Channel this … Die Erste!

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Ahoi und herzlich willkommen zur ersten Ausgabe von Channel this … Wer noch mal nachlesen will, worum’s geht, bitte hier entlang.

Ich war mir sicher, daß ich für diese Styling-Herausforderung nichts Neues nähen würde. Das es nun allerdings auf ein Outfit komplett aus Kaufklamotten hinaulaufen würde, war mir bis vor 45 min auch nicht klar.

Der erste Reflex war: Hose, heißgeliebte Fellweste, Docs. Das ist bequem und gleichzeitig fühle ich mich darin immer unternehmungslustig, wenn auch nicht verwegen. Dann erinnerte ich mich an die Tatsache, daß die Herausforderung ja darin besteht, Dinge zu tragen und zu kombinieren, die eher ganz hinten im Kleiderschrank wohnen. Also suchte ich zwei Teile raus, die zusammen locker 23 Jahre alt sind.

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An der Bluse /irgendwann in den späten 90ern gekauft/ gefällt mir immer noch der Stoff, der Kragen und die Manschetten. Richtig gut gepaßt hat sie mir wohl nie, was mir aber jahrelang nicht auffiel. Sie ist untailliert und irgendwann war sie mir viel zu weit geworden. Ich lieh sie auf unbestimmte Zeit meiner Mutter und dachte so, sie guten Gewissens losgeworden zu sein. Denn erstens war sie schweineteuer und zweitens viel zu wenig getragen /Handwäsche nämlich/. Aber irgendwann brachte Mama einen großen Schwung Klamotten  zurück  und die Bluse zog wieder ein in meinen Kleiderschrank. Mit was drüber geht’s ja halbwegs, aber im gesamten letzten Jahr hatte ich sie 1 x an.

Die Strickjacke ist ein NOA NOA Schätzchen von – ich tippe – 2004/5. Sie wird mit einer großen Sicherheitsnadel geschlossen und hat dann einen schönen Ausschnitt, der aber gerne über beide Schultern rutscht. Außerdem wußte ich nie, was drunter anzuziehen. Mit der Bluse habe ich sie z.B. nie kombiniert. Mir gefällt die Farbe, ich mag die außergewöhnliche Form. Aber der Tragekomfort ist nicht der beste und wenn man sie an ungünstiger Stelle schließt, ergibt sich ein unguter tonniger Eindruck, non?

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Beim Schmuck lange ich normalerweise nicht so hin, aber hey, es geht ja auch darum, sich ein bißchen aus der eigenen Komfortzone zu kicken. Es könnte sein, daß ich morgen ins Büro (also heute, wenn Ihr dies lest), entweder die Muschel-Kette oder die Glitzersteine zuhause lasse.

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Das Leotuch steht immer mal wieder auf der Abschußrampe. Ein Überbleibsel aus ich-jobbe-in-nem-Klamottenladen-Zeiten. Auch wenn ich gar kein Geld mehr hatte, son Tuch zum PK-Preis ging immer. Ich ziehe es so gut wie nie an. Der Stoff ist kratzig. Noch ein Kandidat für den Kleidersack?

Insgesamt eine etwas aufgerüschtere Jack Sparrow Variante, so wenn er sich mit anderen Piratenchefs trifft und auf große Hose macht. Ich hab morgen wieder ne Sitzung zu leiten. Wißt Ihr bescheid.

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Nun bin ich gespannt, wer sich zu Jenny und mir gesellt. Verlinkt Euch unten und baut doch bitte in eure Beiträge einen link hierher ein. Die Verlinkung bleibt offen bis Samstagabend Mitternacht.

Wie ging’s euch? Mußtet Ihr lange überlegen? Oder flog Euer Outfit eher so skizzenhaft aufs Bett und an die Frau?

Dressmakers’ Ball: Schlafen in Schwerte

Hier kommen die schon vor einiger Zeit versprochenen Übernachtungstipps für den Dressmakers’ Ball in Schwerte. Wer also nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommt, der kann sich hier mal durchklicken und sollte was Passendes finden.

Wer sich ncoh nicht so recht sicher ist: Kommt! Es lohnt sich. Und die Kosten für die Übernachtung halten sich, je nach Komfortbedürfnis, wirklcih in Grenzen.

Gleich am Hauptbahnhof und DAS Hotel in Schwerte ist das Hotel Reichshof. Großer Vorteil hier: So frau die hochhackigen Schuhe eingepackt mitnimmt, kann man locker in 10 min quer durch die Innenstadt zur Rohrmeisterei laufen. Und wer mit der Bahn anreist, hat Koffer und Kleid nicht weit zu schleppen.

