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Herzlich willkommen zum ersten NIX FÜR LEMMINGE Termin in 2016. Ich freu mich auf ein inspiriertes und lehrreiches Jahr mit Euch. Und bin sehr gespannt, für welches Thema Ihr Euch entschieden habt.

Für alle, die ab heute erst mitlesen / mitmachen, noch mal ganz kurz die Grundlagen:

Bei NIX FÜR LEMMINGE geht es darum, eigene Kleidungsideen unabhängig von Mode- und Schnitthypes umzusetzen. Das heißt es gibt einen Design-Teil, einen Schnittentwicklungsteil und einen Nähteil. Im Designteil sollt Ihr ausgehend von dem gewählten Thema Eure Ideen und Inspirationen zu sehr konkreten Kleidervorstellungen entwickeln. Um diese nähen zu können, müßt Ihr Euch damit befassen, wie aus den Vorstellungen des Entwurfs ein Kleidungsstück werden kann. Wie Ihr da vorgeht, ist Eurer Wahl überlassen. Ihr könnt ausgehend von Eurem Grundschnitt arbeiten – bzw. endlich mal einen aufstellen. Ihr könnt von Eurem Stock an angepassten Schnitten ausgehen (wobei ich das für den problematischten Weg halte, denn in jedem Schnitt steckt ja eine Gestaltungsidee und Ihr wollt ja Eure eigene umsetzen). Oder Ihr könnt an Eurer Schneiderpuppe drapieren (was voraussetzt, dass die Puppe in allen wesentlichen Maßen und Proportionen euch entspricht). Anschließend muss dann noch genäht werden.

Ziel ist es, bis Ende November eine Kollektion von mindestens 5 Kleidungsstücken zu schaffen, die zusammenpassen. Zusammen eine Geschichte, ein Thema, eine Atmosphäre erzählen. Die entstandenen Kleidungsstücke dürfen zwar außergewöhnlich sein, sollten aber zum Großteil in Eurem Alltag tragbar sein. UND: es sollen nur sehr sparsam Materialien zugekauft werden. Arbeitet erstmal aus Eurem Fundus an Stoffen heraus.

Gut. Damit wären die Rahmenbedingungen noch mal geklärt.

Heute geht es darum, die eigene Themenwahl vorzustellen und zu beschreiben, warum Ihr Euch genau für dieses Thema entschieden habt. Was reizt Euch daran? Wie wollt Ihr das angehen?

Zur Auswahl standen folgende Themen:

Märchen

Traditionelle Kleidung

Men’s Wear.

Ich habe mich für Traditionelle Kleidung / Tracht entschieden wobei Men’s Wear in der Form klassischer Arbeitskleidung miteinfließen wird. Das klingt sehr viel nüchterne als es ist.

Darf ich Euch mitnehmen zu einem kleinen Waldspaziergang?

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Ein feuchter Wintertag. Das Regenwasser läuft in Rinnsalen mir entgegen den Berg runter. Gedeckte Farben und glitzernde Wasserperlen. Hier und da kleine Farbtupfer von Beeren und unverwüstlich immergrünsamtigem Moos. Im weiten Bogen führt unser glitschiger Weg aus dem Tal auf die Ebene. Im weiten Rund der Nadelbäume die Stümpfe frisch gefällter Bäume wie ausgestellt. Meine uralt Winter-Kunststoff-Jacke hält dicht. Meine High-tech-Boots auch. Trotzdem muss ich Wolle denken. Und festen Manchester-Cord. Und wirklichen Jeans-Stoff.

Vor meinem inneren Augen formiert sich ein erstes Outfit: eine herbe Zimmermannshose, dazu eine weiße Bluse aus feinem Batist mit weiten Ärmeln. Darüber eine Weste mit moosigsamtigem Schalkragen und Perlentautropfen. Eine hüftlange Wolljacke drüber. Dunkel, streng. Mit Bändern asymmetrisch geschlossen. Unterschiedlichste Texturen, die wegen der reduzierten Farbe so gut hervortreten. Rauhes. Glattes. Festes. Zartes. Strenges. Verspieltes.

Ich frage mich, wer diese Gestalt in Zimmermannshosen ist. Statt dessen kommen imer neue Kleiderideen. Eine wärmende Weste. Über allen anderen Lagen zu tragen. Außen große florale stickereien, innen Pelz. Ein bodenlanger, schwingender schwarzer Wollrock. Dazu ein reich mit Stickereien geschmücktes Mieder. Und wieder die weiße Bluse. Oder ist sie diesmal rot?

Die Kleidungsstücke zeichnet eine Mischung aus der Nüchternheit zünftiger Arbeitskleidung und unerwartet üppigen, aber kleinformatigen Verzierungen aus. Das Mieder, der lange Rock, die „Fellweste“,die Wolltuchjacke. Das hat alles Trachten-Anklang in vor meinem inneren Auge. Aber aus ganz unterschiedlichen Regionen. So wie sich auch in meiner Biographie mittlerweile die Bundesländer und Regionen aneinander reihen. Und es einige Orte gibt, die sich heimisch anfühlen. Warum mich da auf eine Herkunftslandschaft beschränken?

Was reizt mich am Thema TRACHT überhaupt? Vielleicht die Zeichenhaftigkeit? In jedem fall das Handwerk. Beim süddeutschen Dirndl in jedem Fall die „unverschämte“ Weiblichkeit. Und genauso reizt mich das Strenge, Zugedeckte vieler norddeutscher Trachten. Die Art, wie sich gerade traditionelle weibliche Kleidung mancher Orts Raum greift. Man denke nur an Schaumburger Flügelhauben.

Das Strenge UND das Zarte, Verspielte. Das Nüchterne UND das Opulente. Das Leise UND das Drama.

Weil es aber keine Show-Kleidung für sehr besondere Anlässe werden soll, fließt als Korrektiv klassische Arbeitskleidung ein und immer die Rückfrage: Ist das noch praktisch? Werde ich das auch mehrmals die Woche tragen? Ist der Stoff haltbar genug?

Und weil Worte nicht wirklich gut wieder geben, was gefühlt schon ganz klar ist, hier ein paar Bilder.

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Und nun zu Euch. Für welches Thema habt Ihr euch entscheiden? Warum? Habt Ihr schon die ersten Ideen zur Umsetzung? Oooooaaaaahhh, ich bin so gespannt! Das link-up-Tool ist bis zum 11.02. geöffnet. Wer sich’s also noch überlegt hat: Steigt rein!