Channel this: Karnevals-Ausgabe

Ihr erinnert Euch vielleicht?

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Wir waren letzten September im Sherwood Forest. Zwei Dinge hatten dem Sohn da mächtig imponiert: die vielen Eichhörnchen und natürlich Robin Hood, himself.

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Als es Anfang Januar um seinen Kostümwunsch für Karneval ging, war Eichhörnchen lange Favorit. Ich hatte schon Tage lang recherchiert und nachgedacht, wie ich denn wohl einen ordentlich buschigen Eichhörnchenschwanz hinbekommen könnte, ohne dem Kind endlos Gewicht auf den Rücken zu packen, als er sich noch umentschied für Robert von Locksley, besser bekannt als Robin Hood.

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Hach, was war ich froh. Gehört Robert von Locksley doch zu meinen Lieblingsfiguren mittelalterlicher Literatur. So viele verschiedene Dinge die sich in dieser Erzähltradition kreuzen. Und es gibt wenige Verfilmungen, die ich nicht gesehen habe.

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Wie man den Photos wohl wird entnehmen können, hab ich beim Nähen im wesentlichen Erol Flynn und den Robin-Fuchs aus dem Disney-Zeichentrickfilm gechannelt. Beim Schminken heute morgen waren Sohn und Mann allerdings einhellig gegen einen kleinen Kinnbart. Dabei hält mein neuer Superfine-Liner-Kayal doch so super. ;-)

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Das Oberteil war schnell genäht. Ein T-Shirt gab ungefähr die Maße vor. Ich fügte Länge an, weil ich anfangs noch gedachte Zacken auszuschneiden. Die Ärmelchen sind gleich mit angeschnitten. Zickezacke noch einen Schlitz am Ausschnitt verstürzt, damit der Dickkopf  durchpaßt und fertig wars. Den Stoff lieferte eine Fleecepicknickdecke. Der Pfeil wurde nur mit Klebefilz drauf geklebt – und mußte dementsprechend nach dem Waldspaziergang gestern und der abendlichen Wäsche noch mal erneuert werden. Die Gamaschen werden mit Klettpunkten geschlossen, die Mama nur aufkleben brauchte.

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Ein entsprechendes Hütchen hatten wir im Sherwood Forest Visitors Center schon gekauft. (Nach unserem gestrigen Waldausflug ist aber  klar: so kann Robins Hut nicht ausgesehen haben, der fällt einem nämlich beim Toben im Wald ständig vom Kopf.)

Den Bogen haben die Herren des Hauses gebaut. Und Papa scheint eher sich als Maßstab genommen zu haben. Naja, der wäschst dann halt noch ne Weile mit.

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Unter sieben Superhelden, fünf PolizistInnen und fast 20 Prinzessinnen und Feen war Sohnemann der einzige Merry Man. Und fühlte sich in seinem relativ unaufwendigen Kostüm mega-wohl. Auf der Ebene können wir weiter machen.

Papa geht als Sheriff (natürlich nicht als der von Nottingham) und setzt dazu seinen Souvenirhut auf und steckt sich einen Blechstern an. Alles andere ist Alltag. Das gefällt mir fast genauso gut. “Say it’s only a paper-moon …”

Ach ja: Liebe Erzieherinnen: Papas können auch Karnevalsküchendienst machen. Sie müssen halt nur mal gefragt werden.

Dressmakers’ Ball: Let’s talk clothes, shall we?

“Was ziehst Du denn an?”

Wann immer ich jemandem vom Ball erzähle, kommt unweigerlich genau diese Frage.

“Ein selbstentworfenes, selbstgenähtes Kleid” ist dann meist meine Antwort. Ich auch längstens einen Entwurf und zumindest das Oberteil ist schon mal drapiert, aber es gibt soooo unendlich viele Möglichkeiten ….

Kleiner Rundgang gefällig?

Da wäre zunächst mal die vielleicht unkomplizierteste Selbstnäh-Version: Ein kurzes 60s A-Line aus nem Hammerstoff oder mit einer unglaublich tollen Verzierung, so wie hier:

 

Da stehen die Chancen gut, das Kleid hinterher noch mal zu nem runden Geburtstag, einer Hochzeit oder Theaterpremiere anzuziehen.

Dann wären da die fließenden, 30s bis antik-griechisch inspirierten Drapee-Kleider, aller Längen:

Es gibt die 50s Träume mit weiten Röcken in boden-, oder waden-, oder knielang, bei denen selbst in den Illustrationen der Taft schon raschelt:

Es gäbe es die Haute Couture Träume, für deren Umsetzung man sich die nächsten Wochen frei nehmen müßte:

Es gibt die geschickten Baukasten-System-Schnitte, aus denen frau ein wunderbares Kleid zaubern kann – und dann noch eins und noch eins und noch eins:

Und es gibt natürlich die Möglichkeit, sich aus dem realen oder ideellen Herrenschrank zu bedienen und verdammt cool auszusehen:

Und wofür entscheidet Ihr Euch? Das kleine scharze? Die große Robe? Die Sharon-Stone-90s-Oscar-Variante: Bodenlanger Rock und weißes Herrenhemd?

