style-Pate: Jack Sparrow

Ich gebe zu, auch ich habe im letzten Jahr in das eine oder andere blog reingelesen auf der Suche nach meinem Signature Style. Ich habe mich bis zur Hälfte durch Colettes Wardrobe Architect gearbeitet. Ich habe sogar ein recht merkwürdig esoterisch angehauchtes Buch zum Thema persönlicher Stil aus der Bibliothek mitgenommen.

Warum?

Weil ich mir zwar gerne einen Kopf machen, wenn ich neue Kleidungsstücke herstelle, aber nicht, wenn ich mich morgens anziehe. Dann will ich eigentlich im Dunkeln in den Schrank greifen und trotzdem gut gekleidet durch den Tag gehen.

Ich habe meine Farben, auf die ich immer wieder zurückkomme. Ich habe Formen, von denen ich weiß, das sie gut aussehen. Ich habe aber im letzten Jahr auch Dinge für mich entdeckt, von denen ich nie erwartet hätte, daß sie an mir funktionieren: Skinny Jeans zum Beispiel. Überkniekurze Röcke. Die hätte ich nicht als Bestandteile meines Signature Styles vermutete, aber ich lebe seit September in Skinnies und Fellweste.

Mein zentrales Problem mit diesen ganzen durchchoreographierten Garderoben, mein zentrales Problem mit dem Inhalt meines eigenen Kleiderschrank ist, daß die mich unglaublich schnell langweilen.

Warum?

Ich bin gar nicht nur eine Persönlichkeit, die gekleidet werden will. Ich bin ziemlich viele. Es gibt Tage, da will ich no nonsense. Hose, Boots, Pulli, Tuch, fertig. Es gibt Tage, da brauche ich eigentlich einen Harvey Specter würdigen Dreiteiler. Es gibt Tage, da kann’s gar nicht genug glitzern. Und ganz selten hab ich auch mal einen pastelligen Tag. Und manchmal fühle ich mich, als sei ich einem Merchant-Ivory-Film entsprungen. Signature style? My ass.

Ich habe schon als kleines Kind unglaublich gerne Verkleiden gespielt. Weil Kleidung eine magische Wirkung haben kann: es braucht nur ein Teil, ein Accessoire, ein neues Paar Schuhe und wir fühlen uns verwandelt. Anders. Raus aus unserem alltäglichen Ich.

style_pate Hut und Mantel

Lange Vorrede. Was hat jetzt Jack Sparrow damit zu tun?

Ich glaube, daß unsere eigenen Kleiderschränke ganze Welten beherbergen. Nur sehen wir die nicht mehr. Die blaue Lieblingshose paßt bestens zu diesen drei Pullis und jenen Socken, damit man die geliebten Treter dazu anziehen kann. Kein großer Gehirnschmalz nötig. Alles komfortabel. Alles gut? Oder alles gähn? Wer wie ich nicht viel Zeit aufs Anziehen des Morgens vergeben will, die findet sich schnell am dritten Tag hintereinander in der selben Kombination. Das ist praktisch. Aber nicht aufregend.

Und um den Kick soll’s in Channel this … gehen.

An jeden ersten Montag eines Monats gibt es einen style-Paten als Vorbild. An jedem letzten Freitag im Monat treffen wir uns hier, um unsere Interpretationen des style-Patens zu präsentieren. Und weil wir ja nicht auf ne Kostümparty wollen, sondern ins Büro, in den Supermarkt, in die KiTa, zum Landrat ist wie immer die zentrale Anforderung, das Vorbild alltagskompatible zu adaptieren. So, daß frau schon ein leichtes Kribbeln im Bauch hat, wenn sie auf die Straße geht, aber niemand sie gleich mit „Moin, Captain“ anspricht.

Gecastet wird das Outfit aus dem eigenen Kleiderschrank. Paniknähen ist in jedem Fall zu vermeiden. Aber wer nun bei der Auseinandersetzung mit dem style-Paten feststellt, daß sie schon immer einen Obi, eine klassische Herrenweste, ein weißes Hemd oder oder oder hat haben wollen, der steht es natürlich frei, so ein Teil zu produzieren.

Ziel aber ist es, die Türen zum eigenen Kleiderschrank weit aufzumachen und die Möglichkeiten sehen, die sich da verstecken. Und zum Kleiderschrank zähle ich jetzt mal die Kommode mit den Accessoires und das Kästchen mit den Schminkutensilien dazu. Denn Stil ist das eine, aber styling macht die Sache ja erst spannend, weil mehrdeutig.

Denn wie der unsterbliche Captain schon sagte: „The problem is not the problem. The problem is your attitude about the problem.“

Also: Wer segelt mit mir bis zum Ende der Welt?