Guten Morgen!

Ich fürchte zwar, dass außer Jenny heute niemand wirklich was präsentieren kann, aber ich eröffne den Reigen trotzdem mal.

Zur Erinnerung: Nix für Lemminge hatte 2017 das Ziel sich ausgehend von einem Thema eine kleine oder größere Kollektion alltagstauglicher Kleidungsstücke zu produzieren.

Inspiration für meine Kollektion zog ich aus klassischer Handwerkerarbeitsbekleidung, Tailoring und Tracht. Konkret hatte mich ein Waldspaziergang zwischen den Jahren 2016 angeregt. So war denn auch Woodland Creatures für lange Zeit mein Arbeitsmotto.

Zentrales Problem bei der Umsetzung war allerdings, dass ich mich ab April unversehens vor eine neue berufliche Aufgabe gestellt sah, die mir zwar irre viel Spaß macht, die aber auch massiv Zeit und Kraft schluckt. Hatte ich letztes Jahr meist zwei Vormittage in der Woche, an denen ich ungestört an Nähprojekten arbeiten konnte, waren es in diesem Jahr ab April genau keiner mehr. Erst in den letzten zwei Wochen hab ich mir den Freitagvormittag wieder freikämpfen können. Die Wochenenden fielen wegen zweifacher Handverletzung des Mannes, Fortbildung meinerseits inklusive Seminararbeit und Arbeiten am Haus auch meistens flach. Kleinere Zeitfenster, die sich unvermittelt mittendrin auftaten, hab ich dann meist genutzt um „mal eben schnell“ was Dringliches zu nähen: Hosen und T-Shirts für das Kind. Ein Hochzeitsgastoutfit. Geburtstagsgeschenke. Stuff like that.

Ich merkte, dass mich gerade, wenn ich an Nix für Lemminge arbeiten wollte, die Häppchen-Taktik total annervte. Jedes Mal, wenn ich gerade wieder drin war im Thema und in meiner Ideenwelt und bevor ich wirklich was schaffen konnte, war auch schon wieder keine Zeit mehr. Keine Zeit sich wirklich zu versenken, konzentriert über längere Zeit einen Gedanken, eine Idee zu verfolgen.

Ums kurz zu fassen: das Leben hat mir dieses Mal mächtig dazwischen gepfuscht. Ihr dürftet das ja schon an der merklich reduzierten blog-post-Frequenz gemerkt haben.

Das ärgert mich einerseits maßlos, weil ich nicht gerne mit Ideen vorpresche, die ich dann nicht umgesetzt bekomme. Andererseits hat in dem Kampf zwischen „Geh ich jetzt bis um halb elf noch mal ran, oder geh ich gleich schlafen“ ganz oft das Bett gewonnen.

Wenn ich dann mal Zeit hatte, wie z.B. bei der anNÄHerung_süd, dann hab ich durchaus was geschafft. Und die hoffentlich heute Abend fertig gestellte Jacke will ich Euch nicht vorenthalten. Auf die bin ich nämlich ziemlich stolz. Obwohl sie eigentlich nur ein tragbares Probeteil ist.

Und das kam so:

Für die anNÄHerung_süd hatte ich mir vorgenommen, die Schnitte für die geplante Jacke und für das Mieder-Zimmermannswesten-Crossover zu drapieren und aus Nessel jeweils eine schnelle Probe zu nähen. Als ich in einer kleinen Inspirationsflaute am Samstagmorgen dann den Stoff-Tausch-Tisch genauer ins Auge fasste, fanden sich da ein grauer Wollstoff, ähnlich dem, der es im Original auch werden soll und eine leuchtend lilafarberner Sari. Innert 30 sec war mir klar, dass ich keine freudlosen Probeteile aus Nessel nähen würde, sondern mir den Spaß machen würde, an der Jacke lieber etwas länger zu knobeln, dafür aber ein wirklich tragbares Teil zu produzieren. Den beiden Stoffspenderinnen an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank.

Die Stellen, die jetzt mit der sehr üppigen Borte des Saris belegt sind, waren im Papierentwurf lediglich mit rotem Stoff abgesetzt. Es gab auch recht sportive Taschen. Es sollte ja eine Waldläufer-Jakce werden. Nun fühle ich mich eher wie Sharuk Khan, wenn ich die Jacke anziehe, aber das ist gar nicht schlimm.

nfl16_jacke

In Würzburg schaffte ich dank diverser freundlicher Absteckhelferinnen einen sehr schön angepassten Korpus. Beim Stehkragen-Blenden-Knoten-Im-Kopf half mir zum Glück Stella weiter, so dass ich mt einer Art Weste nach Hause kam. Einen Arm hatte ich noch geschafft zu drapieren. Aber ich kam erst letzten Freitag dazu, den Ärmel zu markieren, auseinander zu nehmen und in einen zwei-teiligen Ärmel zu verwandeln.

