Moin. Ich enthalte mich fast jeder Bemerkung übers Wetter, außer der, daß mir beim Nachhausetragen des Osterstraußes beinahe die Hände erfroren wären. Trotzdem zwinge ich jetzt floristisch, kulinarisch und stofflich den Frühling herbei.

Und so gestärkt, geht es jetzt gleich ans Nähen. Meine Männer zotteln ab zum Geburtstagfeiern und ich genieße die Ruhe und nähe mir einen bunten Rock für Ostern.

Aussehen soll der dann hinterher ungefähr so:

Ja, keinem Geringeren als Oscar de la Renta eifere ich hier nach. 😉 Als Schnitt hab ich meinen Standard Bleistiftrock genommen, die vorderen Abnäher etwas zur Körpermitte hin versetzt, dann durch die Abnäher hindurch das Vorderteil in ein Mittelteil und zwei Seitenteile geteilt. Eine der Seitennähte wird geschlossen, in die andere kommt der Schlitz.

So ist der Plan. Zugeschnitten hab ich schon. Markieren war ein Alptraum auf dem Stoff, also hab ich tatsächlich Nadel und Faden genommen. Jetzt stecke ich mal Probe unnd dann paßt das Stückchen hoffentlich gleich ganz ordentlich.

Um den Stoff bin ich letztes Jahr schon drum rumgeschlichen, aber 40 Tacken fürn Meter fand ich dann trotz Seide und Glitter zu teuer. Nun hab ich ein rocktaugliches Restestückchen ergattert. Gar nicht gut, wenn das Büro in der Nähe des Lieblingsstoffladens liegt, non?

So. Ich an die Nadeln, Ihr wie immer im Kommentar. Nachher erzähl ich auch noch was über die wilde Aktion, die 81 Grad Nord und ich gestern per Twitter ausbaldovert haben.

Erste Anprobe: Soweit okay, kann aber doch etwas enger sitzen. Bin mir unsischre, wo genau ich den Schltz beginnen lassen will. Meine Oberschenkel sind offensichtlich deutlich kürzer als die des Modells. Oder ich trau mich einfach nicht, den Schlitz so hoch anzusetzen. Was Blödsinn ist, denn darin liegt ja genau der Pfiff.

So: spätestens jetzt wird es mal Zeit, über die Verarbeitung nach zu denken. Ich nähe ja mal wieder ohne Anleitung. Wer braucht das bei Röcken schon (hust,hust.)?

Ich gehe davon aus, daß der Rock am Schlitz beim Gehen (im Wind) auffielen wird, außer ich pack Chanelmäßig Gardinenblei rein. Futter ist shocking pink, darf gesehen werden, aber dann muß es natürlich auch gut aussehen, da wo Futter und Oberstoff zusammen kommen.

Ich würde ja gerne Linda Maynards Lining/Binding Technik ausprobieren, aber ‚fairly straight seams with minimal curves‘? Hm. Erstmal nen Tee trinken, denke ich.

Tee getrunken, Futter rausgesucht und gebügelt. Vermutlich hab ich gar nicht genug Futter, um jedes der fünf Rockteile so zu verarbeiten, wie ich das vorhatte. Also doch ganz konventionell?

Und da habe ich schon wieder einen Stillstand erreicht. Duh! Vielleicht sollte ich doch so was durchdenken, ehe ich anfange?

Na, anyway. Dann kann ich auch mal kurz die Katze aus dem Sack lassen:

Ich fahre im Mai in die Normandie. Ja, was soll ich sagen? Es kann da auch noch fies kalt und regnerisch sein. Warum ich da hin fahre? 50 Jahre Elyssée-Vertrag, natürlich. In anderen Worten: Gemeindepartnerschaft. Und wie in jedem zweiten Jahr denke ich: verdammt, diesmal brauchst Du aber was echt Schönes zum Anziehen. Nicht, daß das irgendein extrem hochgedresstes Ereignis wäre, aber schließlich ist es Frankreich und die Französin an sich sieht irgendwie selbst im Morgenrock schick aus. Ich dagegen hab dann immer das Gefühl, aus der defense gar nicht mehr rauszukommen.

Enter: Die rettende Idee. Was rettet einem den ersten Eindruck am ehesten? Genau: Eine tolle Jacke und / oder ein toller Mantel. Und Mantel, ja, da war was. Ich hatte eh vor, einen Trenchcoat zu nähen. Wie’s der Teufel so will, stolpere ich dann gestern über das neue Schnittmuster von sewaholic: ein Trench. Und was fürn Süßer.

Und also ließ ich mich auf Twitter zu dem Angebot hinreißen, ne Sammelbestellung zu machen, falls noch wer einen wollte.

Dann gerieten die Dinge außer Kontrolle, und das Himmelfahrtskommando war geboren.

Ziel der Mission: Bis zum 08.05., also dem Mittwoch vor Himmelfahrt, den Mantel, Blazer, Hosenanzug, das Kostüm, Kleid oder sonstiges fertig nähen, was man unbedingt für den Sommer haben will, was aber EIGENTLICH nicht zu schaffen ist. Aber in Arromanches einen schwimmenden Hafen zu bauen, war schließlich auch unmöglich.

Steffi von 81 Grad Nord wäre zu allen Schandtaten bereit. Wer außer uns noch soziale Kontrolle und den imminenten Druck einer deadline braucht, um in die Pötte zu kommen mit den Sommertraumklamotten, darf sich sehr, sehr gerne anschließen.

Das weitere Organisatorische in den nächsten Tagen.

Zurück zum Rock: Die blösen Glitzerstreifen wollen nicht aufeinander treffen. Böse Dinger!

Und dann: Wie versäubert man Bouclé? Das Zeugs franst ja wie Hulle!

Gelernt: Bouclé ab demnächst immer mit Schrägband versäubern!

 

Soderle: für heute mach ich Schluß. Meine Spielerei mit dem Schnittmuster hat funktioniert. Yeah. Jedenfalls Paßformtechnisch. WIe sich der Schlitz dann beim Tragen verhält, bleibt zu sehen.

Gerade beim Versäubern, was ja doch ziemlich stupide ist, hatte ich noch mal alle Zeit der Welt, die unterschiedlichen Farben und Farbkombinationen in diesem Stoff zu betrachten. Schlicht: Wunderbar. Kühles, helles Türkis und sonniges Gelb? Sieht toll aus. Weinrot und orange? Auch klasse.  Schönes Stöffchen also, aber defintiv anspruchsvoll zu verarbeiten udn nu muß ich erstmal Eßzimmer und Bad saugen, weil überall Fäden leigen.

Soweit von hier. Over and out.