem kleinen Mann zuhause zu sein, bis er in den Kindergarten gehen kann? Nein. Sonst hätte ich wohl kein Kind. Hadere ich trotzdem jeden Tag damit, wenn mir keine ruhige Stunde bleibt, um was zu lesen, was zu schreiben, zu nähen oder sonst wie kreativ zu sein? Auch das, ja.
Hab ich was dagegen, im Job Verantwortung einzugehen und mich voll reinzuhängen? Nö. Stell ich aber die Ziele erstmal in Frage? Ja. Und hab ich Lust die zeit- und kraftraubenden Machtspielchen der Männer mitzuspielen? Nein, danke. Derweil produziere ich lieber.
Denke ich, daß sich strukturell und ideologisch in dieser Gesellschaft noch Einiges tun muß, damit Frauen und Männer die gleichen Rechte, Pflichten und Chancen haben? JA! Glaube ich, daß wir gaaaanz grundsätzlich über die ach so zentralen Begriffe der Arbeit und des Lebensunterhalts nachdenken müssen – als Individuum, als Familie, als Gesellschaft? JA!
Ich halte die Arbeitsstelle nicht für den Quell unserer Freiheit, Ladies. Der sitzt, wenn überhaupt an nur einem Ort, dann in unserem Kopf.
Halte ich – im Gegensatz zu meiner Mutter, die die Schweine noch füttern helfen mußte – die Selbstversorgerwirtschaft meiner Großeltern mütterlicher Seits ein Modell, über das es vor allem unter ökologischer Perspektive gründlich nachzudenken gilt? Yap. Und ich lese auch schon ewig Soulemamas blog.
Ich bin Mutter, ich bin Ehefrau, ich bin Gefährtin, endlose Nachdenkerin, links und doch irgendwie konservativ, ich bin große Schwester und große Tochter, leidenschaftliche Köchin, Tante, Nichte, Cousine, Freundin, Kreative, gescheiterte Selbständige, Theatermensch, Autorin …. was von all dem macht mich als Frau aus? Und was als Mensch? Wenn nicht die Summe all dieser widersprüchlichen Bewegungen?
Wann ist eine Frau eine Frau? Wenn sie an den Dissonanzen, Brüchen, Ambivalenzen und unterschiedlichen Ansprüchen in ihrem Leben nicht kaputt geht. Bin ich versucht zu sagen. Wenn sie zwischen entweder oder ihren Schleichweg finden kann.
Und wenn sie dabei noch ein Paar Schuhe mit moderaten Absätzen tragen kann, eine Klamotte, die ihr schmeichelt, auf der Hand einen Teller selbstgebackenen Kuchens, auf der Hüfte das Kind und auf den Lippen ein Lächeln, vergessend für den Moment das im Keller noch drei Ladungen Wäsche warten.
Brauchen wir mehr Frauen in der Politik, in den Medien, im Aufsichtsrat? Ja. Das Problem ist nur: wir brauchen sie genauso zuhause. Und nun kommt’s hammerhart: da brauchen wir die Männer auch. Was wir brauchen ist weniger Arbeit und mehr Zeit. Und nicht den verzweifelten Versuch, uns an irgendwelchen Idealbildern zu überfordern. Brüche und Druck haben wir zur Genüge. Was wir ersehnen wäre die eine große Erzählung, in der alles gut würde.
Heißt das jetzt, ich darf keine Rezepte mehr posten, keine 50er Jahre Kleider mit Sweetheart-Ausschnitt toll finden, keine Blumen mehr schön arrangieren oder Babymützen häkeln und sie auf meinen blog stellen? Weil das alles ja irgendwie an das bedrückende Leben der ‘Hausfrauen’ vor 50 und mehr Jahren erinnert und uns in die gleiche Ecke rückt?
Nee, meine Damen. Wir haben uns lange genug vom ‘gesellschaftlichen Diskurs’ bestimmen lassen, was wir dürfen und was nicht. Das Strickzeug wieder in die Hand zu nehmen ist kein Rückzug in die Häuslichkeit, weil man sich an der mangelnden Teilnahme im öffentlichen Leben wund gerieben hat (und ab wo ist die überhaupt? im Elternbeirat scheint sie übrigens nicht anzufangen, da sind die Väter Mangelware), sondern eine Rückkehr an die Quelle. Unser Einfluß beginnt nicht erst mit dem Stadtratsmandat, sondern mit jeder Kaufentscheidung die wir treffen, mit jeder Entscheidung wem oder was wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Zeit widmen.
