Ich lasse ja mittlerweile die Modezeitschriften meist im Regal stehen, aber aus denen, die ich noch so rumliegen hatte, hab ich in den letzten Monaten die Seiten, mit den Klamotten, die mir sehr gefallen haben, ausgerissen. Mittlerweile ist das eine große Ablagekiste voll – irgendwie unbrauchbarer Inspiration. Da musste was mit passieren.

Nun nähe ich zur Zeit im Rahmen von #brotundbutter an einem taillenkurzen Top, als Partner zu den weiten Röcken, zu denen es nur Sommershirts und genau einen Pulli gibt. Und fragte mich gestern, zu welchen Silhouetten untenrum der denn wohl noch passen könnte. Also kramte ich die schlechteste Vorlage meiner Figurine hervor (ich brauche dringend mal eine schöne, neue) und begann Unterteile zum kurzen Pulli zu skizzieren. Und weil ich dann eh schon mal dran war, griff ich einmal beherzt in die Ausriss-Kiste und übertrug einige der gesammelten Bilder auf meine Figurine.

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Den kurzen Pulli mit langer enger Hose hatte ich beim Anprobieren schon im Spiegel gesehen. Gefiel mir nicht. Also hab ich zunächst eine moderat weite Hode dazu gemalt, so wie die Cordhosen von Noa Noa, in denen ich vor der Schwangerschaft lebte. Das gefiel mir ganz gut. Zur Probe kramte ich die alte Hose, die ich als Schnittmuster-Ansatz aufgehoben hatte, raus und probierte sie dazu an. Trotz Hose, die sich nicht mehr schlißen ließ, gefiel mir diese Kombination sehr gut. So gut, dass ich gestern Abend gleich die alte Hose zerschnitt, um eine Vorlage zu haben und den ähnlich stretchigen lila Baumwoll-Samt, den ich noch habe, in die Maschine warf.

Anders als die Hose auf meiner Zeichnung hat die alte Cordhose vorne gar keine Abnäher. Beim eingehenden Betrachten gestern vor dem Spiegel entschied ich, nicht zuerst meine Skinnies zu klonen, sondern die alte Cordhose. Die ist nämlich wesentlich einfacher verarbeitet. 😉 Reißverschluß und Häkchen hinten …

Anschließend suchte ich mir aus meinen Ausriss-Stapel weitere Hosen-Looks.

Ergebnis:

Neben ’schmal und lang‘ und ‚moderat weit und lang‘ ist die klassische Capri-Hose durchaus eine gute Idee. Als Sommerhose mindestens.

Hin und wieder geraten tatsächlich auch oversized Sachen in die Kiste. Da bin ich im real-life ausgesprochen skeptisch und kaufe Oversized-Oberteile mehrere Größen unter meiner. Aber zu der schmalen 3/4 Hose gefällt mir an meiner Figurine durchaus ein überschnittener Pullover. Natürlich nicht mega-groß. Zelte hatte ich schon mal und die möchte ich in keinem Falle wieder.

fig2

Neugierig geworden durch dieses erste Oversized-Beispiel, suchte ich mir ein paar weitere heraus.

Die kurze Jacke mit den 3/4 Ärmeln ist im Original von Porsche Design gewesen und auf dem Bild wesentlich volumiger. Der Lagen Look ist aber Original. Und das gefällt mir auch sehr.

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Da ja weitere Hose zu taillenkurzem Top  gut ausgesehen hatte, verpasste ich der Jacke in (3) auch eine weitere Hose. Das Ergebnis ist gefühlt eher Naaaajaaa.

fig3

Das nächste Oversized-Beispiel (13) ist mit Rock. Auch hier gibt’s zu der weiten Jacke einen schmalen Gegenpart. Die Jacke hatte Einsätze aus metallisch glänzendem Leder an den Ärmeln. Von der Länge her finde ich sie weniger vorteilhaft als die kurze weite Jacke, weil sie genau auf der breitesten Stelle meines Körpers endet. Im Verhältnis zum Rock aber stimmig.

fig13

Zur schmalen Hose hab ich dann noch mal einen „Teddy-Girl Look“(5)  ausprobiert. Schmale gerade Jeans, Fred Perry Polo und Blazermantel mit Smoking-Kragen in mittelgroßem Hahnentritt (so das Original). So maskuline Looks hab ich praktisch gar nicht in meiner Garderobe – aber dieser gefällt mir echt gut. Was auch der schmalen Silhouette geschuldet ist.

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fig6

Als Gegenprobe zum Blazermantel hab ich dann noch einen ziemlich wilden Mantel (6) nachgezeichnet: Extreme Manschetten und asymmetrischer, großer Kragen, dazu noch ein sehr unruhiges Muster. Am Körper ansonsten aber  schmal geschnitten. Die Manschetten sehen sehr unglücklich aus, finde ich. Vermutlich weil sie bei der Armhaltung der Figurine genau auf der Höhe der eh schon breitesten Stelle sind. Blazermantel gewinnt hier ganz klar.

Kleider hat ich natürlich auch „anprobiert“. (7) ist ein weißes Flatterding mit einem latzähnlichen Spitzeneinsatz und sehr hoch angesetzter Taille.

fig7

 

fig8

Zu dem Top in (8) gab’s einen sehr weiten Midi-Rock. Zusammen sah das gruselig an mir aus. Was aber auch daran liegen kann, dass ich weite Röcke nicht halbwegs vernünftig zeichnen kann. Ich hab den Rock also gegen einen schmalen ausgetauscht. Den rautenförmigen Einsatz des Tops finde ich spannend. Die beiden „Beinchen“ hätte ich auch weglassen können.

fig9

(9) ist ein fliederfarbenes Flatterding ohne irgendwelche Abnäher in der Front. Bateau-Ausschnitt gefällt mir an mir immer. Aber ohne jegliche Taillierung würde so was an mir Mumu-mäßig aussehen. Der komische Saum erinnert mich an mir zu sehr an Schürze. Das Modell trägt dazu dicke Kniestrümpfe in gleicher Farbe mit etwas Glitzer und College Pumps mit dickem Plateau. Klein-Mädchen Look kann ich, glaub ich, abhaken.

fig10

(10) ist Dolce & Gabbana. Rote Rosen auf schwarzem Grund. Ganz schlichte A-Linie mit exaltierten Kräuseln an der Schulter. Kommt bei eh sehr geraden Schultern überhaupt nicht gut, non?

fig11

(11) ist zusammengefrankenpatterned. Bis zur Linie unter der Brust ist es einem Hosenanzug entnommen. Untendrunter dann im wesentlichen die Silhouette des Abiballkleids, das ich letztes Jahr genäht hab. Kelchkragen mag ich sehr an mir. Fältchen an den Schultern auch und „Taille“ an meiner schmalsten Stelle ist auch nicht verkehrt.

fig12

(12) Schließlich ist mein Favorit bei den Kleidern. Wieder Dolce & Gabbana im Original. Üppige Blumenstickerei jeweils seitlich am Rock und entlang des Ausschnitts. Bateau- UND V-Ausschnitt in einem? Hell yeah!

Ich finde diese Silhouetten-Spielereien an der Figurine sehr aufschlußreich. Diese Session hat zum einen neue Motivation und Aktivität hinsichtlich des Hosen-Themas gebracht. Außerdem werde ich mich vorsichtig dem Thema over-sized nähern. Manteltechnisch hab ich seit letzten Frühjahr einen Trench in Planung, aber ich werde wohl noch mal nach Blazermantelschnitten auf die Suche gehen.

Welche der Silhouetten findet Ihr gut und warum?