BerufskleidungHerzlich Willkommen zum Finale des Working Girl Sew-Alongs!

Ich bin sehr gespannt, was alle Teilnehmerinnen heute präsentieren. Zu verfolgen, wie sich bei den Teilnehmerinnen Ideen konkretisierten und Outfit nach Outfit entsteht, macht mich in jedem Sew-Along ganz glücklich. So auch diesmal: Näh-Aufgaben wurden gestellt und in der jeweils ganz individuellen Kleidungssprache gelöst. Hinreißend. Dickes Danke Schön an alle, die mitgedacht und -genäht haben.

Mir hat das Nachdenken darüber, was ich zum Arbeiten anziehen will und wie ich, wenn ich denn „öffentlich“ arbeite, wahrgenommen werden will, große Freude gemacht. Was nicht heißt, dass ich nicht auf einige Probleme im Laufe des Sew-Alongs gestoßen wäre.

Im home-office neige ich seit Wochen dazu, die ewig gleichen 5 Teile morgens schnell über zu werfen. So lange es warm und bequem ist, denke ich nicht groß über meine Kleidung nach. Was irgendwie absurd ist, wenn ich dann während der Arbeit beständig über Kleidung nachdenke. Meist erwischt mich erst am Samstag der Wunsch, mich „zurecht zu machen“ – was in meinem Fall heißt: evtl. mal Lippenstift und Wimperntusche aufzulegen und was anzuziehen, wozu ich mich in eine Strumpfhose stecken muss.

Auch das ist verwunderlich (also für mich): Eigentlich mag ich farbige und gemusterte Strumpfhosen sehr. An mir. Gerade nervt mich aber selbst bei der bevorzugten Marke und Qualität das Tragegefühl. Darum ende ich so gut wie jeden Tag in einer meiner drei Hosen. Dumm nur, dass ich jetzt im Sew-Along gemäß Plan zwei Röcke genäht habe. Sehr schöne Röcke. Mit denen ich sehr zufrieden bin. Aber die mich natürlich zur Strumpfhose zwingen im Moment.

Mit anderen Worten: ich bin in die Falle getappt, meiner Wunschvorstellung von mir zu folgen beim Nähen für den Sew-Along und nicht auf meine Realität zu hören. Die Röcke werden zwar ganz gewiss nicht im Schrank versauern, aber ich werde sie auch nicht jeden Tag tragen.

Fazit bei den Unterteilen also: Ich komm nicht drumrum mich mit dem Thema Hosen nähen auseinander zu setzen. Wenn ich keine neuen kaufen will.

Ich hatte  zwei Outfits geplant: einmal fürs Büro zuhause und eins für repräsentative Zwecke.

Das für die repräsentativen Zwecke ist nun noch nicht ganz fertig. Doch es fehlt nicht mehr viel: Ich muss die Wendeöffnung beim Blazer schließen, Knopflöcher nähen und die Futterärmel säumen. Das hätte ich beinahe noch termingerecht geschafft. Aber: eine andere hier ansässige Person hatte seit Freitag nur noch 1 einzige Hose ohne groß klaffende Knielöcher. Da war dringend NfA angesagt.

Klar ist aber auch: so ein Sew-Along-Finale verpasst man nicht in den letzten 48 Stunden, sondern auf der Strecke davor. Und da haben mich bekannte Hindernisse straucheln lassen. Schwierigkeiten führen immer noch zu tagelanger Näh-Lähmung oder zum entschlossenen Ausweichen auf ein viel „würdigeres“ Projekt. Angstgegener werden bis zur letztmöglichen Minute ignoriert. Und irgendwann im Laufe dieses Sew-Alongs hab ich jede Entscheidung angefangen zu hinterfragen. Was natürlich für so was wie flow und entschlossenes Tun die Pest ist.

Ich hatte frisch aufgenäht und mit dem geplanten Cardigan fürs home-office begonnen. Burda-Schnitt und mein Stoff lieben sich aber kein bißchen und so lag das Ding nach schnellem Start auch schnell in der Ecke. Zur Ablenkung verarbeitet ich erstmal meine aus Paris mitgebrachte Spitze und den verplanten Verlours zu einem Rock. Der ist nun für das repräsentative Outfit die etwas weniger dramatische Option. Und gefällt mir sehr gut. Hier hab ich ihn ja schon gezeigt.

wgsa_finale_spitzenrockundbluse

Dann habe ich mich verkünstelt an meinem Blazerschnitt, den ich ja unbedingt selbst machen wollte. Während des Drapierens kam es aber zu einem nicht unerheblichen Disconect zwischen dem Plan – einen eher maskulin-klassischen Jackett – und dem, was sich an der Puppe ergab: ein verspieltes Etwas mit einem frackartig nach hinten länger werdenden Schößchen. Eher edwardianisch als Savile Row. Das wird vermutlich noch ein sehr schönes Stück, aber es war nicht das, was ich für diesen Sew-Along wollte. Ich wälzte also noch mal Schnittmuster, legte mir Claire Sheffers Blazer-Schnitt raus und schnitt erstmal die Herzköniginnen-Jacke für den Winterjacken-Sew-Along zu. (You’re beginning to see a pattern here, are you?)

