Spring Style-Along

Eeeeendlich Frühling! Und wieder nichts anzuziehen? Dann hilt nur System in die Garderobe bringen! Dabei hilft die nächsten Monate der Spring Style-Along von Marja Katz und mir. Also: Mitmachen! Los geht's am 12.04.2015!

Morgen: Fünf!

geburtstagskind2015

Der kleine Mann wird fünf!

Und ich bin fassungslos. Wo sind diese fünf Jahre hin? Am Anfang rechnete ich doch noch in Tagen, Wochen, Monaten. Jetzt sind es fünf Jahre.

Fünf Jahre, die weder ruhig, noch entspannt waren. Fünf herausfordernde Jahre. Jedes mal, wenn ich dachte, “jetzt kehrt Ruhe ein” oder “wir haben dieses Elternding im Griff”, warf uns die nächste Veränderung Knüppel zwischen die Beine.

Fünf wunderbare Jahre an der Hand eines sehr neugierigen, sehr phantasievollen Kindes. Das einem Löcher in den Bauch fragt, bei Rollenspielen selbst die Intonation ansagt. Das auch gerne mal mit Türen knallt. Und einen dann morgens wieder mit “Mama, ich lieb Dich” weckt.

Ja, kleiner Mann: ich lieb Dich auch. Ich bin glücklich und stolz, Deine Mutter zu sein. Und immer wieder mal damit überfordert.

Es erschreckt mich, wie schnell diese fünf Jahre vergangen sind. Es erschreckt mich, wie viel davon ich schon vergessen habe.

In der Nähe des Alltags fehlt mir manchmal die Distanz zu erkennen, daß er sich schon wieder weiter entwickelt hat. Umso heftiger treffen mich diese Momente, in denen ich auf atemraubende und herzquetschende Art erkennen kann: Wieder erwachsener geworden. Und mit jedem dieser Moment entfernt er sich weiter von diesem schutzlosen Bündel Mensch, das mir die Hebamme, nach gefühlt endlosen Stunden im Aufwachraum, in die Arme legte. Selten, daß ich Wesentliches im Leben so in einem Moment erfaßt habe. Aber in diesem Moment, mit dem von der Geburt gezeichneten Kind im Arm, war mir klar, daß sich das Zentrum meines Universums gerade verschoben hatte.

Vor der Geburt hing mein Wohl und Wehe davon ab, ob jemand meine Ideen oder mich toll fand. Was soll ich sagen: Meinem kleinen Ego tut es erstaunlich gut, nicht mehr die Sonne zu sein, um die alles kreist. Und obwohl das so ist, gehe ich wesentlich entschiedener MEINEN Weg, als ich das je zuvor in meinem Leben getan habe. Seitdem ich Mutter bin, hab ich zwar immer zu wenig Zeit, aber damit auch schlicht keine mehr für kreative Blockaden. Ich laß mich deutlich weniger von mir selbst und anderen verunsichern, wenn es um wesentliche gestalterische Fragen geht (im Job und anderswo).

War mein Leben ohne Kind leichter? Nein! Dafür war ich viel zu gut darin, mir selbst Probleme zu bereiten. Mein Leben war verfügbarer, sicher. Verfügbarer bedeutete aber überhaupt nicht, daß ich es auch produktiv in meinem Sinne nutzte. Wenn ich mir jetzt manchmal wünsche, abends einfach mal faul auf der Couch zu chillen, fallen mir manchmal die vielen Abende ein, die ich mit exzessivem Fernsehgucken zugebracht habe. Oder endlos mit Theaterkollegen in irgendwelchen Kneipen abgehangen habe. Ich war da weder glücklicher, noch hab ich mehr bewirkt in meinem Leben. Ich hatte einfach nur mehr Zeit. Und weil ich viel Zeit hatte, war sie mir nicht viel wert.

Mittlerweile ist jede Minute kostbar.

Jede Minute mit dem Kind, weil wir das, was wir im Moment haben, nie mehr haben werden. Er entwickelt sich weiter, und was er heute noch schön findet oder braucht, wird ihm vielleicht schon bald peinlich sein.

Und jede Minute, die ich ohne Kind habe. Denn es ist immer klar: was Du jetzt nicht machst / schaffst, dafür gibt es keine Garantie, daß Du es später irgendwie erledigen kannst. Trotzdem verwirkliche ich in dieser Zeit, die ich mir jetzt schaffe, die ich jetzt habe, wesentlich mehr als in den Jahren bevor Sohnemann geboren war.

