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Meistens werden Klassenfahrten ja erst mit der Verklärung durch mehrjährigen Abstand richtig toll!

Nicht so bei NähNerds!

Wir waren am letzten Wochenende in Berlin und es war grandios. Das habe ich während des Wochenendes schon gedacht, erst recht, bevor ich im Zug nach Hause einschlief und daran hat sich bis heute gar nichts geändert.

Eine wunderbare Gruppe von Frauen in einer aufregenden Stadt mit einem inspirierenden Programm (if I may say so). Was braucht eine noch mehr, um den einsetzenden Novemberblues zu vertreiben? Zumal sich das große B mit knackigem Sonnenschein präsentierte.

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Trotzdem hatte ich als Organisatorin im Vorfeld doch die eine oder andere schlaflose Nacht: Berlin ist nicht meine Stadt, ich musste alles von Zuhause aus und während eines Kurzbesuchs im Mai organisieren. Zwei der Dozentinnen hatte ich blind gebucht – das sie sich als solche Vollstreffer entpuppen würde, hab ich nicht zu erwarten gehofft. Eigentlich hätte ich mich klonen müssen oder eine Assistentin mitbringen müssen, um immer rechtzeitig an den jeweiligen Veranstaltungsorten zu sein. (Dank Mietwagen und Teilnehmerinnen, die auf Zwischenstrecken in Führung gingen, klappte das trotzdem.)

Als die Unruhe vor ein paar Wochen zu groß wurde, buchte ich kurzentschlossen für Donnerstag schon mein Bahnticket und ein Hotelzimmer, um vor Ort noch letzte Dinge klären zu können.

Und so navigierte mich Kitty Koma Donnerstagnachmittag durch den Berliner Berufsverkehr und half beim  Wein kaufen. Anschließend mussten wir dann noch einen Rundumblick bei Hüco zu nehmen. Das stand schließlich für Freitag auch auf dem Plan und ich war noch nie da gewesen.

Nach diesem rundum wunderbaren Vorbereitungstag lag ich früh in meinem Hotelbettchen und konnte dann doch wieder nicht schlafen. Was, wenn …

Mir einer heute Nacht den Mietwagen klaut?

Wintereinbrüche morgen früh den Bahnverkehr lahm legen?

usw

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Irgendwann war die Nacht dann doch zu Ende, ich hatte ausgecheckt, den Monstertransporter ins HBF-Parkhaus verbracht und lungerte in Erwartung der Teilnehmerinnen am Bahnhof rum. Und dann kamen sie auch alle. Kein last minute Absagen. Keine massiven Zugverspätungen. Statt dessen innerhalb von Minuten launiges Geplauder auch unter Menschen, die sich vorher noch nicht gekannt hatten.

Wir verpackten das Gepäck in das nun gar nicht mehr so monstergroße Auto und dann brach die eine Gruppe zum Maybachufer auf und die andere fuhr zu Hüco. Ich im Auto hinterher. Tja, parken Si emal eine Vivaro irgendwo in der Nähe des Maybachufers als Ortsfremde. Das geht, aber es dauert.

Auf dem Markt war’s voll, so wie’s soll. Da wir’s mittlerweile Mittag hatten, verführten mich die Essensstände mehr als die Stoffstände. Und beinahe hätte ich wider besseren Wissens auch 5 Avocados für 2 Euro gekauft. Weil: 2 EURO! Die Vernunft siegte. Es blieb bei leckeren Blumenkohlpuffern im Pitabrot und einigen recht coolen patches besonders für den Sohn.

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Beim anschließenden Kaffeetrinken in der Ankerklause zeigte sich, dass ich mit meiner Zurückhaltung die Ausnahme war. Es war gute Beute gemacht worden. So war das ja auch geplant gewesen.

Obwohl ich als erste vom Markt aufbrach, brauchte ich dank Stau drei Ewigkeiten bis zur Unterkunft. Das war dann aber auch der einzig wirklich stressige Moment an diesem Tag. In der Jugendbildungsstätte Kaubstraße angekommen, quartierten wir uns in zwei Haushälften auf drei Etagen ein – wir hatten schließlich das ganze Haus für uns – und nach weiterem Koffeinzufluss und einem für Herbergssituationen ungewohnt leckeren Kuchen ging’s in die ersten beiden workshops: Schnittanpassung für Oberteile bei der herrlich direkten Regine Hielscher-Gotenbach von der Kunsthochschule Weißensee und Garderoben Essentials bei mir.

Was hatte ich mir im Zug noch den Kopf zerbrochen: wie breche ich die konzipierten Aufgaben so auf, dass nicht alles in Einzelarbeit passiert? Seit der DaZ-Qualifizierung kann ich ja keine „Lehrveranstaltung“ mehr planen ohne zu denken: Jetzt musste aber mal die Sozialform wechseln. Tja, das taten meine Teilnehmerinnen ganz von alleine. Ehe ich mich versah, entstanden produktive Gespärche über die Tische und durch den großen Raum hinweg. Was sich in der Konzeption noch erzwungen anfühlte, passierte ganz natürlich und entspannt.

Nach drei Stunden workshop, in einem leider immer kälter werdenden Seminarraum, war es Zeit fürs Abendessen im wesentlich gemütlicheren Speiseraum. Mittlerweile war schon lange kein Mitarbeiter der Bildungsstätte mehr im Haus. Es war so ein bißchen wie bei Mutti zuhause sein ohne das sie da ist. Es war was zu essen im Kühlschrank, es war was zu trinken da, und wir waren groß genug, uns um uns selbst zu kümmern (was bis auf den fehlenden Korkenzieher auch funktionierte).

