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Was für ein Wochenende! Zum ersten Mal zum Nähen am Meer!

Zu wenig Tee, zu wenig Schlaf und zu wenig Meer, dafür sehr viel genäht (mit mittlerem Ergebnisstand bei mir) und sehr viele tolle NähNerdettes kennengelernt. Größtenteils aus dem Norden, aber der Preis für die weiteste Anfahrt geht an München.

34 Frauen, die sich im Wesentlichen noch nicht kannten. 34 Verrückte, die eine gemeinsame Leidenschaft verbindet, die für eine instant Verbindung sorgt. Wir waren schnell im Gespräch, das sich sehr vertraut anfühlte.

Aber der Reihe nach: für mich ging’s schon am Mittwochabend los. Das erste Etappenziel: heimische Gefilde im Landkreis Celle. Nach einer Übernachtung bei Muttern und last minute Namensschilder-Ausdrucken in Farbe auf fremdem Drucker ging’s am späten Vormittag weiter in den Norden. Rund um Hamburg staute es ordentlich, danach reihte sich Baustelle an Baustelle entlang der A7. Aber schließlich schien bei der Ankunft in Eckernförde die Sonne und die Bucht leuchtete in beinahe karibischem Blau. Ich hatte noch eine knappe Stunde bis Frau von Welt am Bahnhof eintrudelte, also einmal mit den Füßen ins Wasser (kaaaaalt) und flugs ein stark fischhaltiges Mittagessen – natürlich mit Blick aufs Meer. Da hätte ich auch noch drei Stunden sitzen bleiben können, aber die noch unbekannte Unterkunft machte mich kribbelig.

Nach kurzer Fahrt im mittlerweile sehr vollgepackten Auto kamen wir auf Schloss Noer an. Und waren nicht die ersten. 😉

Bis zum Abendessen um 18 Uhr hatte ich alle eintrudelnden Teilnehmerinnen in ihre Zimmer einquartiert und der Reitstall hatte sich in eine Nähatelier verwandelt. Abendessen gab es im Schloss selbst, wo sich herrschaftlich hohe Räume mit schöner Holzvertäfelung und Stuckdecken mit Klassenfahrt-Athmo (Tische selber Decken, heißer roter Tee, etc.) mischen. Wir hatten unseren Speiseraum für uns. Die Grundschulklassenfahrt saß nebenan.

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Anschließend ging’s zurück in den Reitstall – mit angrenzendem Bügelsalon und Kaffee-, äh Kaminzimmer und nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit Verve an die Nähmaschinen. Schließlich waren alle mit großen Nähplänen angereist.

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Freitag und Samstag vergingen wie im Fluge zwischen Nähen, Essen und Spaziergängen am Meer. Die Abende waren lang, die Nächte kurz, der Koffeinbedarf des Morgens immer höher. Um mich rum wurde Teil um Teil fertig, während ich zunächst mit einem widerspenstigen Futter und dann mit diversen kleinen, sich nicht wenden lassen wollenden Trenchcoat-Teilen beschäftigt war.

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(Die schönste Maschine. Eine alte Singer. Ganz kanpp gefolgt von einer alten Bernina, die ich nicht fotografiert habe.)

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(Wenige Hosen auf den Nählisten – Mäntel sin das neue Kleid – aber wenn Hose, dann mit krassem Topstitching.)

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(Sonnenschein lockt eine echte NähNerdette nicht. ;-))

Samstagabend war ich kurz davor, meine Trenchcoat anzuzünden, entschied mich dann aber aus Sicherheitsgründen dafür, aus einem der getauschten Stoffe ein schräg zugeschnittenes Sommerkleid zu machen – ohne Schnitt natürlich und auch ohne Puppe, an der ich es hätte drapieren können. Nach einer Dreiviertelstunde konzentrierten Anmirrumdrapierens war ich überzeugt, das das ein sensationelles Teil werden konnte zu einer anderen Zeit mit anderen Hilfsmitteln. Also kehrte ich abgeregt zu meinem Trench zurück, ließ ein paar nervige Schritte aus und nähte zumindest schon mal den „Korpus“ zusammen. Das Erscheinungsbild in Spiegel überzeugte und gab mir den nötigen drive Sonntagvormittag trotz Packens und Aufräumens noch ein paar ordentliche Nähte zu machen.

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(Der mitgereiste Herr schon am Ende seiner Geduld. Ich zeige das tatsächliche Futter des nichtfertigen Mantels. )

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(Denn das ist nur die Wärmeschicht.)

Nach dem Mittagessen am Sonntag gab’s im großen Saal des Schlosses die Abschlusspräsentation der vielen tollen genähten Kleidungsstücke, diesmal mit Catwalk und Frontrow. Und dann war es auch schon Zeit, Aufwiedersehen zu sagen.

Ihr Lieben: es war toll mit Euch. Ich bin immer wieder geflashed, wie wenig NähNerdettes miteinander fremdeln, wie schnell das Gespräch weit über Nähthemen hinausgeht, wie hilfsbereit die erfahrenen Näherinnen mit Rat und Tat sind – auf Kosten ihrer eigenen Nähzeit. So viele so unterschiedliche Persönlichkeiten und Stile. Jedes Nähwochenende ist nur so großartig wie seine Teilnehmerinnen und Ihr wart ganz wunderbar.

Und nun bin ich ganz gespannt auf Eure Berichte.