Bin gespannt auf Eure Inspirationen.

Une wer IMMER noch keine Karten für den Ball hat: Hier gibt’s welche. Also hopp!

 

 

 

Well, I knocked that bitch off!

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Es mag nicht ganz fair sein, meinem neuen Mantel gegenüber, aber das ist das Gefühl, jeden Morgen, wenn ich ihn anziehe.

Warum ich von ihm (Mantel) als einer sie (bitch) denke, kann ich nicht mal sagen – und eigentlich war nicht der Mantel oder der Stoff mein größter Gegener, sondern schlicht ich selbst, aber okay: Victory, in any case. Mount Everest war ein Klacks dagegen.

Aber mal von vorne:

Angefangen habe ich diesen Mantel im Oktober 2013! Yes, ma’am. Schon da hatte mich meine vier Jahre alte Winterjacke total angenervt. Schnitt und Stoff waren schnell gefunden. Ich bestellte einen spottbilligen Maßschnitt bei Lekala und eine 1 cm dicke thinsulate-Einlage. Because: Winter is coming!

Ich schnitt fleißigst zu – nach etwas “Überlegung” der Sicherheit wegen doch mit ordentlich Nahtzugabe. Ich verband Oberstoff und Thinsulate in jedem Schnittteil seperat. Und ich wunderte mich bei der ersten, zum Glück nur gehefteten Anprobe sehr darüber, daß der “Maßmantel” VIEL zu groß war. Tätä.

Also: auftrennen, zugegebenen Nahtzugabe komplett zurückschneiden, nochmals heften: So weit okay. Bis auf das leidige Problem Schultern zu weit. Klar: Wie hätte das anders sein sollen? Gefragt waren für den Schnitt genau 3 Maße. Und das Oberbrustmaß war nicht dabei.

Zum Glück gibt’s für so kniffelige Anpassungen die anNÄHerung. Und so kam ich im Januar 2014 mit einem an den Schultern top angepaßten Mantel nach Hause – und der hatte mittlerweile auch für meine Verhältnisse top-abgesteppte Nähte und ziemlich gleichmäßige Paspelknopflöcher.

Ein weiteres Nähkränzchen später hatte das Ding Ärmel, Ärmelfischchen und Schulterpolster. Dann war es März, von Wintern jenseits der Mauer keine Spur und: ich hatte noch NIE ein Oberteil gefüttert. Mal ganz ab davon, daß mittlerweile NFL lief und ich ganz andere “Herausforderungen” zu meistern hatte. Ähem.

Gut. Wir springen den Sommer. Als es kalt genug wurde, daß ich nicht mehr meinen grünen Frühlingsmantel tragen konnte, kam wieder die lila ich-weiß-nicht-warum-ich-ne-kurze-Jacke-mit-so-viele-Rüschen-gekauft-hab-Jacke zum Einsatz. Yeah. Prompt blieb ich ein paar Tage später beim Schuhe anziehen mit der Jackentasche im Wohnungstürgriff hängen und produzierte einen veritablen Riß bis in die Innereien der Jacke.

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Ich kramte also den “fast fertigen” Mantel vor. Und wie ein Pferd vorm Hindernis scheute ich gleich wieder zurück. FÜTTERN. Die Belege waren schon drin im Mantel. Die wollte ich doch jetzt nicht wirklich ernsthaft wieder austrennen, oder? Also das Futter von Hand rein? Wie macht man das denn? Und damit blieb der Mantel anklagend fuchsia-farbend leuchtend an der Tür hängen.

Die anNÄHerung 2015 kam immer näher, und obwohl ich mich eigentlich in Grund und Boden schämte, nahm ich den Ewigkeitsmantel mit: Wenn ich ihn da nicht fertig bekam, wo dann? Grimmig entschlossen und mich selbst kennend, bat ich auch gleich in der Projektvorstellungsrunde darum, mich nicht wieder fahren zu lassen, bevor der Mantel nicht fertig war. DANKE an alle, die mich nachhaltig genervt haben. Vermutlich hätte ich mich sonst an die Stoffwechsel-Bluse und den Stoffwechsel-Blazer gehalten und immer noch keinen Mantel.

Der Clou an der Sache ist: Ich hab das Ding seit Montag jeden Tag an. Heimse jeden Tag Komplimente ein. Bin jeden Tag ein bißchen stolz auf mich. Der Mantel hat die richtige Länge zum Autofahren. Er hat die richtige Länge für fast alle meiner Röcke. Er ist WARM. Ich werde ihn gaaanz sicher genauso hingebungsvoll und mit Vergnügen tragen, wie ich meinen grünen Mantel trage.

Einziges, klitzekleines Problem – aber das löse ich per Einkauf – sämtliche winterlichen Kopfbedeckungen passen nicht. Entweder farblich oder stilistisch. Die Karo-Schägerkappe finde ich auch nicht den Burner dazu, aber was aufn Kopp mußte gestern sein.

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Fazit: Um mit Hornbach zu sprechen: Mach es fertig, bevor es Dich fertig macht.