Sehr süß, noch näher an der Rohrmeisterei, aber eben auch nur 2 Doppelzimmer: das Mini-Hotel Nr. 1. Auch das könnte man vom Bahnhof aus mit leichtem Gepäck gemütlich zu Fuß erreichen.

Wer aus dem Ball-Besuch ein Verwöhnwochenende machen möchte, mit dem eigenen Auto anreist und sich geeinigt hat, wer nachts noch fährt, dem könnte das gefallen: Hotel und Spa L’Arrivée. Taxi dorthin am Abend könnte teuer werden.

Näher (hier wäre wohl ein Taxi des Nachts bezahlbar) ist der Gutshof Wellenbad. Historisches Ambiente direkt an der Ruhr. Aber auch nicht wirklich was für den schmalen Geldbeutel.

Dann gibt es noch das Haus Villigst, eine Tagungseinrichtung der Evangelischen Kirche. Da übernachtet man in schön renoviertem historischem Ambiente und es tut dem Geldbeutel auch nicht ganz so sehr weh.

Die weitaus günstigste Variante, wenn man nicht die Campingwiese des KVS Schwerte nutzen will- die ist fußläufig -  dürfte das Naturfreundehaus Ebberg sein. Das hat dann eher JuHe-Charakter (aber das hat ja noch keinen NähNerd abgehalten, right?). Auch das ist nicht fußläufig und das Taxi des Nachts will mit bedacht werden.

Für ein kleines Städtchen ist das eine ganz ordentliche Auswahl. Wem es nichts ausmacht, nachts noch 20 min zu fahren, der wird natürlich in Dortmund auch noch anderes finden.

 

anNÄHerung 2015 – Create what you need to find

Wir haben es wieder getan!

Zwei Tage lang durchgenäht, gefachsimpelt, Schnittmuster Probe getragen und Pläne zur Weltverbesserung aufgestellt.

Mit anderen Worten: Es war anNÄHerung.

Von Freitagabend bis Sonntagnachmittag war das Jugendgästehaus in Bielefeld unser rumdumverspflegendes Zuhause (denkt Nähzimmer mit Tee- und Prosecco-Anschluß), so daß den 38 anwesenden Frauen keine Ablenkung mehr blieb: es sollte, durfte, konnte hemmungslos besessen, total im flow genäht werden.

Wie schon 2014 sind dabei wieder großartige Dinge entstanden und garantiert hat jede, die da war, jetzt den einen oder anderen Schnitt mehr auf der to-sew-Ewigkeitsliste. Ich bin auch höchstwahrscheinlich nicht die Einzige, die wieder unglaublich viel gelernt hat.

Ich bin als Mitveranstaltering ja immer etwas anders unter Strom als die Teilnehmerinnen es sind. Klappt alles? Sind alle glücklich? Ist genug zu trinken da? Brauchen wir noch Verlängerungskabel? Aber wenn ich dann zwischen drin mal von meiner unendlichen Handnäh-Saga des Futter-in-den-Mantel-bringens, dann erfüllte mich das jedes Mal mit Stolz. So viele hochkonzentrierte, zufriedene Gesichter. So viel Autausch trotzdem. So viel gegenseitige Beratung und Unterstützung.

So sieht das aus, wenn frau einen Wunschtraum nimmt und ihn umsetzt. Okay: in meiner Idealversion ist es ein französisches Landhaus am Meer, aber hey: Wasserrauschen gibt es dank indoor-Wasserfall in Bielefeld auch und außerdem ist das Grundbrummeln von 38 Nähmaschinen mindestens so beruhigend.

Create what you need to find. Das habe ich mal auf irgendeinem amerikanischen blog gelesen und es ist mir nachhaltig hängen geblieben. Und der Wunsch, mich mal für eine Weile komplett in meine Leidenschaft Kleider Nähen vertiefen zu können, ohne Abwasch, ohne Zeitdruck, ohne Unterbrechung, war eigentlich schon da, nachdem ich unter der Woche spät abends meinen zweiten Rock ever fertignähte, wohlwissend, daß ich am nächsten Morgen fix und foxy sein würde. Dann hatte ich  für meinen Geschmack einmal zu oft gesagt: Man müßte ja mal …  Als ich mich im Herbst 2013  traute, öffentlich auf Twitter anzusagen, daß ich gewillt wäre, so ein Näh-Retreat zu organisiseren, kamen mir zum Glück zwei tolle, unternehmungslustige Frauen zu Hilfe. Frau Drehumdiebolzeningenieurin und Frau AlleWünscheWerdenWahr: es hat wie immer großen Spaß gemacht, mit euch vorzubereiten. Gerne immer wieder.

