Die guten Feen – oder: Darf ich vorstellen? Die Ballsponsoren!

Als ich Sohnemann vor einer Woche abends erzählte, dass er von Samstag auf Sonntag bei Freunden übernachten würde, weil Papa und ich auf einen Ball gingen, sagte das märchenverbildetet Kind sogleich: “Aber dann brauchst Du ein Kleid!”

Richtig. Ein Kleid!

“Kleider aus goldenem und silbernem Stoff und reich verziert mit Edelsteinen; dazu noch ein Paar gläserner Pantoffeln, die hübschesten von der ganzen Welt.”

Das Kleid existierte bis zu diesem Zeitpunkt nur in meinem Kopf. (Passende Schuhe hab ich noch immer nicht.) Eine Fee als Patentante wäre da schon sehr nützlich gewesen. Aber leider kann meine Patentante nicht zaubern (oder, Martina?) und so blieb mir nichts übrig, als mich am vergangenen Sonntag endlich daran zu machen, mein Kleid für den Dressmakers’ Ball zu drapieren und zu nähen. (Ja, ja. Mittlerweile ist es fast fertig! KEINE PANIK!)

Zum Glück greifen einem auch heute noch ganz real gute Feen unter die Arme bei großen Vorhaben. Man muß sie nur erkennen können. Sie kommen nämlich häufig in Gestalt von Sponsoren daher.

Die guten Feen des Dressmakers’ Balls sind   BERNINA – jawohl, BERNINA – und TURM Stoffe ! Ich freue mich sehr über diese Unterstützung! Herzlichen Dank!

 

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Bernina ist für mich so was wie der Mercedes unter den Nähmaschinen: Qualität, Wertarbeit, Präzision, Innovation. Serious investment pieces. Nachhaltige Wertanlage. Dementsprechend geschmeichelt fühl ich mich, dass ich offensichtlich für meine spinnerte Idee begeistern konnte.

Quilten und Sticken fallen nicht  in mein Behuf, denke ich immer, bis mir  SO was Grandioses über den Weg läuft. Dann will ich doch eine Nähmaschine, die das auch kann!

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Schätzchen wie diese gibt’s am Samstagabend zu sehen und auszuprobieren. Da bin ich schon sehr gespannt drauf. Fachsimpelei am lebenden Objekt, quasi. Nicht, dass ich eine neue Nähmaschine bräuchte … Schaaatz?

 

Nähszene Iserlohn

Wer mich schon eine Weile liest, weiß: TURM Stoffe ist mein bevorzugter Stoffhändler vor Ort. Auch wenn ich eigentlich nur Knöpfe brauche, schleiche ich schlußendlich um die herrlichen Seidenstoffe oder muß diesen fuchsiafarbenen Alpaca noch mal streicheln. Will sagen: feine Stoffe zuhauf. Siehe hier.

D&G

Wer nicht mal eben in der Mittagspause vorbeilaufen kann, der darf am Samstagabend probestreicheln. Da freu ich mich für Euch.

So, jetzt nur noch schnell die gläsernen Pantoffeln finden, ganz viele Blumen einkaufen und dann frisch gestyled die Gäste empfangen. Kann ja nicht so schwer sein, right? Wieso dann doch Lampenfieber?

 

Culture Clash: Hawaiihemd aus WaxPrint

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Selten hier zu sehen: Herrenoberbekleidung.

Dies ist das letztjährige Geburtstagshemd meines Mannes. Ähem. Vor ein paar Wochen meinte er so en passant, er könne das ja am 28.02. anziehen, wenn er als Jubilar beim Ski-Club geehrt würde. Dann käme das Hemd auch in die Zeitung.

Nothing like a bit of publicity, right?

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Naja, da ich gerade in einem Gewaltmarsch mir ein Kleid für die Projektabschlußfeier genäht hatte – unter anderem unterstützt durch ihn – packte mich das schlechte Gewissen nun sehr. Schließlich ist sein Geburtstag dieses Jahr schon näher als der letzte.