Nichts weglegen, wenn man nicht mindestens einen klaren Plan hat, wie man dem Problem beikommen könnte. (Gilt übrigens für alles im Leben – and I goddam know what I’m talking about.)

Schwierige Fälle mitnehmen zu Nähmöglichkeiten mit sozialer Kontrolle / Unterstützung. Ich stelle fest, alleine zu wissen, Bele ist ja notfalls da – so als wandelndes Fachwissen – macht meine aufgebauschten Nähprobleme ganz handzahm.

Wenn man der eigenen Disziplin nicht traut, Menschen mit ner gewissen inneren Strenge damit beauftragen, einen zu nerven. Besonders, wenn man wie ich, eeeecht nicht genervt werden will und es viel eher mag, den eindruck zu erwecken, alles VOLL im Griff zu haben.

Letztlich ist das eigenständige Nähen von Kleidung auch eine Charakterschulung.Vielleicht vor allem?

In dem Sinne: Got you, bitch!

 

 

anNÄHerung 2015 – Create what you need to find

Wir haben es wieder getan!

Zwei Tage lang durchgenäht, gefachsimpelt, Schnittmuster Probe getragen und Pläne zur Weltverbesserung aufgestellt.

Mit anderen Worten: Es war anNÄHerung.

Von Freitagabend bis Sonntagnachmittag war das Jugendgästehaus in Bielefeld unser rumdumverspflegendes Zuhause (denkt Nähzimmer mit Tee- und Prosecco-Anschluß), so daß den 38 anwesenden Frauen keine Ablenkung mehr blieb: es sollte, durfte, konnte hemmungslos besessen, total im flow genäht werden.

Wie schon 2014 sind dabei wieder großartige Dinge entstanden und garantiert hat jede, die da war, jetzt den einen oder anderen Schnitt mehr auf der to-sew-Ewigkeitsliste. Ich bin auch höchstwahrscheinlich nicht die Einzige, die wieder unglaublich viel gelernt hat.

Ich bin als Mitveranstaltering ja immer etwas anders unter Strom als die Teilnehmerinnen es sind. Klappt alles? Sind alle glücklich? Ist genug zu trinken da? Brauchen wir noch Verlängerungskabel? Aber wenn ich dann zwischen drin mal von meiner unendlichen Handnäh-Saga des Futter-in-den-Mantel-bringens, dann erfüllte mich das jedes Mal mit Stolz. So viele hochkonzentrierte, zufriedene Gesichter. So viel Autausch trotzdem. So viel gegenseitige Beratung und Unterstützung.

So sieht das aus, wenn frau einen Wunschtraum nimmt und ihn umsetzt. Okay: in meiner Idealversion ist es ein französisches Landhaus am Meer, aber hey: Wasserrauschen gibt es dank indoor-Wasserfall in Bielefeld auch und außerdem ist das Grundbrummeln von 38 Nähmaschinen mindestens so beruhigend.

Create what you need to find. Das habe ich mal auf irgendeinem amerikanischen blog gelesen und es ist mir nachhaltig hängen geblieben. Und der Wunsch, mich mal für eine Weile komplett in meine Leidenschaft Kleider Nähen vertiefen zu können, ohne Abwasch, ohne Zeitdruck, ohne Unterbrechung, war eigentlich schon da, nachdem ich unter der Woche spät abends meinen zweiten Rock ever fertignähte, wohlwissend, daß ich am nächsten Morgen fix und foxy sein würde. Dann hatte ich  für meinen Geschmack einmal zu oft gesagt: Man müßte ja mal …  Als ich mich im Herbst 2013  traute, öffentlich auf Twitter anzusagen, daß ich gewillt wäre, so ein Näh-Retreat zu organisiseren, kamen mir zum Glück zwei tolle, unternehmungslustige Frauen zu Hilfe. Frau Drehumdiebolzeningenieurin und Frau AlleWünscheWerdenWahr: es hat wie immer großen Spaß gemacht, mit euch vorzubereiten. Gerne immer wieder.

Fazit: Nicht nur die anNÄHerung lohnt sich jedes Jahr wieder. Anders als im letzten Jahr waren wir dieses Jahr keine Fremden mehr und ich hatte den Eindruck, die Gespräche waren schnell auf einer persönlicheren Ebene.

Es lohnt auch, sich die verrückte Idee, diesen niggeligen Herzenswunsch mal ernsthaft anzuhören und zu überlegen, ob er nicht in abgespecktem Maßstab schon zu realisieren lohnt. Create what you need to find.

Zwischen meinen Dreijahresmantel fertig stellen, organisieren und NähNerds besser kennenlernen hab ich das Phtographieren leider komplett vergessen. Da ich aber mehrere große Kameras und immer wieder Telefone im Einsatz gesehen habe, bin ich zuversichtlich, daß sich bald Beiträge finden werden, wo’s auch wirklich was zu sehen gibt.

Ansonsten bleibt mir für heute nur zu sagen: Ladies, es war bezaubernd mit Euch allen! We‘ll always have Bielefeld.

Und wer jetzt ganz dringed das Bedürfnis hat, endlich unter NähNerds zu kommen, zum Fachsimpeln und Feiern: Karten für den Dressmakers’ Ball gibt’s NOCH.