Dann war es auch schon Zeit für die anNÄHerung in Würzburg vorzubereiten. Ich nahm einen schönen und auch sehr stretchigen roten Velveteen mit für einen kurzen A-Linie Rock (home-office) und einen passenden Seidenstoff für eine Bluse (Vogue 1387). Der Rock ließ sich gut nähen und trägt sich angenehm, weitet sich aber bisher bei jedem Tragen ein bißchen mehr. Da muß wohl doch noch ein Rippsband rein. Die Bluse ist angefangen und liegt jetzt, weil die vordere Passe nicht so aussieht, wie sie aussehen müsste und ich keinerlei Ahnung habe, wie das zustande kam. Außerdem habe ich überhaupt keine Lust, an diesem sich selbstauflösenden Stöffchen rumzutrennen.

wgsa_finale_samtrock

Auf dem Tauschtisch der anNÄHerung fand ich dann aber meinen Blazerschnitt. Nicht mehr ganz neu, vor ein paar Jahren viel genäht: Vogue 8701. Vom roten Velveteen war noch was übrig, aber ich wollte den nicht anschneiden ohne Probeteil. Allerdings war’s mir anderthalb Wochen vor dem Finale auch schon zu spät für ein klassisches Probeteil. Also entschied ich mich, den eh acuh vorgesehenen blau-braunen Stoffrest von Arts in Fabrics zu riskieren, um ggf. ein tragbares Probeteil zu produzieren oder eben ein 9 Euro teures TfT.

wgsa_finale_Blazergesamt

Der Schnitt erwies sich als Glücksgriff. Nach dem Erfahrungen mit dem Galaxy-Dress hab ich von den Schultern bis kurz vorm Brustpunkt Größe 14 zugeschnitten und ab da eine 20. Trotz der vielen Teile ließ sich der Schnitt super gut nähen und die Nähanleitung hat mich nicht ein einziges Mal verwirrt. Smooth sailing. Zum Glück. Denn der Stoff an sich ist nicht ohne und viel Trennen hätte bestimmt zum TfT geführt.

So ganz reichte er auch nicht. Glücklicherweise hatte ich den Stoff aber in einer anderen Farbstellung noch mal gekauft und dessen linke Seite ist genau gleich mit der des blauen Stoffs, so dass ich einfach Design betreiben konnte. Zwei Craftsy Kurse zum Thema Tailoring halfen beim entschlossenen Bebügeln mit Einlage.

wgsa_finale_braunerunterkragen

wgsa_finale_blazerfutter

Die erste Anprobe ergab nur leichte Änderungsnotwendigkeiten und die Erkenntnis, dass der Schnitt genau die richtige Mischung aus „geschäftsfähig“ und „Drama“ war. Genau die Mischung, die ich beim Drapieren nicht im ersten Anlauf hinbekommen hatte, wohl auch, weil sie mir noch nicht ganz klar war. Ich wäre da beim Drapieren sicher  hingekommen, vielleicht in einer anderen Form, wenn ich mir die notwendig Zeit gegönnt hätte, den ersten Versuch komplett zur Seite gelegt und losgelassen hätte. Ging irgendwie nicht.

wgsa_blazer_seitenansicht

Da ich nun weiß, wie gut er zu nähen ist und wie gut er paßt, stünde nichts im Wege, ihn noch mal in rotem „Samt“ zu nähen  … nur hinterfrage ich da schon wieder die Nützlichkeit. Brauche ich diesen an sich schon auffälligen Schnitt wirklich noch mal in Hingucker-Rot?

So habe ich also am Ende dieses Sew-Alongs zwei fertige, ein fast fertiges und ein angekautes Kleidungsstück hier liegen. Plus vier weitere, die sich als „noch nötige“ Kombinationspartner auf meine to-sew-Liste gequengelt haben.

Die größte Lücke schließt der Blazer und sinnigerweise hätte ich auch mit dem anfangen sollen. Aber hinterher weiß eine halt immer mehr …

Wie sieht es jetzt bei Euch aus? Habt Ihr alles fertig, was auf dem Plan stand? Habt Ihr die Pläne zehnmal geändert? Habt Ihr Teilerfolge zu vermelden? Zeigt her Eure Kleider und fühlt Euch in jedem Fall ordentlich geschulterklopft!