Tatatada! Heute ist schon die zweite Ausgabe des Schnitt-Festes. Und ich bin auch beinhae fertig mit meiner Bluse. (Hattet Ihr nicht ernsthaft anders erwartet oder? ODER???)

Was ist Schnitt-Fest?

Schnitt-Fest ist eine monatliche Link-Party für alle Näh-Nerdettes, die ihre Schnitte selber machen. Oder zumindest einen Teil davon. Der 28. eines jeden Monats soll unser Tag werden, um hemmungslos totaler Fachsimpelei zu frönen und die entstandenen Werke zu bestaunen.

Ich bin, wie gesagt, so semi-fertig. Was überhaupt nicht an der Konstruktion meiner Bluse liegt, sondern am Angstgegner Seide und den französischen Nähten, die ich gerne will. Weshalb halt alles doppelt so lange dauert.

Aber zum Anfang.

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Ich hatte den Stoff mit KittyKoma zusammen bei Hüco in Berlin gekauft. Dazu hatte ich diese blau-braun kleinkarierte Schurwolle in Anzugqualität mitgenommen, weil ich dachte: Ich brauch mal noch eine weitere Garnitur für: „beruflich sehr förmlich“. Ein Kostüm mit Seidenschluppenbluse sollte es werden. Und dann lagen die Stoffe.

Zum Glück für die Seide habe ich im Januar bei Marc Aurel einen kuscheligen Wollstoff mitgenommen, den ich am letzten Freitag in eine Culottes verarbeitet habe. Und auch zu diesem blau-blau-schwarz-melierten Stoff passt meine Oil Slick Seide perfekt, denn ihre Farben ziehen Schlieren, wie Öl in einer Pfütze: royalblau, braun, anthrazit.

Ich wollte also plötzlich eine Bluse passend zu der Culottes mit der hohen Taille. Für mich eher ungewöhnlich ging’s dann mit Papier und nicht an der Puppe los.

Ich nahm mir einen erprobten Kleiderschnitt vor – ursprünglich ist das einer meiner 60s Schnitte aus „Der vollschlanke Chic“. Allerdings hab ich mittlerweile so viel daran abgeändert und auf mich angepasst, dass er so was wie mein Grundschnitt geworden ist.

oilslickbluse_originalschnitt

Der Schnitt ist ärmellos und wurde flugs erstmal gekürzt. Statt der Brustabnäher wollte ich Falten, die in den runden Halsausschnitt münden. Also wurden die originalen Abnäher zugesteckt.

oilslickbluse_geschlossenerabnaeher_einschnitt

Dann habe ich vom Halsausschnitt auf den Brustpunkt hin eingeschnitten, bis der Schnitt wieder flach auf dem Papier lag. Die so entstandene Lücke habe ich mit zusätzlichem Papier unterklebt. Die Mehrweite werde ich nun nicht als Abnäher nähen, sondern nur als Falte legen und mit dem Beleg verarbeiten.

oilslickbluse_schnittvorderteil

oilslickbluse_ersteanprobe

Der Kleiderschnitt hat zwei kleine Abnäher hinten an den Schultern. Da meine Erfahrung mit Seide eher die ist, dass sie unter meiner Maschine grad macht, was sie will, wollte ich mir die Tortur ersparen, da exakte Abnäher zu nähen. Folglich hab ich schlicht die Mehrweite des Abnähers in Kräuseln eingehalten. Fertig.

Die Abnäher im Rücken hab ich gelassen und ganz konventionell genäht. Das ging so leidlich, dank drölfzig Stecknadeln. Auf die Taillenabnäher hab ich nach der ersten Anprobe verzichtet. Der Stoff schmiegt sich sehr an, also kein Zeltalarm unterm Busen. Außerdem ist der Plan ja, die Bluse in den meisten Fällen reingesteckt (Oi, ich? Reinstecken? Was geht?) zu tragen.

Blieben die Ärmel. Ich trauere seit Jahren einer Jersey-Wickeljacke mit weiten Bischofsärmeln nach. Und da ich von dem Seidenstoff eh nicht so viel gekauft hatte, dass ich noch was anderes außer dieser Bluse drauf machen kann, dachte ich: All out. Die weitestes Ärmel, die Du aus dem Stoff schneiden kannst.

Dazu musste ich aber erstmal einen Ärmel konstruieren, denn der Ausgangsschnitt hat ja keine Ärmel. Nachdem ich bei der anNÄHerung in Bielefeld dank Mit heisser Nadel die Anleitung zum Ärmelkonstruieren in Winifred Aldrichs „Metric Pattern Cutting for Women’s Wear“ verstanden hatte, und die so entstandenen Ärmel beim (immer noch nicht fertigen) grünen Ulyana Sergeenko ripp-off so sensationell ins Armloch gepasst haben, entschloss ich mich heute Mittag kurzerhand, wieder damit zu arbeiten.

Das Anschauliche an dieser Methode? Frau zeichnet zuerst das vordere und hintere Armloch vom Schnitt ab – so dass beide an der Seitennaht zusammenstoßen- und nimmt dann alle entscheidenden Maße fürs Armloch daraus ab. Damit habe auch ich dann kapiert, wie Ärmel entstehen (bilde ich mir zumindest ein).

oilslickbluse_aermelkonstruktion

oilslickbluse_werteaermel

Resultat meiner nachmittäglichen Arbeitszeit war ein normaler langer Ärmel. Den habe ich dann in mehere Teile aufgeteilt (auch wieder nach Aldrich) und ausgebreitet. Dabei wird der Abstand zwischen den einzelnen Papierstreifen zum hinteren Ärmel weiter. Auch schwingt der Ärmel hinten unten weiter aus.

oilslickbluse_bischofsaermel

Ich habe vor, die Mehrweite in einem kleinen Bündchen einzufangen.

Damit wäre ich konstruktionstechnisch durch.

Nun muss ich nur noch die Ärmel einsetzen und die Belege einnähen. Leider machen meine Augen trotz monstermäßiger Studioausleuchtung abends bei dunklen Stoffen nicht mehr mit. Weshalb ich Euch mal wieder mit Tragefotos ein paar Tage vertrösten muss.

Nun bin ich aber gespannt, was Ihr so mitgebracht habt an eigenen Werken. Also: Zeigt her Eure Schnittkonstruktionen.

 

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