Channel this … Teddy Girls … goodness, gracious

teddygirl2

Meine Herren! Die Girls haben mir echt Kopfzerbrechen bereitet. Jack war ein Kinderspiel dagegen.

Vor allem, weil mein Kleiderschrank weder eine verträumte Spitzenbluse à la Downton Abbey, noch ein Hemd hergibt, nicht mal mehr ein Polohemd. Von passenden Jacketts nicht zu reden. Auch nicht von maskulin anmutende Halbschuhe. Erst recht keinen leicht zu großen Blazermantel. Und das, obwohl ich Anklänge aus der Herrnemode und Budapester Schnürer eigentlich total mag.

teddygirl_schuheundstrümpfe

Was diese Styling-Herausforderung mir sehr deutlich zeigte: ich hab da einige Lücken im Kleiderschrank, die würde ich gerne füllen. Einfach schon, um ein bißchen mehr “spielen” zu können.

Die to-sew-Liste hat sich gerade erweitert auf:

Hemd

Jackett

Blouson

Weste

Einkaufsliste hat sich erweitert um:

Herrenschuhe (Monks. Oder etwa doch Creepers?)

Polos

“richtige” Jeans mit geradem, nicht zu weitem Bein (any recommendations?)

teddygirl1

Aber nun mal zu den Teddy Girls.

Was mir beim Sichten der Photos am besten gefiel war diese Mischung aus zart (Bänder, Spitzenblusen, Strohhütchen, Gemmen-Schmuck) und tough (überschnittene Männerklamotten).Nichts ist super körpernah. Nichts ist  in your face Weibchen. Die Klamotten der Girls sind nicht mal besonders spektakulär. Eher lässig. Vor allem zählt Attitude.

teddygirl3

Diese Silhouette mit den breiten Schultern und geraden, gekrempelten Hosenbeinen, die den Blick auf die Schuhe fokussieren gefällt mir ausgesprochen gut – ja, klar, bin ja auch ein Kind der 80er. Aber gekrempelte Jeans mit geradem Bein sieht definitiv schöner aus als gekrempelte Karotte.

Nach langem Grübel ging’s heute morgen dann schnell.

Und zwar von oben nach unten: Haare. Total ungewohnt, aber irgendwie mußte ich da schon grinsen.

Make-up: Minimal. Ausnahmsweise mal die Augenbrauen nachgezogen. Bei so viel Stirn schien mir das geboten. Mascara, Lipstain. Done.

Krawatte war gesetzt. Stella brachte gestern Abend per Twitter dann V-Ausschnitt ins Spiel. Entsprechende Pullis mußten erst aus der Wäscheliste gezogen werden und über Nacht trocknen. Irgendeine Art von Jackett mußte her, also meine Fliegerjacke.

Ich verspreche, für die nächste Challenge nicht schon wieder meine blaue Jeans anzuziehen, aber ja: ich lebe zur Zeit darin. Einmal mehr hochgekrempelt als sonst. Burlingtons – echt ma – wieso gehen die schon kaputt? Und die auch oft und gern getragenen Schnürschuhe.

Bis auf die Krawatte, alles Teile, die ich oft trage. Aber mit Krawatte und dem seeehr ungewohnten Haarstyling hatte ich auf einmal swagger, holy shit! Dann noch eben Jerry Lee Lewis angemacht zum Photographieren … wen kümmert da noch das schlehcte Wetter draußen.

Goodness, gracious, great balls of fire …

Andere Teddy-Girl-Interpretationen? Bitte jetzt verlinken.

 

 

 

Celebrate!

Am Theater ist eine Premiere keine Premiere ohne Premierenfeier. Wenn das Ensemble nach der Premiere keine Lust hat, miteinander zu feiern, dann ist in den vorangegangenen Wochen Vieles schief gegangen und die erste Vorstellung wurde heftig in den Sand gesetzt.

