Bei der Recherche zum Style Bootcamp (mehr dazu demnächst) bin ich einmal zu oft auf den Begriff Basics gestoßen. Ich fragte mich zum wiederholten Male, warum mich dieser Begriff eigentlich immer ärgert, wenn ich ihn irgendwo im Bezug auf Kleidung lese.

Basics. Davon soll frau einige haben. Das würde das stilvolle Bekleiden einfacher machen. Bevorzugt werden dann die weiße Bluse und das weiße T-Shirt als unentbehrlich vorgeschlagen. Wahlweise soll eine die Basics möglichst günstig kaufen und regelmäßig erneuern oder die bestmögliche Qualität kaufen, die sie sich leisten kann. Und auch die regelmäßig erneuern.

Keine Ahnung, wer mit solchen Basics was anfangen kann. Ich jedenfalls nicht. Der resident engineer trägt die weißen Shirts als Unterhemden und das einzige rein weiße Hemd zu Beerdigungen. Der kann also auch nicht gemeint sein.

Basics: das sollen Kleidungsstücke sein, die uns grundsätzlich bekleiden. Die dabei kombinationsfreudig sind, weil sie sich selbst zurückhalten. Die aber trotzdem von casual bis förmlich verschiedene Stillagen beherrschen. Also quasi wesenlose Wesen. Und die sollen einer dann helfen, den EIGENEN Stil auszudrücken?

Finde nur ich das Konzept irgendwie nicht überzeugend?

Aber mal langsam: Natürlich gibt es  Notwendigkeiten: Unterwäsche. Strümpfe. Hosen, Röcke, Kleider. Oberteile. Jacke. Also je nach Jahreszeit alles, was eine braucht, um sich angezogen / geschützt zu fühlen.

Das ist dann aber so basic, das es nichtssagend ist. Klar brauch ich Anziehsachen, um angezogen zu sein. Ich kann zwar auch das Saunahandtuch um mich wickeln, aber das ist als Tageskleidung selbst im home-office eher unpraktisch. (Obwohl das gebundene Tuch in anderen Kulturen und Klimazonen durchaus als essentielles Kleidungsstück gilt.)

Ersetzen wir Basics doch mal durch workhorses. Arbeitspferde sind diejenigen Kleidungsstücke, die am meisten Anteil an unseren Kleidungsroutinen haben. Sie verrichten den Großteil der Bekleidungsarbeit an uns. Wir tragen sie viel, wir waschen sie oft, wir strapazieren sie. Dafür machen sie uns das Anziehen leichter.

Anders als Basics sind diese Arbeitstiere aber gar nicht immer zurückhaltend. Sie können flashy sein, wie die heißgeliebten high-tops mit Leuchtdioden, die der Sohn täglich trägt. Sie können quietschgrün, fliederfarbend oder stahlblau sein. Sie können aus feinen Stoffen sein, wie die chinesischen Seidenhemden meiner früheren Mitbewohnerin.

Workhorses sind nicht basic, aber  im täglichen Einsatz. Und damit übernehmen sie grundlegende Aufgaben.

Darin unterscheiden sie sich von den Fummeln.

Das klingt abschätziger, als es gemeint ist. Ich nähe und trage sehr gerne Fummel – also Anlasskleidung, die nur wenig Tragezeit bekommt und eher unnützlich ist. Außer halt für den jeweiligen Anlass. Da hat sie schmückenden Charakter und das soll sie auch. Aber: die Anlässe, bei denen wir uns soooo schmücken, sind eher rar gesäht. Zumindest in meinem Leben. (EIN Cocktailkleid reicht da eigentlich völlig.)

Fummel sind also das ganze Gegenteil von grundlegenden Kleidungsstücken.

Trotzdem brauchen wir auch im Alltag manchmal Kleidungsstücke, die uns  hervorheben, etwas an uns besonders betonen. Die uns zusätzliches Selbstbewusstsein geben, wenn wir’s dringend brauchen. Ich nenne diese Teile Statement Pieces und finde die Abgrenzung zu den Workhorses fließend.

Wer tagtäglich in der Top-Kanzlei vestimentär ihre Territorialansprüche mitdurchsetzen muss, wird Teile als Arbeitstiere erachten, die für andere eher in die Statement Pieces Kategorie fallen. Auch soll es Berufe geben, in denen das Cocktailkleid mit in die Berufsbekleidung gehört.

Statement Pieces sind verschärfte workhorses. Oder entschärfte Fummel.

Zurück zu den workhorses und der in Stilratgebern oft beantworteten Frage, welche eine denn nun so braucht.

Guess what? Woher, bitte, soll das ein anderer Mensch wissen? Klar gibt es restriktive Berufszweige, für die man einigermaßen verlässlich vorhersagen kann, was eine für die Arbeitsstunden braucht. Aber selbst da gibt es vermutlich Spielräume.

Es bleibt uns letztlich nichts anderes, als genau auf das zu gucken, was uns gefällt, worin wir uns wohlfühlen und im jeweiligen Umfeld akzeptabel ist.

In meinem Fall sind es schwarze und dunkelblaue  Pullover, bevorzugt mit V-Ausschnitt. Die besitze ich in unterschiedlichen Längen und Materialstärken, so dass sie zu unterschiedlichen Hosen, Röcken und Temperaturen passen. Sie sind ein no-brainer in Kombination zu meinen farbigen Röcken und bieten mit den eher dunklen Hosen genug neutrale Zone für wilde Tücher oder Drüberzieher.

Nicht die Basics machen also den eigenen Stil, sondern der eigene Stil (plus / minus der Umgebungsanforderungen) bestimmt, welche Kleidungsstücke grundlegende Funktionen haben. Basics sind letztlich, was wir draus machen.