Was mich immer wieder bestürzt: wie schnell mir im Alltag genau dieses Gefühl der Kostbarkeit abhanden kommt. Denn natürlich verdaddel ich auch mal Arbeitszeit bei Twitter oder sonstwo. Und genauso fehlt mir manchmal die Muße, die Geduld, die Aufmerksamkeit, mit dem Kind ganz DA zu sein. Nicht schon die nächste Maschine Wäsche, den nächsten Termin, den nächsten Text vorauszunehmen. Sondern mich einzulassen auf das Spiel, den Augenblick, die Gegenwart, das gemeinsame Erleben.

Je kleiner und schutzloser das Kind, desto leichter läßt man sich auf das bedingungslose Ich & Du ein, das alles Andere zweitrangig werden läßt. Je größer das Kind, desto mehr geben wir dem Druck der Alltagsverrichtungen wieder nach, und ordnen Kind und uns diesem unter. Da die Balance zu finden und vor allem langfristig zu halten, erscheint mir an manchen Tagen unmöglich, an anderen Tagen ist es ganz leicht.

Aber ich werde es ganz sicher auch in den nächsten fünf Jahren versuchen. Auch wenn er dann nicht mehr auf seine morgentlichen Kuschelminuten besteht, nicht darauf, noch mal mit einem Buch unter die Decke zurückzukriechen, um sich vorlesen zu lassen.

Herzlichen Glückwunsch, kleiner Mensch. Ich freue mich auf die nächsten fünf Jahre. Auf das sie sich etwas mehr Zeit lassen.

Spring Style-Along: Style Code, check!

drapiertes_shirt

Zweiter Termin – und total untypisch für mich: ich hab schon ein Teil fertig! Ein Oberteil. Eigentlich hätte ich den passenden Rock auch gerne noch … aber nun ja …

Aber erstmal zum Plan.

Vorbemerkung:

Nachdem ich beim Sichten meiner Sommerstoffe von der Fülle fast erschlagen war, habe ich beschlossen, daß ich KEINE weiteren Stoffe für den Style-Along kaufen werde. Ausgenommen Futter. Da könnte es bei 2 Teilen knapp werden. Diese Einschränkung erleichterte dann die Entscheidungsfindung erheblich.

Weil ich dann, als ich den grünen Blütenbrokat zuschneiden wollte, in meinem Schnittmuster-Regal den go-to-Bleistiftrock-Schnitt nicht finden konnte – auch hier: zu viel, viel zu viel – beschloß ich ferner, für den #ssa keine neuen Schnitt anzuschaffen. Was im Falle des Trenchcoats dann auch gleich für Klarheit sorgte.

Letztens: Die gleich folgende Liste ist für den gesamten Sommer 15 gedacht. Wenn ich vier Teile davon im Rahmen des Style-Along hinkriege, bin ich hellauf von mir begeistert.

Spring Style-along ausgewählte Stoffe

Kurz durchatmen. Heftig viel, ich weiß.

Zur Sortierung:

Ich habe einen perolfarbenen Frühlingsmantel und das erste genähte Teil ist … genau: Petrol. Also bleibe ich erstmal in der Farbfamilie!

Stoffauswahl petrol Oberteile und Rock

Wir haben hier: Brokat, Baumwolle, Jersey und irgendein Kunststoffgemisch, das heftig ausfranst. Nicht mehr mit im Bild: ein ebenfalls petrolfarbener Baumwollsatin, der ggf. eine Shorts werden könnte.

Der Blumenbrokat wird zu einem Bleistiftrock, vorne seitlich gezippt. Mit dem Reißer, der drauflliegt.

Oberteil 1 dazu ist fertig. Das hat, wie man sieht, einen weiteren Kombipartner schon gefunden. Es gibt aber auch noch mindestens 2 Röcke, zu denen es paßt. Von dem Jersey ist für noch ein weiteres Shirt Stoff da, vielleicht kriege ich noch ein Jenna-Cardigan daraus gemacht?

Aus dem Kunststoffgemisch würde ich gerne ein Fauve aus der 1. dt. Ausgabe der Maison Victor machen.