Denn: sobald es auch nur halbwegs stimmt unter den Kollegen, vor allem am Ende auf der Bühne WILL man zusammen die Anstrengungen, die kreativen Auf und Abs der Produktionszeit feiern. Dann will man für einen glitzernden Abend in diesem unbeschreiblich befriedigenden Gefühl von gemeinsam verrichteter schöpferischer Arbeit schwelgen. Und je anstrengender die Proben waren, je mehr man hat ringen müssen mit sich, den Mitspielern, dem Stück, der Regisseurin, desto intensiver wird die Party.

Dieses gemeinsame Jubilieren und Feiern fehlt mir beim Nähen ja sehr. Klar werden beim Stammtisch oder im Nähkränzchen die gerade fertig gestellten Kleidungsstücke gebührend gewürdigt, aber meist ganz artig bei Kaffee und Frühstücksbrot. Grundsätzlich stimmt schon, was Bele bei der anNÄHerung sagte: “Nähen ist ein einsames Hobby.” Und gemeisterte Herausforderungen alleine feiern ist nicht das gleiche wie Premierenfeier. Sicher: das Hoch, das sich die ersten paar Male einstellt, wenn die neue Klamotte getragen wird, ist schon sehr befriedigend. Aber es schillert halt nicht. Perlt nicht wie Champagner.

Gerade bei so arbeitsintensiven Nähprojekten, wie den einzelnen NIX FÜR LEMMINGE Herausforderungen, hätte ich mir doch sehr gewünscht, zur Präsentation alle Mitstreiterinnen treffen zu können.

Und genau dafür gibt es am 14.03.2015 den Dressmakers’ Ball: um all die Näherfolge (die großen und die kleinen) der letzten Monate zu feiern. Um sich mit Gleichgesinnten über deren und die eigenen Fortschritte zu freuen. Um sich auszutauschen, Gemeinschaftsgefühl zu tanken, für die Zeit, in der man wieder allein im Kämmerlein vor sich hinmuckelt.

Das Schöne ist: es gibt sogar noch Einttrittskarten zu kaufen. Und alle, die schon dabei sind, freuen sich mächtig auf noch mehr NähNerds und deren Begleitung.

Also fix noch eine Karte ergattert und die Näherfolge (und die Arbeitssiege) der letzten Monate gemeinsam gefeiert! Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da …

Dressmakers’ Ball: Let’s talk clothes, shall we?

“Was ziehst Du denn an?”

Wann immer ich jemandem vom Ball erzähle, kommt unweigerlich genau diese Frage.

“Ein selbstentworfenes, selbstgenähtes Kleid” ist dann meist meine Antwort. Ich auch längstens einen Entwurf und zumindest das Oberteil ist schon mal drapiert, aber es gibt soooo unendlich viele Möglichkeiten ….

Kleiner Rundgang gefällig?

Da wäre zunächst mal die vielleicht unkomplizierteste Selbstnäh-Version: Ein kurzes 60s A-Line aus nem Hammerstoff oder mit einer unglaublich tollen Verzierung, so wie hier:

 

Da stehen die Chancen gut, das Kleid hinterher noch mal zu nem runden Geburtstag, einer Hochzeit oder Theaterpremiere anzuziehen.

Dann wären da die fließenden, 30s bis antik-griechisch inspirierten Drapee-Kleider, aller Längen:

Es gibt die 50s Träume mit weiten Röcken in boden-, oder waden-, oder knielang, bei denen selbst in den Illustrationen der Taft schon raschelt:

Es gäbe es die Haute Couture Träume, für deren Umsetzung man sich die nächsten Wochen frei nehmen müßte:

Es gibt die geschickten Baukasten-System-Schnitte, aus denen frau ein wunderbares Kleid zaubern kann – und dann noch eins und noch eins und noch eins:

Und es gibt natürlich die Möglichkeit, sich aus dem realen oder ideellen Herrenschrank zu bedienen und verdammt cool auszusehen:

Und wofür entscheidet Ihr Euch? Das kleine scharze? Die große Robe? Die Sharon-Stone-90s-Oscar-Variante: Bodenlanger Rock und weißes Herrenhemd?

Bin gespannt auf Eure Inspirationen.

Une wer IMMER noch keine Karten für den Ball hat: Hier gibt’s welche. Also hopp!