Fazit: Nicht nur die anNÄHerung lohnt sich jedes Jahr wieder. Anders als im letzten Jahr waren wir dieses Jahr keine Fremden mehr und ich hatte den Eindruck, die Gespräche waren schnell auf einer persönlicheren Ebene.

Es lohnt auch, sich die verrückte Idee, diesen niggeligen Herzenswunsch mal ernsthaft anzuhören und zu überlegen, ob er nicht in abgespecktem Maßstab schon zu realisieren lohnt. Create what you need to find.

Zwischen meinen Dreijahresmantel fertig stellen, organisieren und NähNerds besser kennenlernen hab ich das Phtographieren leider komplett vergessen. Da ich aber mehrere große Kameras und immer wieder Telefone im Einsatz gesehen habe, bin ich zuversichtlich, daß sich bald Beiträge finden werden, wo’s auch wirklich was zu sehen gibt.

Ansonsten bleibt mir für heute nur zu sagen: Ladies, es war bezaubernd mit Euch allen! We‘ll always have Bielefeld.

Und wer jetzt ganz dringed das Bedürfnis hat, endlich unter NähNerds zu kommen, zum Fachsimpeln und Feiern: Karten für den Dressmakers’ Ball gibt’s NOCH.

Hier sind Drachen

Schlangen sind hier, Elephanten, Nashörner und natürlich die Drachen. Aaah, die Drachen. Man findet uns im nördlichsten Norden, im tiefen Süden, im Innersten und an den äußersten Rändern. Wenn man uns denn findet. Manches bleibt unauffindbar. Auf alten Karten bezeichnet die Farbe Weiß unsere Gebiete. Die Unwissenden schreiben: Terra Incognita. Die Ängstlichen: Terra Pericolosa. Und immer wieder ist die Rede von DEN Drachen.

Es war noch niemand hier, eine Karte von uns zu zeichnen. Heißt das, es gibt uns gar nicht? Wir sind eine zu füllende Lücke. Alles, was schon hier ist, hier sein könnte, ist vielleicht nur in eurem Kopf.

Unsere Landschaften verändern sich augenblicklich. Je nachdem, wohin ihr blickt. Je nachdem wie genau ihr hinschaut. Je nachdem, was ihr beim Betrachten denkt. Immer verändert es sich. Oder bleibt alles gleich?

Verwirrt? Oh, das sind nur eure merkwürdigen Paradigmen, von dem, was sein darf und kann. Und was gar nicht geht. Ansichtssache, sagen wir hier. Ein menschenlebenzerreißender Strom, denken die einen. Fahrbar, bewerten die Wildwassersüchtigen und werfen sich in Nußschalen hinein. Seelenweitende Ebenen sehen die einen in uns, die anderen verdursten in unseren Wüsten.

Die Welt, sagt ihr, sei jenseits von Willen und Vorstellung vorhanden. Welch absonderlicher Gedanke. So absonderlich, er könnte wahr sein. Und doch dieses andauernde Gerede von den Drachen. Vielleicht gibt es sie ja wirklich. Aber: Für wie gefährlich ihr sie haltet, wie angstvoll ihr ihnen entgegentretet, das entscheidet allein euer Kopf. Wenn ihr uns fragt, wohnen die Drachen genau da.

Mein Finger gleitet einmal noch über diese Linie. Die, an der die bekannte Welt endet. Dann lege ich Kante auf Kante, knicke das Papier entlang seiner Falten erneut zusammen. Eigentlich brauche ich es nicht mehr. Ich habe sie im Kopf, diese Linie und den Weg dorthin. Ans Ende der Welt. Trotzdem stecke ich die Karte in meinen Beutel, schlinge den Riemen um die Schultern, nehme den Seesack und bin aus der Tür.

Ab und zu verschwindet eines von uns. Dann hat sich einer von euch aufgemacht und uns entdeckt. Als wären wir nicht vorher schon da gewesen. Oh, pardon. Waren wir ja vielleicht auch nicht. Unter uns: Wir verschwinden nicht wirklich. Wir werden nur eingezeichnet, bekommen eine Farbe, ein Relief, einen Namen. Die Drachen – nicht mal die verschwinden wirklich. Aber sie scheinen plötzlich nicht mehr bedrohlich.