Ich wußte noch, dass ich den Kragen schon angesteckt hatte und so setzte ich mich am 28.02. so gegen elf an die Maschine und dachte: Naja, Ärmel noch und Knopflöcher. DAS muß ja bis halb sechs zu schaffen sein. Dann wollte er nämlich los. Nähen gegen die Zeit ist nicht so wirklich mein Ding, aber es zwingt dann in eine Konzentration, die ich sonst selten erreiche, weil ich zwischendrin immer mal bei Twitter reingucke oder einen podcast höre oder dringend mal was Nachlesen muß.

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Wie’s dann so kommt: Beim Kragen brauchte ich vier Anläufe, bis er so drin saß, wie ich’s wollte. Die Ärmel muckten auch rum. Ich hatte bei der ersten Anprobe das Armloch vergrößert – natürlich ohne auf dem Schnitt was zu ändern. Bevor ich die Ärmel zuschnitt, hab ich schon noch mal nachgemessen, aber dann war doch das Armloch größer als der Ärmel und ich mußte ziemlich tricksen. Dann hatten mehrere Menschen Hunger und es mußten Nudeln gekocht werden …

Er ist dann schließlich um kurz vor sechs mit offenem Hemd über T-Shirt gegangen. Die Knopflöcher waren drin, aber die Knöpfe hab ich erst am nächsten Morgen angenäht.

Ichbin  ganz zufrieden mit dem Hemd, besonders mit der Musteraufteilung. Aber wie bei allen anderen Versionen, einschließlich des Originals, spannt es direkt über der Brust für meinen Geschmack zu sehr.

Insgesamt merke ich mit jeder Version, die ich immer wieder anpassen muß, daß der ursprüngliche Schnitt, den ich ja von einem Kaufshirt kopiert habe, zu ungenau ist. Vor dem nächsten Hemd konstruiere ich entweder einen Schnitt oder ich kaufe einen. Wobei ich gerne ein Vintage-Modell hätte, aber die sind dann vermutlich nicht in des Gatten Größe erhältlich. Gnarr.

Wenn er das Hemd länger anhat, merkt man, daß Stoff und Schnitt nicht übereinstimmen. Hawaiihemden sind zumeist aus Seide oder Viscose, in jedem Fall aus weichfallenden Stoffen. Das kann man nun von dem Waxprint von Vlisco, den er sich ausgesucht hatte, wirklich nicht behaupten. Obwohl schon zweimal gewaschen, ist der Stoff immer noch sehr steif und bleibt auf seinen Unterziehshirts hängen.

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Der Herr des Hauses ist schwer begeistert von seinem neuen Hemd. Wurde er doch auf der Jahreshauptversammlung gleich drauf angesprochen. Entspannt vor der Kamera posen üben wir dann noch mal. Nun muß nur das Wetter noch mitspielen. ;-)

Ach ja: total production time: ca. 10 h – verteilt über drei Tage in 9 Monate.

Channel this: Karnevals-Ausgabe

Ihr erinnert Euch vielleicht?

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Wir waren letzten September im Sherwood Forest. Zwei Dinge hatten dem Sohn da mächtig imponiert: die vielen Eichhörnchen und natürlich Robin Hood, himself.

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Als es Anfang Januar um seinen Kostümwunsch für Karneval ging, war Eichhörnchen lange Favorit. Ich hatte schon Tage lang recherchiert und nachgedacht, wie ich denn wohl einen ordentlich buschigen Eichhörnchenschwanz hinbekommen könnte, ohne dem Kind endlos Gewicht auf den Rücken zu packen, als er sich noch umentschied für Robert von Locksley, besser bekannt als Robin Hood.

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Hach, was war ich froh. Gehört Robert von Locksley doch zu meinen Lieblingsfiguren mittelalterlicher Literatur. So viele verschiedene Dinge die sich in dieser Erzähltradition kreuzen. Und es gibt wenige Verfilmungen, die ich nicht gesehen habe.