 

 

 

Du kannst Dich auf den Kopf stellen!

“Most of the time what we do is what we do most of the time.”

Es gefällt uns im Bekannten. Wir kennen uns aus. Wir machen unseren Job, schmeißen den Haushalt, wuppen das Ehrenamt und lesen sogar ab und an ein gutes Buch. Es läuft.

Unsere Routinen sind notwendig, denn sie geben uns Sicherheit und Souveränität. Meisterschaft erlangt man nur in etwas, was man über lange Zeit mit voller Achtsamkeit wiederholt. Achtsame Praktiken sind also die Grundlage für selbstbestimmtes und effektives Tun.

Doch unsere Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut. Deshalb schalten wir zwischendrin auf Autopilot. Den Weg zur Arbeit schafft unser Körper fast allein, derweil unser Kopf schon andere Aufgaben löst. Gefahr droht, wenn die Gleichheit der Tage uns einlullt. Wenn sie an uns vorbeiziehen, ohne dass wir sie bewusst erleben.

Es ist diese bequeme Gleichförmigkeit, die uns in dem Zustand, in dem wir sind, konservieren. Experimente erscheinen dann als gefährlich und werden unterlassen. Das Gefühl, das Veränderung möglich ist, kommt abhanden. Aber: So, wie es ist, ist es, weil es so ist. Weil es zu einem bestimmten Zeitpunkt so passte. Weil es sich im gedankenlosen Weiterwurschteln so eingeschliffen hat. Es ist kein Naturgesetz. Warum auch immer es so ist, wie es ist, es ist selten so, wie wir es heute bräuchten.

Es fehlt das Abenteuer, die Überraschung, der Geschmack.

So, wie wir den Routinen unseres Alltags anhängen, haben wir uns auch mit unserem Selbstbild eingerichtet. Wir brauchen das Gefühl eine Essenz zu haben. Häufig aber versammeln unsere Persönlichkeiten ganz widersprüchliche Neigungen. Um deren Fliehkräfte zu bändigen, setzen wir uns selber Grenzen. Manches verbieten wir uns schlicht zu denken. Manches reden wir uns aus. Manches nehmen wir nicht mal mehr wahr. Der Schutzmechanismus aber, der uns stärken sollte, wird zum Selbstläufer, der eingrenzt und schwächt.

Was aber würde möglich, wenn wir unsere Widersprüche als Eckpfosten der eigenen Spielwiese betrachteten und nicht als kaum auszuhaltende Zerreißprobe?

Wir würden aus dem Tritt kommen. Sicherlich. Wir würden wachsen, was schmerzhaft sein kann. Dafür lebten wir ungefilterter.

Wir würden neue Fähigkeiten erlernen, neue Möglichkeiten entdecken. Verbindungen herstellen zu Menschen, zwischen Wissensgebieten, die vorher unerreichbar und unverbunden waren. Wir würden über die Fähigkeit verfügen, all die verrückten Dinge wahr werden zu lassen, die uns das Gefühl geben, tatsächlich zu leben und nicht gelebt zu werden. Vor allem aber, würden wir Erinnerungen und Erfahrungen machen, die uns und unsere Welt nachhaltig auf den Kopf stellen würden.

Auf den Kopf stellen. Man kann das ganz wörtlich nehmen. Wer von uns kann das schon / noch? Sich auf den Kopf stellen? Einfach ist das nicht. Aber es gibt Hilfestellungen. Auf der Turnmatte und im wirklichen Leben.

Wer sich selbst auf den Kopf stellen will, fängt am besten mit etwas an, das sie nachhaltig fasziniert, von dem sie aber überzeugt ist, es nicht zu können.

Wer sich selbst auf den Kopf stellen will, nimmt sich eine Sache vor, die im Innersten grätzt. Umso höher ist die Motivation, die nötige Veränderung zu bewirken.

Wer sich auf den Kopf stellen will, lässt sich auf etwas ein, das nicht Ihrs zu sein scheint.

