Hallo und herzlich willkommen in diesem sonnigen ersten Mai. Wie es sich für einen echten Tag der Arbeit gehört, werde ich mich fleißig an die Madchine setzen und dem Ethos der Handarbeit frönen.
Und da ich gestern Abend ein Fußballspiel hören, nicht aber sehen konnte, dachte cih, ich laß Euch heute mal wieder mitlesen, während ich nähe.
Es ist jetzt viertel nach zehn. Das Frühstück ist abgeräumt, die Mschine steht und vier erste Nähte zwecks Einkräuselung sind schon gezogen. Das Kind spielt im Wohnzimmer, der Mann duscht und beide verschwinden gleich aufs Wasser. Was schön ist und auch nicht so schön. Denn bei diesem Wetterchen da draußen würde ich schon ganz gerne mitpaddeln. Wofür mein Arm sich sicher bedanken würde.
Einkräuseln? Wer Pavot genäht hat, kratzt sich jetzt vielleicht am Kopf. Ist sie schon bei den Ärmeln? Nein, bin ich nicht. Ich habe nur, trotz genauestem Ausmessen, genau wie beim Probeteil zwei unterschiedlich breite Rückenteile am Ober- und Unterteil. Und ich hab keine Lust, da noch mal zu trennen. Also kräusele ich jetzt den ‘Rock’ ganz leicht ein, um die eineinhalb Zentimeter Unterschied unter zu bringen und die Seitennähte trotzdem aufeinander treffen zu lassen.
So, ich geh jetzt an die Arbeit und Ihr dürft wie immer in den Kommentaren mitreden. Wie beim Mobilatfantalk, sozusagen.
11.30 Uhr: Die Männer sind endlich weg. Und ich habe mittlerweile den ‘Rock’ am Taillenbund und zwei Cake-Schnittmuster als .pdf bei etsy gekauft.
Jetzt in Ruhe eine Tasse Tee und dann – o Schreck, muß ich endlich mal meinen zweiten Stoff waschen. Per hand, no less. Deshalb ist das auch immer noch nicht passiert. Un während der trocknet, schneide ich dann mal das Futter zu. Und die Ärmel.
Hm, ganz schön schwer, der Mantel. Und an den Schultern ist irgendwas komisch. Aber bevor ich da noch was ändere, muß ich mich erstmal ordentlich anziehen, um den Sitz noch mal richtig zu überprüfen. Das kommt von Nähen im Schlafanzug.
12.26 Uhr: Tralllala. Ich hab tatsächlich genug Stoff für nen Rock über. Tschakka. Und den zweiten Stoff hab ich jetzt einfach in die Maschine gesteckt. No risk, no fun. Ne gute Miele solle ja schließlich auch ganz zart sein können.
13.35 Uhr: Mittlerweile gewaschen, Beine in Sommerzustand versetzt und für den MeMadeMay angezogen. Wobei ich mittlerweile fast jeden Tag einen selbstgemachten Rock anhabe. Ach ja, aus dem Mantelstoff hab ich auch gleich noch einen Rock zugeschnitten. So kann’s gehen. Nun werde ich mal meine neuen Treterchen aus ihrem Karton holen und ein Photo für den MeMadeMay schießen und dann geht’s weiter mit der Arbeit.


1. Outfit MeMadeMay 2013 – selbstgenähter Leinenrock, der mich aus unverständlichen Gründen unglaubliche Nerven gekostet hat, trotzdem seit letztem Jahr gerne und oft getragen wurde (auch im Winter)und dringend enger gemacht werden müßte. Dazu uralt Pulli und brandneue Wonder Shoes. Ich habe es nicht für möglich gehalten, aber es gibt tatsächlich Plateauschuhe, die bequem sind und in denen ich laufen kann.
14.38 Uhr: Vorderteil des Rocks ist genäht.
Jetzt ‘schnell’ den Reißverschluß rein.
16.02 Uhr: Die Männer sind zwischenzeitlich kurz eingefallen, haben Brot, Brokkoli und Fleischwurst verschlungen und sind wieder los. Dem Rock fehlt jetzt ein Bund, ein Saum und die Kanten müssen noch versäubert werden. Der Stoff für Kragen und Knopfleiste trocknet noch immer vor sich hin.
18.00 Uhr: Rock versäubert. Kragenstoff trocken. Cannelloni im Ofen. Tisch gedackt. Die Männer könnten zum Essen kommen. Bis sie da sind, gönn ich mir jetzt mal einen Apperitif und schreib schon mal eine Einkaufsliste für den Großeinkauf bei Cora, nächsten Samstag.
21.25 Uhr: Feierabend. Noch ein bißchen Fußball gucken und dann schlafen gehen. Der Rocjk ist zwar noch nicht ganz fertig, aber nach dem ersten Vorführen vorhin hab ich ganz vergessen ihn auszuziehen und hab ihn selbstvergessen schon ne gute Stunde getragen. Ich denke, wir werden gute Freunde werden. Und so wie’s aussieht, kriege ich aus dem zweiten Stoff für Kragen und Blende garantiert noch ein Oberteil gezaubert. Damit hätte ich dann für 130 Euro Materialkosten drei Kleidungsstücke und das finde ich wirklich einen guten Kurs. Good night and good luck. (Ach ja: Geht zur Hautkrebsvorsorge. ALLE! Sonst poste ich Euch demnächst ein Photo von der verdammt tiefen Kerbe in meinem Arm.)