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Wie man den Photos wohl wird entnehmen können, hab ich beim Nähen im wesentlichen Erol Flynn und den Robin-Fuchs aus dem Disney-Zeichentrickfilm gechannelt. Beim Schminken heute morgen waren Sohn und Mann allerdings einhellig gegen einen kleinen Kinnbart. Dabei hält mein neuer Superfine-Liner-Kayal doch so super. ;-)

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Das Oberteil war schnell genäht. Ein T-Shirt gab ungefähr die Maße vor. Ich fügte Länge an, weil ich anfangs noch gedachte Zacken auszuschneiden. Die Ärmelchen sind gleich mit angeschnitten. Zickezacke noch einen Schlitz am Ausschnitt verstürzt, damit der Dickkopf  durchpaßt und fertig wars. Den Stoff lieferte eine Fleecepicknickdecke. Der Pfeil wurde nur mit Klebefilz drauf geklebt – und mußte dementsprechend nach dem Waldspaziergang gestern und der abendlichen Wäsche noch mal erneuert werden. Die Gamaschen werden mit Klettpunkten geschlossen, die Mama nur aufkleben brauchte.

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Ein entsprechendes Hütchen hatten wir im Sherwood Forest Visitors Center schon gekauft. (Nach unserem gestrigen Waldausflug ist aber  klar: so kann Robins Hut nicht ausgesehen haben, der fällt einem nämlich beim Toben im Wald ständig vom Kopf.)

Den Bogen haben die Herren des Hauses gebaut. Und Papa scheint eher sich als Maßstab genommen zu haben. Naja, der wäschst dann halt noch ne Weile mit.

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Unter sieben Superhelden, fünf PolizistInnen und fast 20 Prinzessinnen und Feen war Sohnemann der einzige Merry Man. Und fühlte sich in seinem relativ unaufwendigen Kostüm mega-wohl. Auf der Ebene können wir weiter machen.

Papa geht als Sheriff (natürlich nicht als der von Nottingham) und setzt dazu seinen Souvenirhut auf und steckt sich einen Blechstern an. Alles andere ist Alltag. Das gefällt mir fast genauso gut. “Say it’s only a paper-moon …”

Ach ja: Liebe Erzieherinnen: Papas können auch Karnevalsküchendienst machen. Sie müssen halt nur mal gefragt werden.

Dressmakers’ Ball: Let’s talk clothes, shall we?

“Was ziehst Du denn an?”

Wann immer ich jemandem vom Ball erzähle, kommt unweigerlich genau diese Frage.

“Ein selbstentworfenes, selbstgenähtes Kleid” ist dann meist meine Antwort. Ich auch längstens einen Entwurf und zumindest das Oberteil ist schon mal drapiert, aber es gibt soooo unendlich viele Möglichkeiten ….

Kleiner Rundgang gefällig?

Da wäre zunächst mal die vielleicht unkomplizierteste Selbstnäh-Version: Ein kurzes 60s A-Line aus nem Hammerstoff oder mit einer unglaublich tollen Verzierung, so wie hier:

 

Da stehen die Chancen gut, das Kleid hinterher noch mal zu nem runden Geburtstag, einer Hochzeit oder Theaterpremiere anzuziehen.

Dann wären da die fließenden, 30s bis antik-griechisch inspirierten Drapee-Kleider, aller Längen:

Es gibt die 50s Träume mit weiten Röcken in boden-, oder waden-, oder knielang, bei denen selbst in den Illustrationen der Taft schon raschelt:

Es gäbe es die Haute Couture Träume, für deren Umsetzung man sich die nächsten Wochen frei nehmen müßte:

Es gibt die geschickten Baukasten-System-Schnitte, aus denen frau ein wunderbares Kleid zaubern kann – und dann noch eins und noch eins und noch eins:

Und es gibt natürlich die Möglichkeit, sich aus dem realen oder ideellen Herrenschrank zu bedienen und verdammt cool auszusehen:

Und wofür entscheidet Ihr Euch? Das kleine scharze? Die große Robe? Die Sharon-Stone-90s-Oscar-Variante: Bodenlanger Rock und weißes Herrenhemd?

Bin gespannt auf Eure Inspirationen.

Une wer IMMER noch keine Karten für den Ball hat: Hier gibt’s welche. Also hopp!