MeMadeMittwoch: J’arrive!

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Buchstäblich direkt von der Maschine an die Frau. Ich bin am Produktivsten, wenn ich mir ein Nähprojekt vornehmen und in einem Stück durchziehen kann – na gut, 5 Studen Schlaf zwischendurch sind auch nicht übel. 😉

 

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Lange bin ich bei Fashion for Designers um diesen Stoff rumgeschlichen. Viscose-Crèpe. Genau mein Beuteschema. Mir gefiel das Muster, aber er liegt eher am Rande meines Farbspektrum. Was man schon daran merkt, daß ich das Kleid mit einem Garn genäht hab, das Susi von Alle Wünsche werden wahr mir beim letzten Nähkränzchen geliehen hatte und das ich prompt vergaß, da zu lassen. (Sorry Susi, ich bringt beim nächsten Mal eine neue Rolle mit.) Schließlich hab ich mir aber doch ein Herz gefaßt. Mit ein bißchen Sommerbräune, denke ich mir, wird es schon gehen.

 

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Und dann gibt es ja so Stoffe, die wollen einfach nicht ruhig in der Ecke liegen bleiben und bescheiden darauf warten, daß sie verarbeitet werden. Der hier schrie die letzten Tage am lautesten: SOMMERKLEID.

Okay, also Sommerkleid. Schnitt war schnell gefunden. Ein Vintage-Schnitt von 1967. Wie Immi schon auf Twitter vorhergesagt hatte: Sehr tailliert. Was mir gut gefällt. Ich mag den leichten V-Ausschnitt am Rücken. Ich mag die schrägen Taillenabnäher. Ich mag eigentlich alles an diesem Kleid. (Okay, ja: ich mag nicht, daß meine Beine darin noch käsiger aussehen, aber: Summer is coming.)

Geändert habe ich wenig. In der Taille zwei Zentimeter zugegeben. Unter den Armen drei Zentimeter weggenommen. Bevor ich den Schnitt ein zweites Mal verwenden, werde ich da direkt am Schnitt noch was ändern, denn die über der Brust kann noch Weite raus.

 

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Wie beim Abi-Ball-Kleid hatte ich auch hier schon beim Anblick des kopierten Schnittmusters ein wohliges Gefühl. Nur wollte das Nähen diesmal nicht ganz so unproblematisch laufen. Heute Nacht um eins wollte ich nach Einnähen der Belegen das Kleid wenden, nur um festzustellen, daß das mit geschlossener Rückennaht nicht geht. Im Prinzip weiß ich das. Vermutlich weil war das die Retourkutsche, weil ich so schnäubisch war, Belege statt Schrägstreifen zu wollen.

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Anyway: Es ist fertig. Es ist herrlich leicht und luftig. Und ich habe das dringende Bedürfnis, mir eine Bastclutch kaufen zu gehen und dann am Hafen in Honfleur eine riesige Meeresfrüchteplatte zu verspeisen. In dem Sinne: J’arrive!

 

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Noch mehr selbstgemachte Sommerkleidung sieht eine heute wieder beim MeMadeMittwoch.

MeMadeMittwoch: Vorschau Herbst/Winter 15/16

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Moin.

Über das Wetter kann man nur noch schweigen oder verzweifeln. Ich steige jetzt einfach schon mal in die Herbst/Winter Stimmung ein.

 

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Gleich 2 x Deer&Doe heute an mir. Der Mantel ist die Veste Pavot. Der Rock ist Anemone. Beide Teile sind schon etwas älter. Der Mantel ist fast täglich im Einsatz (wenn ich nicht gerade den Wintermantel trage). Der Rock fristet ein Schattendasein im Schrank. Ich mag den Stoff, ich mag die Farbe, aber so wirklich überzeugt bin ich von der hohen Taille des Rocks an mir nicht. Da könnt Ihr gerne mal was zu sagen.

 

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Da ich mich aber gestern schockverliebt habe in einen Designer-Rock mit hoher Taille, trage ich meinen Rock heute mal, um zu entschieden, ob ein weiterer solcher Rock überhaupt Sinn macht.

Das Shirt ist im Rahmen des #ssa entstanden und leider viel zu oft im Einsatz. Weil eine ja keine Gelegenheit hat, kurze Ärmel zu tragen. Außer sie will sich den Erkältungstod holen.

Das Tuch hab ich am Gardasee bei einem fliegenden Händler gekauft. Da war’s Ende September noch herrlich warm. Nach den Schuhen ist vermutlich die Strumpfhose das teuerste Kleidungsstück an mir heute. Ähem.

 

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So. Wie man anderswo in der Republik mit dem Sommerstreik umgeht, kann eine heute wieder beim MeMadeMittwoch sehen.

 

Last-Minute-Traumkleid

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Hach! Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll zu raven.

Letzten Sonntagabend saß ich auf dem Sofa und überlegte 97 Minuten lang, ob ich noch ein Kleid für den Abi-Ball der Nichte nähen sollte oder nicht. Es sprach nichts dafür: Die Woche war verplant. Das Abendkleid, das ich für den Dressmakers‘ Ball genäht hatte, war erst einmal getragen. Meine Blätterei durch meine Schnittmustersammlung hatte mich mich nicht schockverlieben lassen in einen Schnitt. Viel Geld für einen abendkleidtauglichen Stoff wollte ich auch nicht ausgeben.

Nur nagte das dumpfe Gefühl als erwachsene Begleitung (noch dazu als nur angeheiratete Tante) in einem langen Kleid overdressed zu sein. Das Gefühl siegte über die Vernunft. (Wie sich herausstellen sollte, lag ich voll richtig mit meiner Einschätzung. Keine Nicht-Abiturientin trug bodenlang.)