Die im workshop begonnenen Gespräche setzten sich im gemütlichen roten Salon bis in die frühen Morgenstunden fort. Ganz so, als wäre das nicht die erste Tour in dieser Konstellation. Ich bin ja immer wieder erstaunt darüber, wie schnell wir von nähnahen Themen dann bei nähfernen Themen sind. Der Freitagabend war da keine Ausnahme.

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Samstagmorgen ging’s für die Spoonflower-Gruppe schon kurz nach 9 los, dennw ir mussten auf die andere Seite der Stadt. Bei Spoonflower wurden wir gemütlich empfangen und bekamen zunächst einen knappen Überblick über die Produktionsweise des Unternehmens (wer’s nicht kennt: Spoonflower ist ein digitaler Stoffdruckdienst, bei dem Ihr sowohl eigenen Designs als auch Designs anderer auf dem Stoff Eurer Wahl drucken lassen könnt).

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Just als es spannend wurde, weil die Teilnehmerinnen nämlich anfingen, an ihren eigenen Stoffentwürfen zu arbeiten, musste ich los zum nächsten Programmpunkt, so dass ich hoffe, eine der Stoffgestalterinnen zeigt ihren Entwurf und das Ergebnis noch mal seperat.

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Um kurz nach 12 begann für Gruppe zwei eine Führung durch die Modeabteilung des Kunstgewerbemuseums. 60 min hatte ich gebucht. Zwischen dem Wissen der Führung, dem Wissen und den Fragen der Teilnehmerinnen hätten wir locker drei Stunden in der Ausstellung brauchen können.

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Ich hatte mich im Mai schon mal vor Ort umgesehen und fand die Ausstellungstexte etwas dürftig. Im Gespräch während der Führung kamen dann aber viele spannende Fakten heraus. Über Frauen- und Männerbilder, die sich in den ausgestellten Kleidungsstücken zeigen, kann eine lange reden. Das mache ich dann mal wann anders.

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Hier möchte ich nur noch drauf hinwiesen, dass just an dem Tag das Atelier im Hause eröffnet wurde. Ein schöner Arbeitsraum in der Modeausstellung, in dem frau diverse historische Unterkonstruktionen anprobieren kann, Schnitte von (z.Z.) Vionnet und Balanciaga abnehmen kann und wo in Zukunft workshops rund ums Thema Mode und Modedesign stattfinden werden. Auch da musste ich leider wieder los. Ich hoffe auch hier auf ausführliche Schilderung derjenigen, die noch ein Wielchen da blieben.

Um 15.30 Uhr ging’s in unserem Zuhause auf Zeit weiter mit Schnittanpassung Oberteile und Der perfekte Jacketkragen. Ich war an diesem Nachmittag bei der Schnittanpassung und fand das spannender als alle Krimis, die ich in den letzten Monaten gelesen hatte. Erst an der Frau angepasst, dann am Schnitt abgeändert, dabei jede Menge Praxiswissen aus dem Nähkästchen geplaudert … ich glaube, ich werde mir meine Mitschrift laminiert ins Nähzimmer hängen.

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Mit vollem Kopf und leeren Magen brachen wir um 19 Uhr Richtung Moabit auf. Da hatte ich nämlich einen großen Tisch im Osmanya für uns reserviert. Zu essen gab’s ungewöhnliche Leckereien aus der türkischen Küche. Und die Inneneinrichtung erinnert nicht unwesentlich an Paläste aus 1001 Nacht. Trotz großem Hungers musste ich nach der Hälfte meines Desserts kapitulieren. Und das mir.

Das Absackerli fiel an diesem Abend recht kurz aus, Es war trotzdem schon wieder 2 bis ich zumindest meine Anziehsachen schon mal wieder in den Koffer verpackt hatte.

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Mit einem mittlerweile massiven Schlafdefizit startete ich in den letzten Klassenfahrtstag. Diesmal saß ich mit einer sehr kleinen Gruppe bei der herzlichen Tailoring-Expertin Saziye Yildiz. Während wir uns in die Feinarbeiten an Hemd-, Jacket- und Mantelkrägen und die Mysterien verschiedener Einlagen vertieften, fixten im großen Seminarraum Lucy Nahtzugabe und Antje Machenstattkaufen die übrige Crew mit dem reverse appliqué nach Alabama Chanin an. Nach einem kurzen „Kontrollrundgang“ wollte ich auch viel lieber mit Nadel, Faden und Perlen zaubern. Ich schätze, wir werden einige der schönen Projekte im Netz zu sehen kriegen.

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Nach drei Stunden intensiver Arbeit und einem leckeren gemeinsamen Mittagessen war unsere vollgepacktes Berlin-Wochenende leider schon zu Ende. In Taxis und U-Bahn verpackt ging’s für die meisten zurück zum Hauptbahnhof und für alle nach Hause.

Ich hätte im Zug eigentlich meinen Unterricht am Montagmorgen vorbereiten müssen. Aber nach einem halbstündigen Kampf, das etwas dumpfbackige Businessgelaber um mich herum auszublenden und mich auf die möglichst effektive Vermittlung des deutschen Alphabets zu konzentrieren, hab ich lieber zweieinhalb Stunden geschlafen und dabei von weiteren NähNerdReisen geträumt.

Maximal inspiriert starte ich morgen in ein hoffentlich sehr nähintensives Wochenende. An Plänen und Material mangelt es jedenfalls nicht.

Wie immer, wenn ich so mitten im Erlebnis bin, hab ich auch diesmal kaum fotografiert. Ich hoffe, die Teilnehmerinnen waren darin umso fleißiger.

 

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