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Für’s Drapieren hab ich den Ärmel zunächst nach einem Schema aus Draping. The Complete Course vorbereitet. Ich wollte einen ziemlich extremen Ärmelkopf (heißt das überhaupt so?), aber ohne die Weite, die ein klassischer Puffärmel dann ja um den ganzen Oberarm hat.

Also hab ich den  Ärmel zum Drapieren mit einer ziemlich hohen Armkugel vorbereitet. Und dann meine liebe Mühe gehabt, die Stoffmenge in meinen Armausschnitt zu kriegen, ohne, dass der Ärmel nach hinten abkippte. (Anmerkung: ich dachte ja bisher immer: Naja, dieses Fadenlaufmarkieren aufm Ärmel ist ja auch eher so Haute Couture Getuhe. Ähm, ja. Sagen wir mal: Mittlerweile halte ich das für ne gute Idee, wenn man mit nem freestyle-Armloch arbeitet.)

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Letzten Freitag hab ich also noch an der Puppe wesentliche Punkte des Ärmels markiert und ihn dann von Puppe und Korpus gelöst. Anschließend hab dann entlang meiner Markierungen überflüssigen Stoff abgeschnitten, so dass ich de facto ein Schnittmusterteil vor mir liegen hatte.

Schon beim längeren Betrachten des Ärmels an der Puppe war ich mit dem Volumen am Oberarm nicht zufrieden. Also entschied ich mich, den Ärmel zu teilen und einen klassischen zwreiteiligen Ärmel draus zu machen. Auch da hab ich wieder in mein Draping-Buch gelunzt und dann entschieden, dass ich die Ärmelnähte auf die Wiener Nähte des Korpus treffen lassen wollte. Damit waren dann die beiden Punkte klar, an denen ich rechts und links am Ärmel – sprich vorne und hinten etwas abgeschnitten habe und die beiden Teile dann entlang der Naht, die beim normalen Ärmel zwischen ihnen entstehen würde, zusammen geklebt habe. (Okay, eigentlich hab ich nicht geklebt, sondern beide Teile aneinandergelegt und auf Papier abgezeichnet. But you get what I mean?).

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Da ich mittlerweile ja so was von keine Zeit mehr zu verlieren hatte, hab ich flugs aus dem Originalprobestoff die vier Ärmelteile zugeschnitten, die – o Wunder – hervorragend zusammenpassten – und dann versucht mit ziemlich viel Kräuselung in mein Armloch einzusetzen. Mit sehr viel Trickserei hab ich den ersten Ärmel eingesetzt, aber bei der anschließenden Anprobe war ich nciht überzeugt. Der Ärmel schien mit deutlich zu weit zwischen Ellenbogenbeuge und Mitte des vorderen Armlochausschnitts. Also Ärmel wieder raus, getrennt und auf beiden Seiten einen Finger breit Stoff weggenommen. Nun nicht mehr sehr schönen Übergang an der vorderen Ärmelnaht etwas beigeschnitten, neu eingekräuselt, über eine längere Strecke und wieder eingenäht. Ergebnis gefiel mir so gut, dass ich den zweiten Ärmel auf gleiche Weise bearbeitet habe und nun sind sie drin. Hängt die Jacke aber nun auf der Puppe, sieht man ganz deutlich, dass die Ärmel nach hinten ziehen. Ich bin mir nicht ganz klar, ob das durch die nachträgliche Änderei passiert ist oder ob ich  irgend ein entscheidenes Passzeichen nicht markiert habe. Fakt ist: beim Probestück bleibt das jetzt so. Noch habe ich nicht den Eindruck, dass es den Tragekomfort beeinträchtigt. Allerdings werde ich die Jacke erstmal ein bißchen tragen, bevor ich den tatsächlichen Originalstoff anschneide.

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Der Jacke fehlen jetzt noch die Ärmelaufschläge, die ich auch aus der Sariborte machen werde, der Saumbeleg (der Saum ist geschwungen, daher Beleg) und ich muss das Futter noch einsetzen.Ich geh also an die Arbeit und

gebe damit die Bühne frei für alle anderen Mitstreiterinnen und hoffe, Ihr seid erfolgreicher in der Umsetzung Eurer Ideen gewesen. Zeigt her Eure Kollektionen.

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