Montagmorgen zog ich in einem letzten Anlauf den Ordner mit den zerpflückten Original-60s-Nähzeitschriften aus dem Regal und entschied mich binnen Minuten für dieses Kleid.

 

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Auch, weil die Abweichung zwischen angegebener und tatsächlicher Oberweite nur 3 cm betrug.

Da der Stoff aus dem Fundus kommen sollte (der Nicht-Noch-Zusätzlich-Geld-Ausgeben-Faktor), wurde der lila Baumwollsatin, den ich vor 2 Jahren in Paris gekauft hatte (für 15€!!!) einer neuen Bestimmung zugefügt. Ich hab zwar mal ein Jacket für den Kostüm-Sew-Along von Cat daraus zugeschnitten, aber das war nie genäht worden.

Obwohl der Schnittbogen nur 1-Größen-Schnitte enthält, war ich beinahe so weit das Projekt an der Stelle „ich-kopier-schnell-den-Schnitt“ wieder abzubrechen. Dann machte ich mir klar, dass ich genau drei Teile zu kopieren hatte und biß mich durch.

Als die abgepausten Schnittteile auf dem Tisch lagen, dachte ich zum ersten Mal: Man sieht das schön aus!!! Nur beim Anblick der Papierteile.

 

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Sicherheitshalber maß ich nach, denn das Oberteil erschien mir arg kurz. So war’s denn auch. Da mußte mehr Länge her. Quick’n dirty gab ich bei den Trägern und der unteren Nahtzugabe großzügig Länge zu. Nach nochmaliger Konsultation des Modell-Bildes entschied ich auch, dass ich den Ausschnitt gerne etwas tiefer haben wollte. Also nahm ich am Ausschnitt 1 cm weg und nähte dann mit doppelter Nahtzugabe, so dass sich die Ausschnittskante insgesamt 2,5 cm nach unten verschob.

 

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Belege waren nicht vorgesehen in der Nähanleitung. Alle Kanten sollten mit Schrägband versäubert werden. Das erschien mir unnötig aufwändig, und also schnitt ich 4 Oberteile zu und bastelte mir aus dem rückwärtigen Schnittteil einen Beleg für den Rückenausschnitt.

 

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Da der Stoff sehr, sehr fest ist, entschied ich mich gegen jegliche Einlage. Der Gedanke an Futter kam auf Grund der Zeitspanne gar nicht erst auf.

Zickizacki war zugeschnitten. Zickizacki waren alle Abnäher genäht. Dann ging ich das Risiko von sichtbaren Nähnarben ein und heftete das Kleid mit dem größten Stich der Maschine zusammen. Die erste Anprobe ergab, daß ich mit „Total schön“ so was von richtig gelegen hatte. Vor allem die Betonung des Busens und die vorderen Abnäher, die nach unten hin zur Seite auseinander gehen, sind wie für mich gemacht. Trotzdem mußte ich noch Änderungen vornehmen. Im oberen Rücken war viel zu viel Weite. Und die Oberteile waren zu lang.

 

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Ich nahm das Kleid noch mal auseinander, nahm meine Änderungen vor und nähte total zenartig alles richtig zusammen. Was soll ich sagen: Kein Gezicke vom Reißverschluß. Kein unnötiges Auftrennen. Selbst der Unterfaden, der ja gerne 15 cm vor Ende der Saumnaht aufhört zu kooperieren, spielte mit. Einzig die Abnäher treffen vorne an der Teilungsnaht nicht mehr zusammen, was an der Änderung liegt.

 

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Ich experimentierte noch mit Spitze und vorhandenen Bändern für die im Original vorgesehene Schleife. Nichts überzeugte so richtig. Der glänzende Stoff gefiel mir pur sehr gut. Schließlich entschied ich mich, einen Klippohrring, den ich für den Dressmakers‘ Ball gekauft hatte, der aber schon beim Abnehmen vom Plastikträgerchen den Dienst quittiert hatte, als Schmuckelement aufzunähen.

Donnerstagabend nähte ich lässig mit der zu Besuch weilenden Oma die Belege mit der Hand an. Und fertig war’s.

Einzig den nahtverdeckten Reißverschluß hab ich kaufen müssen. Cocktail-Kleid also für 20€.

Als ich das Kleid dann Freitagabend anzog, klappten die beiden Vorderteile reversartig nach außen um. Was mir reizvoller als die Originalversion erschien, dem Mann ein „Ziehst Du noch was drüber?“ entlockte, und für den Rest des Abends so blieb.

 

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Da der Stoff sich schon nur unter enormen Dampf und Druck beim Bügel verformen ließ, hatte ich kaum Bedenken hinsichtlich Knitterfalten. So war’s denn auch: Als um 11 eeeeendlich die Leistungskursreden (fast alle nicht witzig) und das Essen (mit seeeehr langem Schlangestehen) vorbei waren und endlich getanzt werden konnte, war mein Kleid noch ziemlich taufrisch. Was man von einigen anderen Kleidern nicht sagen konnte.

Um zum anfänglichen Hach zurück zu kommen: Ich bin schwer verliebt in mein Kleid und werde den Schnitt definitiv in einem Tagesstoff noch mal nähen, weil er sich wirklich sehr gut nähen läßt. Und sollte ich jemals wieder meine Hand auf so einen grandiosen Stoff legen, kauf ich gleich 10 m davon.

*seufzend ab*