Sie steigt mit sich selbst in den Ring. Stellt sich kleine Herausforderungen und große. Sie lernt etwas Neues. Sie vertraut ihren Leidenschaften konsequent und sagt den Lustkillern den Kampf an. Sie geht Risiken ein und ergreift Chancen. Sie fühlt sich gemeint.

Ein paar Beispiele:

Ich hielt mich nie für einen Morgenmensch. Aufzustehen aus der Wärme des Betts ist grässlich und ich fröstele mich durch bis zur ersten Tasse Tee. All dies Gerede vom frühen Vogel? Dummes Zeug! Theaterleute sind eben Eulen, keine Lerchen! Dann bekam ich ein Kind. Und plötzlich waren die frühen Morgenstunden die einzige Zeit, ungestört zu schreiben. Zu meiner großen Überraschung stellte sich heraus, dass ich vor neun durchaus Sinnvolles produzieren kann.

Die erste Begegnung mit einer Nähmaschine im Textilunterricht in der achten Klasse fiel so katastrophal aus, dass ich danach felsenfest überzeugt war, nicht nähen zu können. Zwar blieb eine lebenslange Faszination fürs Kleidermachen, aber noch mal an eine Nähmaschine hab ich mich erst vor zwei Jahren getraut. 25!!! Jahre später. Ein fieser Unfall mit einer Nadel und ein paar böse Worte einer Lehrerin, deren Namen ich nicht mal mehr weiß, haben mich ein Vierteljahrhundert von etwas hatte abgehalten, was mir unglaublich viel Freude macht.

Als ich anfangen wollte zu bloggen, war mein hauseigener IT-Experten leider beruflich derartig ausgelastet, dass er keine Kapazitäten mehr für mein Projekt übrig hatte. Also musste ich, bekennende User-Trotteline, die ich bin, da alleine ran. Ich fand ein gutes Buch, nervte einen Bekannten, änderte auf der Höhe meiner Frustration sogar ein Schnipselchen Code – eine Handlung, von der ich befürchtete, sie würde weltweit das Internet zusammenbrechen lassen. Und das Ergebnis ist seit August 2011 online.

Stelle ich mich oft auf den Kopf? Nicht oft genug, würde ich sagen. Ich hab das im Turnunterricht auch nie hinbekommen. Aber: Jedes Mal, wenn ich mich traue, gewinne ich: Erfahrung, Freude, Fähigkeiten, Möglichkeiten, Wissen, Selbstbewusstsein.

Was man braucht, um sich selbst herauszufordern und auf den Kopf zu stellen?

Eine Struktur und eine Verabredung mit sich selbst. Mut, Vertrauen, manchmal Verzweiflung. Entschiedenheit, Spiellaune und Lust. Zu ernst sollte man die eigenen Experimente nicht nehmen: Scheitern muss erlaubt sein.

Wer den Haufen unfertig aufgegebener Kleidungsstücke in meiner Nähkiste kennt, weiß: ich leide unter einer Abschluss-Schwäche. Genau: Ich leide darunter. Ist dieses Leiden kurierbar? Ich könnte mich darauf zurückziehen zu sagen, dass sei ein Persönlichkeitszug. Da könne man nichts dran machen. Das tu ich auch ganz gerne. Stimmt aber nicht. Es ist lediglich das Ergebnis einer bestimmten Handlungsweise. Und die kann man auf den Kopf stellen.

Man sucht sich ein positives Gegenmodell. Und zwar nicht ewig. Man arbeitet mit der Idee, die kommt. Man durchdenkt die Verhaltensänderungen, die das bedeutet. Man gibt sich eine minimale Recherchezeit, und legt dann fünf Handlungsempfehlungen fest, sowie einen Handlungszeitraum. Effektiv? Ab sofort!

Testphase durchziehen. Auswerten. Was funktioniert hat: Beibehalten. Was nicht funktioniert hat, streicht oder ändert man. Und dann beginnt man das Spiel von vorn.

Wer sich von Selbstbild, konventionellem Wissen und gesellschaftlichen Normen nicht gängeln lässt, lebt selbstbestimmter. Ich für meinen Teil bin entschlossen, der beste Closer aller Zeiten zu werden. Schließlich hab ich ja auch nähen gelernt.