Das Schiff verlässt den Hafen. Wir haben günstigen Wind. Doch ich wünschte, wir könnten fliegen. Ich blicke nicht zurück. Wozu auch? Ich kenne, was hinter mir liegt. Ich bin froh, es zu verlassen. Entscheidend, lebensentscheidend ist, was vor mir liegt. Zum Abschied fragt ein Freund mich, was, in Dreiteufelsnamen, ich denn suchen würde. Ich weiß es nicht. Mit Worten jedenfalls nicht. Aber ich fühle es. „Freiheit“, will ich ihm entgegen schleudern. „Mich“, sagt die eine Stimme in meinem Kopf, die sich immer meldet, wenn ich nicht weiter weiß. „Wissen“, antworte ich ihm. „Wissen will ich, was unsere Welt ausmacht. Im Großen. Nicht nur unser kleines Stück davon. Es gibt so viel mehr da draußen. Dinge, die unsere Vorstellungskraft übersteigen.“ Eigentlich dachte ich: „die deine Vorstellungskraft übersteigen.“ Aber weiß ich, was in seinem Kopf für Welten und Schrecken sich bewegen? Zuerst nun das Meer. Das unendliche, doch endliche Meer.

Entdecker. Gehören die tatsächlich zu eurer Spezies oder sind das Mutationen? Wenn sie die Drachen fürchten, dann lassen sie sich davon nicht abhalten. Aufmerksam sind sie, zeichnen jeden Stein ab. Notieren sich tausend und eine Sache. Manche gerade zu manisch. Aber man kann sich einer solchen Neugier kaum entziehen. Und leidensfähig sind sie. Quälen sich stromaufwärts, nur um eine Quelle zu finden. Allem versuchen sie auf den Grund zu gehen. Selbst den Dingen, die unser Verständnis übersteigen.

Ich habe mich vorbereitet. Denke ich. Doch jetzt, da die fremde Küste in Sicht ist, kommen die Zweifel. Was, wenn ich auf feindliche Eingeborene treffe? Was, wenn ich mitten in der Wildnis erkranke? Was, wenn ich mich verlaufe, den Kompass verliere, meinen Orientierungssinn? Was, wenn ich mit leeren Händen wiederkomme? Was, wenn ich gar nicht wiederkomme? Was, wenn ich wiederkomme, aber es gibt keinen Platz mehr für mich? Man ist nicht sehr freundlich zu denen, die aus der Reihe tanzen. Die ihren Träumen mehr glauben, als dem SO-IST-ES. – Zu spät dafür jetzt. Sie lassen das Beiboot zu Wasser. Nie aufgebrochen zu sein, das hieße scheitern.

Wir vermuten – oh ja, auch wir stellen Vermutungen an, aber wir lassen uns dabei nicht vom Schrecken leiten – wir vermuten, Entdecker vertrauen auf die Fülle. Fülle ist ein kluges Prinzip. Wer daran glaubt, klammert sich nicht fest. Wer daran glaubt, dem steht die Welt offen. Wer es praktiziert, sammelt Erfahrungen, nicht Besitz. Die Besitzer, die suchen ewig nach Gold und sind nicht mal zufrieden, wenn sie es finden. Deshalb werfen wir sie den Drachen zum Fraß vor. Die wahren Entdecker, naja, allzu bequem machen wir es ihnen nicht. Schließlich wollen wir erobert werden. Kann sein, sie treffen auf Drachen, kann sein, sie treffen sie nicht. Reich an Erfahrung und Leben werden sie bei uns immer.

642 Tage unterwegs. Mein Papier geht zur Neige. Und ich bin weit, weit von jedem Punkt entfernt, an dem ich neues kaufen könnte. Kaufen könnte ich es eh nicht mehr. Ich war krank, verwundet, hungrig, einsam, ich habe meinen Kompass verloren und so lange niemandem mehr meinen Namen gesagt, dass er sich seltsam fremd anhört. Aber ich bin hier. An diesem Ort, an den ich gehöre. Immer gehört habe, ohne es zu wissen. Ich habe gefunden, was zu suchen ich nur erahnt habe. Worte fassen es nicht. Dem Freunde, der wohl keiner mehr ist, würde ich es nicht erklären können. Aber ich er-lebe es. Jeden Tag auf eine neue Weise. Ich lebe. Nicht bequem, das nicht, aber erfüllt. Ich lebe. Zum ersten Male wahrhaftig.