Kombination Blumen und Wax Print

Der Blümchenstoff ist ein Ufo. Eigentlich sollte er ein Maxima-inspiriertes Kleid werden. Oberteil und Rock sind aber noch nicht verbunden und mittlerweile halte ich das für zu viel Blümchen! Also wird der Rock ein Rock (ganzer Teller) und das Oberteil ein Oberteil. Vielleicht. Denn das Oberteil plagen Paßformprobleme. Dem Rock werde ich vermutlich noch ein Samtband verpassen. Säumen und gut.

Der Wax Print ist noch von der Muster-Mix-Herausforderung des NfL übrig. Unangeschnitten. Nachdem ich beim Stammtisch die Culotte aus der vorletzten Burda an Brigitte live gesehen habe, würde ich selbige daraus sehr gerne nähen. Und wenn ich dann ganz mutig bin, ziehe ich das Blümchentop dazu an.

Trenchcoat aus geblümtem Stoff

Dieser  Baumwollstretch wird mein neuer Frühlingsmantel. Damit’s nicht ganz so süßlich wird, werde ich die Lackpaspel aus Verl verarbeiten. Tatsächlich habe ich dann auch noch einen passenden Futterstoff im Fundus entdeckt. Der Schnitt wird dieser aus der Burda von 9/2012.

Lederjacke Nappaleder

Dieses bordeaux-farbene Nappaleder ist auch ein NfL-Überbleibsel. Eingekauft für die Lederjacke der bösen Königin. Der Schnitt ist gemacht. Ich trau mich nur nicht, das sündteure Leder anzuschneiden. Aber getragen ginge es ihm vermutlich besser als im Fundus vor sich hinknittern.

Ensemble Schluppenbluse_Bleistiftrock_lederjacke

Zumal sich neben vielen anderen Kombipartnern noch eine Schluppenbluse aus der weinroten Seide und ein Bleistiftrock aus der zart-rosa farbenen Stretchbaumwolle anböte. Aber welchen Schnitt nehme ich für die Bluse? Sylphide von Papercut Pattern hab ich, hab ich auch fast fertig genäht, gefällt mir aber an mir gar nicht. Da muß ich noch mal blättern gehen. Alternativ würde ich den rosa Stoff aber auch zu einer schmalen Bermuda verarbeiten.

Jeans und Stoffe zum Kombinieren

Das ist die Urlaubsfraktion: Der Jeansstoff soll eine Shorts werden. Der weißgrundige Tropfenstoff ist schon für eine Hemdbluse zugeschnitten. Der blauweißgemusterte Jersey soll ein Pilotenhemd werden, wenn ich denn in meiner Schnittmustersammlung einen Schnitt entdecke. Der türkisfarbene Satin ist optional.

Großes PUH!

Was genau soll jetzt im Spring Style-Along wirklich verarbeitet werden?

Der Trenchcoat

der Bleistiftrock aus dem Blumenbrokat

das Fauve-Top

ein Schwestershirt zu dem gerade genähten aus dem Lila Jersey, der auf dem ersten Bild in der Mitte liegt

und wenn’s ganz gut kommt, dann ein Jenna-Cardigan aus dem restlichen petrolfarbenen Jersey.

Diese Woche nehme ich mir den Rock vor! Den brauche ich nämlich am Freitag für Channel this.

 

 

 

Im Fluß oder im Hamsterrad? Die letzten Wochen

weidenlabyrinth

Zu sagen, in den letzten drei Monaten wäre hier im Hause Gerull viel los gewesen, ist eine schlichte Untertreibung. Erstaunlicherweise klappte die impromptu Umstellung von Büro mit anderen Menschen und einem tatsächlichen Chef auf home-office und eigener Chef – bis jetzt – ganz gut. Fast zu smooth, irgendwie.

druckerei mitte letztes Jahrhundert

Meine allererste Begegnung mit der Arbeitswelt der Erwachsenen hatte ich in den Herbstferien der 10. Klasse, als ich mir in der Druckerei eines Bekannten meines Onkels einen Teil der Austauschreise in die USA verdiente. Jene Druckerei war natürlich schon moderner als dieses herrliche Schätzchen im Freilichtmuseum Hagen, aber als mir am Ostersonntag da der Geruch von Druckerschwärze in die Nase stieg, fühlte sich das sehr heimelig an.

Ich hab dann auch noch das Schulpraktikum in einer Druckerei gemacht und tatsächlich erwogen, Setzer zu werden. Ein Beruf, der fast obsolet ist.

