Mama macht Sachen

How-to: Faltenrock

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Das Reststückchen schwarzen Wollstoffs hatte es mir angetan. Drei Nähkursdonnerstagabende bin ich drumrum geschlichen, hatte den Bügel in der Hand und hab ihn immer wieder hingehängt. Wunderbare Stoffqualität, gar keine Frage und mit 8 Euro für 75 cm eigentlich nichts zum Langenachdenken. Aber was damit anfangen?

Brauchte ich wirklich noch einen Rock? Klar, da war dieser eine Rock aus einer der Herbst-Burdas, in rotem Wollstoff und mit Quetschfalten. Aber den wollte ich auch in rot und nach nochmaligem Konsultieren der Materialliste war auch klar, das der schwarze Rest nicht reichen würde.

Dann stieß ich beim Stöbern auf Gerties blog auf ihre Anleitung für den Dirndl-Rock. Easy, dachte ich mir. Und blätterte noch mal durch die Seiten, die ich mir neulich aus einem Nähbuch in der Bibliothek kopiert hatte. Easy, sagte auch das Kapitel über Faltenröcke. Könne man ganz einfach selbst machen. Ohne Schnitt. Okay, dachte ich. Nehm ich den schwarzen Stoff eben mit und wenn’s nix wird, hab ich 8 € in den Sand gesetzt.

Das war am 8.12. Da hatte ich noch diverse Weihnachtsgeschenke nicht mal in Angriff genommen. Am 22.12. sah die Lage ein Bißchen anders aus – ein kleines Bißchen : alles, was am 24. unterm Baum liegen sollte (exklusive des Jacketts für meinen Mann, das hatten wir vorher geklärt), war fertig. Die zwei Teile, die am 29. erst ausgeliefert werden sollten, waren a) so weit fertig, daß ich die Nähmaschine nicht mit zur Ma nehmen mußte und b) noch überhaupt nicht angefangen. Und bei Catherine lief dieser fiese Weihnachtskleid-sewalong und ich Armes hatte nichts für Weihnachten zum Anziehen.

Also kam der schwarze Stoff auf den Tisch. Wegen momentanem Muffensausen hab ich erst noch die Schnitteile des schnellen Wickelrocks rausgeholt, den ich mir kurz vorm Sommerurlaub genäht hatte. Aber da reichten meine 75 mal 140 cm auch nicht für. Dann eben doch einen selbstgemachten Faltenrock, dachte ich mir.

140 cm durch 2 minus noch ein paar cm für Nahtzugabe läßt bei meinem Taillenumfang nicht gerade viel Raum für Falten. Drei auf jeder Seite sind es letztlich geworden. Also 12 insgesamt in unterschiedlichen Tiefen.

Was hab ich gemacht?

Meine Stoffbahn in zwei Teile geteilt. An den Rändern je 3 cm Nahtzugabe angezeichnet, die Differenz zwischen verbleibender Stoffbreite einer Teils  und der Hälfte meiner Taillenweite errechnet, die Mitte mit ner Stecknadel markiert (was ich definitiv nicht empfehle; hier wär’s angebracht gewesen, die vordere und hintere Mitte mit ein paar Stichen zu markieren) und fröhlich drauf los gesteckt, immer schön symmetrisch.

Dann bin ich mit dem Vorderteil vor dem Spiegel gewatschelt, hab’s angehalten – und neu gesteckt. Bei ziemlich viel Bauch empfehle ich die Falte seitlich zu plazieren.

Einen Entscheidungstee gebraucht, ob ich die richtige oder die falsche Seite schöner finde (die fallen bei diesem Stoff beide schön aus und mit den Falten war ich mir erstmal nicht sicher). Dann das zweite Stück Stoff genauso gesteckt, die Falten einmal geheftet, Vorder- und Rückteil an den Seiten zusammengesteckt, Rock noch mal anprobiert.

Gegrübelt, wie ich die Verschlußsache ohne Reißverschluß lösen kann. Derweil auf der rechten Rockseite schon mal eine Nahttasche eingenäht. Hatte ich schon gesagt, daß ich Nahttaschen liebe? Dann einschieden, die Verschlußsache mit einem Hosenhaken auf der linken Seite zu lösen. Linke Seitennaht auch geschlossen, wobei ich die oberen ca. 12 cm mit einem großen Stich genäht hab und danach noch mal verriegelt hab. Und diese 12 cm hab ich dann wieder aufgetrennt. Gleiches Procedere wie beim Reißverschluß also erstmal. Dann hab ich den Rock noch mal anprobiert und fand, daß er mit unten viel zu viel Weite hatte, die ziemlich blöde abstand. Was vermutlich am Stoff und an der Plazierung der Falten lag und somit abhängig von Stoffwahl und Fältelung ist, u.Umständen gar nicht nötig wird. Ich hab ab Hüfte bis Saum beide Seitennähte noch mal ein ordentliches Stück versetzt und den Rock so enger gemacht.

Die Nahtzugaben habe ich dann nicht auseinander, sondern beide unters Vorderteil gebügelt. Die linke Nahtzugabe des Vorderteils hab ich auf der Rückseite mit Vlieseline verstärkt. An die hintere, linke Nahtzugabe habe ich auf den oberen 12 cm ein ebenso breites Stück Stoff (ebenfalls mit Vlieseline verstärkt) genäht. Rechts auf rechts und dann nach hinten umgebügelt und noch mal abgesteppt.

Den Bund des Rocks hab ich mit Ripsband eingefaßt. Und zwar mit zwei Lagen Ripsband, weil mir das schwarze, das ich noch hatte, recht lapperig vorkam. Also hab ich noch ein lilafarbenes unterlegt, das aber nur auf der Innenseite vorlugt. Zuerst Band eins auf der Innenseite so festgesteckt, das etwa die Hälfte über die Stoffkante des Rockstoffes übersteht. Das genäht. Das schwarze Rippsband genauso gesteckt und genäht. Dann beide Bänder auf die rechte Seite herübergeklappt. Gebügelt, gesteckt und auch genäht, wobei ich an den Seiten das Band nach innen eingeschlagen habe, so daß es einen nicht ausfransenden Abschluß ergab.

Die Nahtzugabe des vorderen Rockteils ist unter dieses eingeschlagen und mit ihm zusammen im Band eingefaßt. Da sitzt dann der Haken. Hinter die Nahtzugabe der hinteren Rockbahn hab ich das Stück Verstärkungsstoff eingeschlagen und das dann auch so im Ripsband eingefaßt. Darauf sitzt die Öse. (Ist das beim Hosenhaken auch eine Öse?)

Und zu guter Letzt hab ich die untere Stoffkante, die erstaunlich gerade  war, mit pinkem Satinschrägband eingefaßt, wobei ich genauso vorgegangen bin wie beim Ripsband. Und fertig war mein Weihnachtsrock.

Nun hätte ich aber gerne noch eine pinke Bluse dazu. Ah, und ihr müßtet den schwarzen Wollstoff anfassen können. Schwelg.

Alles in allem hab ich am 22. und 23. vielleicht jeweils drei Stunden dran gesessen. Mehr Zeit war nicht. Hat aber gereicht. Und nu, da ich weiß wie, wird’s beim nächsten Rock garantiert schneller gehen. Wobei – zum Drapieren der Falten wär ne Puppe schon ganz nett. Nich?

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