Vielleicht ist es Zeit unsere Strategie zur Weltveränderung zu überdenken und eine zweite, eine homefront, sozusagen, aufzumachen. Warum nicht da ansetzen, wo unser Einfluß am größten ist?
Lange hat’s kein Projekt-Update zu lesen gegeben – wie spannend ist auch: mal wieder drei Runden gestrickt über Wochen hinweg?
(Ich hab mal das am Rande des Bildfeldes rumliegende Kinderspielzeug nicht weggeschnitten. So sieht hier nämlich arbeiten aus.)
Zum Strickkleid hab ich ja neulich en passant schon was geschrieben. Hier ist es jetzt in voller Länge zu sehen. Ein Paar Zentimeter Länge mehr möchte ich noch. Gerade bis unters Knie, damit man meine komischen Gnubbel da nicht sieht. Dann soll der Saum – wie bei fast allen Modellen von Kristina McGowan noch umhäkelt werden. Hab ich auch vor, denn neulich entdeckte ich bei rosa. p.dies und schlicht kann ja jeder. Aber erst mach ich die Ärmel und dann kommt der dekorative Schnickschnack. Denn eigentlich sind die voluminösen, unten gerafften Ärmel das major Designelement an diesem Kleid.
Nachdem ich letzten Donnerstag auf mich gestellt war (Nähkurs tagte nicht) und p r o m p t meine Maschine rumzickte (natürlich war gar nicht die Maschine schuld. Ich hatte beim Unterfadeneinfädeln dreimal den gleichen Fehler gemacht, das nicht realisiert und dem Spruch meiner Maschinenverkäuferin folgend (Wenn’s unten nicht stimmt, ist oben meist was falsch.) an der völlig falschen Stelle nach dem Fehler gesucht. Äh, ja. Nun weiß ich das auch, für alle Zeiten.), also nachdem ich letzten Donnerstag bei Weitem nicht geschafft habe, was ich schaffen wollte, hab ich mich gestern ‘dem Problem’ dann doch gestellt – und es sogleich gelöst. (Aaaargh! Ist ja nicht so, daß ich dies Muster nicht kennen würde. Manchmal reicht kurz weggehen schon, man muß nicht drei Tage draus werden lassen und sich einen riesigen Block ins Hirn setzen, nein muß man nicht, Frau Gerull!)
Also konnte ich nun endlich meinen Bubikragen ansetzen. Aber was war das? Kragen und Halsausschnitt paßten hinten und vorne nicht zusammen. Zunächst mal kein Wunder, war der Blusenschnitt einem Kleidschnitt aus der vorletzten Ottobre entliehen und der Kragen aus einer letztjährigen Burda genommen. Allerdings hatte die Schneiderin im Nähkurs mir den Halsausschnitt eigentlich dem Kragen angepaßt ausgeschnitten.
Oder eben doch nicht. Ich lerne daraus mal für mich, daß ich bei solchen Frankenstein-Projekten von jetzt an jegliche Anpassungen selbst mache. Hab ich dann mit dem Kragen auch gemacht. Fieses Gefrickel war das, zumal ich ja auch noch einen Beleg zaubern mußte – und dabei war vom Blusenstoff nur noch die Passe des ursprünglichen Hemdes da und den grünen Stoff vom Kragen wollte ich nicht innen haben, weil der kratzig ist. Also weiter fröhlich improvisiert.
Der Lerneffekt dieses Teils ist jetzt schon bedeutend höher als der an irgendeinem anderen Stück, das ich bis jetzt (gemäß Anleitung und mit meisterlicher Unterstützung) genäht hab. Das Arbeiten an der Bluse entspricht der Art wie ich inszeniere. Es gibt ein Ziel, aber der Weg dahin wird improvisiert.