Druckerei Freilichtmuseum Hagen

Diese kleine, aufgeräumte Druckerei hat’s mir angetan. Letztlich war unser Projektbüro ein ähnlich heimeliger Ort zum Arbeiten. Kleines Team, das sich meist gut verstand. Viel Gestaltungsspielraum. Auch wenn ich über manche der Förderbedingungen in den letzten zwei Jahren herbe geflucht habe, als ich mit der wunderbaren Lorina-May Sauer im wirklich allerletzten BUNT_IST_KULT-Workshop stand, fühlte sich das schon sehr herzschmerzig an.

workshop Kalligraphie BIK

dieletztenwochen

Noch merkwürdiger war es dann, beim Austandsfrühstück von beiden Chefs hochgelobt zu werden.

frühstückstisch

Nicht, daß sie nicht recht gehabt hätten, aber während meiner gesamten Karriere am subventionierten Theater ist es nie einem meiner Intendanten bzw. Oberspielleiter gelungen zu erkennen, was er an mir gehabt hat. Ich spiel halt keine Machtspielchen. Tja, Pech jetzt für wen?

geschenkederkollegen

Als ich nach dem Frühstück, dem anschließenden Aufräumen und einer letzten Runde emails am heimischen Esstisch saß, vor den Geschenken der Kollegen, da war ich gleichermaßen gerührt, wie unternehmungslustig. Was jedenfalls überhapt nicht da war – warum auch – war diese Wut im Bauch, mit der ich aus jedem Theaterengagement gegangen war. Ohne die geht’s viel besser!

präsentkorbvomchef

Danke, Meinolf, nicht nur für diesen prallgefüllten Korb. ;-) Ich bin dann mal weg.

Holzschuhe und Schürze

Freilichtmuseum Hagen

Angesichts dieser Überbleibsel menschlicher (?) Arbeitsumgebungen, empfinde ich es im Moment als vollkommenen Luxus, morgens um 7 ungewaschen und im Schlafanzug losarbeiten zu können und dann vier Stunden später genau die Stunde zum Baden ausnutzen zu können, in der unsere Badewanne in der Sonne liegt.

erstarbeitendannbaden

Ist das noch Arbeit? Wenn man freiwillig und weil’s Spaß macht, abends bis um halb 12 am Schreibtisch sitzt?

Ist das noch Arbeit, wenn man den Kopf frei genug hat, festzustellen, wie unglaublich groß Sohnemann geworden ist? Fünf nächste Woche!! Wie konnte das so schnell gehen? Als ich dies Foto von ihm ansah, war ich wirklich erschrocken. Weil trotzdem zu oft die Notwendigkeiten des Tages mich davon abhalten, wirklich mit ihm da zu sein.

dergroßekleinemann

Wie so oft läßt einen das Leben in solchen beruflichen Umbruchphasen nicht in Ruhe. Sonntagabend waren wir  von einem letzten Krankenhausbesuch bei meiner Oma zurück gekommen und Montagmorgen konnte ich meinen Mann  am Schrottplatz abholen. Wenn ich dies Foto sehe, kann ich immer noch nicht glauben, daß er, bis auf zwei Prellungen, unverletzt geblieben ist.

gecrashtesauto

Im Kofferraum lagen noch die Kissen von der Theateraufführung eine Woche vorher. Dann über und über mit Glassplittern übersäht.

Die Beerdigung meiner Oma war traurig, tröstlich, ihr angemessen und parallel zu meiner letzten großen Veranstaltung im BUNT IST KULT-Job. Genau, diesmal war ich eine dieser “Karrieremenschen”, die beim Tröster schon wieder das Handy am Ohr haben …

frühling

Jetzt ist es also endlich Frühling – und das Jahr hat schon kräftig hingelangt. Ich würde gerne mal auf die Pausetaste drücken, um mein backlog abarbeiten zu können. Aber life happens on the run, hat mir mal jemand gesagt. Yeah, well. Ich bin keine Läuferin, nie gewesen, aber mittlerweile schockt mich die lange Distanz nicht mehr wirklich. Ich muß sie halt in meinem Tempo gehen.

In nem Karmann Ghia wäre Frau natürlich stylischer unterwegs. Vorausgesetzt, Haarfarbe, Mantel und Auto passen im Ton wirklich zusammen.

onetruecar

Am Kontakt mit schönen Dingen wird es wohl vorerst nicht mangeln. An Ideen und Gestaltungsspielraum auch nicht. Fehlen Zeit und Geld. Aber: Fehlen die nicht immer?

fabric: Fashion for Designers