Als ich die Bluse gerade zum Photographieren auf den Bügel hing, beschlich mich das Gefühl, die beiden Kragenhälfte seien nicht gleich. Ziemlich augenscheinlich nicht gleich. Was ziemlich blöd wäre. Und nicht nachvollziehbar, so genau wie ich immer wieder gemessen und markiert und neu gesteckt hab. Ahh. Naja, schaun wir mal, wenn alles ordentlich gebügelt ist.
Was bei dieser Improvisiererei nicht ausbleibt: häufiger als sonst auftrennen. Yikes. Als ich gestern den Kragen annähte – der hinten auf beiden Seiten zu lang war und also noch mal zurückgewendet, gekürzt, beschnitten und gebügelt werden mußte, bevor er endlich dahin konnte, wohin er sollte – stellte ich fest, daß ich die ebenfalls farblich abgesetzte hintere Knopfleistenblende besser erst nach dem Kragen angenäht hätte. Noch ne Fuckelstelle.
Und so war eh ich mich versah, mein Nähnachmittag rum und ein Teil des Abends auch und die Fußböden immer noch nicht gewischt. Frau muß halt Prioritäten setzen, nicht?
Es gibt so Tage, da frage ich mich abends: “Wo sind meine Stunden geblieben?” Gestern hab ich dem mit der Kamera nachgespürt. Hier denn unser Tag in Bildern.
Nachdem der Göttergatte losgefahren ist zur Arbeit, nutze ich die verbleibende Zeit bis Sohnemann wach wird für einen ersten free write. Mama nimmt ja, was sie kriegen kann.
Bruno inspiziert schon mal die Straße, während wir auf das hier warten:
So gestärkt kann es an die Arbeit gehen und das heißt zunächst: Klar Schiff machen.
Manch einer braucht dann schon eine ‘Pause’.
Während Mama im Bad verschwindet, gießt Bruno in der Küche den Wasserfilter aus. Es läuft hinter die Küchenfront und vor bis zum Herd. Mit einem anklagenden ‘nass’ kommt el filio ins Bad und hält mir seine triefenden Ärmel hin. Also Oberteilwechsel und panische Wischaktion in der Küche. Dann darf ich doch noch Zähneputzen.
Da endlich die Sonne scheint, geht’s nun in den Garten, der ein bißchen Aufmerksamkeit bitter nötig hat. Nach einer guten Stunde muß die Gartenarbeit leider beendet werden, weil gewisse Personen sich komplett ‘nass’ gemacht haben. Schon wieder.
Fazit: 1 Stunde Garten = 1 Maschine Wäsche.
Nachdem Sohn schon Erde probiert und Regenwürmer befühlt hat, gibt’s endlich Mittagessen.
Da Brot aber nicht goutiert wird, wärmt Mama noch tiefgefrorene Zwiebelsuppe auf.
Endlich Mittagschlaf, bzw. endlich Zeit, zu arbeiten.
‘Please, Facebook, I’m trying to work.’ Hilft nur, der Kiste resolut den Rücken zuzudrehen. Ich denke sowieso besser mit nem Stift in der Hand.
Nach ungefähr ner guten Stunde komme ich nicht weiter, was die Struktur meines zu konzipierenden e-Kurses angeht, also Ablenkung.
Ja, das ist das petrolblaue Weihnachtskleid, das nun vielleicht doch Ostern fertig wird.
Kind wieder wach,G ehirn braucht Zucker, dann rasch Schokopudding gezaubert. Danke Dr. O.
Anschließend geht’s im Wohnzimmer mit Baggern, Radladern, Schildvortrieben, Treckern und einem Schäfchen namens Bernadette weiter. Ach ja, Mama versucht derweil, die Wäsche zu erledigen.
Es ist kurz nach sechs. Die Männer gehen zum Sport, ich ginge eigentlich nähen, aber heute fällt aus. Also will ich Zuhause was machen. Jedoch muß eben noch ein zum dritten Male aufgeschlagenes Knie verarztet werden.
Dann schreit das Abendessen nach Vorbereitung:
Schließlich hat mich die Lust verlassen und ich verdaddel meine Stunde bis die Männer wieder da sind mit diversem Kram.
Also nur noch dies:
Natürlich auch noch das:
Derweil ich noch eben eine Runde stricke. Um dann diese Person
in jenes Bett zu verfrachten.
Klar, daß ich dabei einschlafe. So ist, eh ich mich verseh, wieder ein Tag rum.