Hereinspaziert.

Treten Sie ein. Lassen Sie sich nicht erschrecken. Hier herrscht kreatives Chaos und das soll so. Process is messy. Und einfach hinreißend. Muttersein ist messy. Und hinreißend. Sachen machen ist ... richtig: messy. Und absolut entzückend. Stecken Sie sich an.

Stoffwechsel – Steckbrief

Frau Siebenhundertsachen und Lotti Katzkowski starten eine neue Runde STOFFWECHSEL und ich darf dabei sein. Beim ersten Mal habe ich ja den Anfang überhaupt nicht mitbekommen, dann ein wenig neidisch mitglesen und außerdem hatte ich mit Nix Für Lemminge genug zu tun. Nicht das sich das geändert hätte, aber ich freue mich doch sehr, diesmal bei diesem Nähabenteuer dabei sein zu dürfen. – Spannungs-Junkie. Aber da ich einige spannende Stoffkauf-Locations auf meiner Reiseroute habe, demnächst, bot es sich nun wirklich an. Außerdem kann ich so schlecht NEIN sagen. ;-) So, nun aber mein Steckbrief.

Wanted!

Steckbrief:

Was nähst du im Herbst/Winter am liebsten für dich?

Röcke. Jacken und Mäntel. Auch wenn die nicht immer fertig werden. 

Und wenn wir kurz mal vor allem an Oberteile und Röcke denken, was würdest du da gern nähen? Hast du schon etwas vor Augen? Oder nähst du lieber Hosen oder nur Kleider?

Definitiver Oberteilmangel. Ich habe mir fest vorgenommen, aus meinem NfL-Muster_Mix-Blusenschnitt eine Langarmversion zu bauen. Und die dann gleich mehrfach zu nähen. Andererseits: ich hab gerade den neuen Blusenschnitt von Deer & Doe gekauft.

Die Glaubensfrage: Webstoff oder Jersey? Oder doch beides?

Webstoff.

Welches Material vernähst du am liebsten (z.B. Viskose, Baumwolle, Wolle, …) – gegen was hast du eine (starke) Abneigung?

Alles was zu mehr als 10% aus Kunstfaser ist, finde ich unerträglich. Ansonsten gerne Wollstoffe, Crepe, Georgette, feste Baumwollstoffe – da gerne auch mal ein Satin. Seide.

Was sind deine Lieblingsfarben, welche stehen dir gut? Welche gehen gar nicht?

Gelb geht gar nicht  am Gesicht. Als Rock ginge auch das. Gelbstichige Rottöne funktionieren auch kein bißchen. Ebenso gelbstichiges Grün. Im Blaubereich geht eigentlich fast alles. Wobei Stahlblau der Hit ist. Und dunkles Petrol mich immer wieder betört. Blaustichiges Rot, Lila, Pink, Fuchsia, Cyclam  -  die Juwelentöne halt.

Welche Muster magst du? Groß oder klein? Blumen, Streifen, Punkte? Oder sind Muster vielleicht gar nicht so deins?

Es sind eher Farben und Texturen, die es mir antun. Boucle, Tweed, Fischgrät, Karo …. lieber Gewebtes als Gedrucktes. That being said: an barocken oder japananisch anmutenden Blumen kann ich so gar nicht vorbei gehen.

Was sind die Kleidungsstücke, die dir (in letzter Zeit) in deinen Augen am besten gelungen sind? Sind welche dabei, die du vor allem wegen ihres Stoffes magst?

Alle 40s Tea Dress Röcke.

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Wobei ich den roten aus dem Viskose-Crepe vom Roten Faden mehrfach die Woche trage. Ich liebe diesen Stoff – auch in dem Kleid hier. Wenn ich auf eine einsame Insel nur einen Stoff mitnehmen dürfte: dieser wär’s.

Meine Fliegerjacke. Wunderbar weicher Wollstoff (Wolle/Seiden-Mischung von Marc Aurel). Die Form ist fein und der Stoff fühlt sich toll an.

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Meine NfL-Muster_Mix Bluse.

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Wieviel Stoff verbrauchst du ca. für einen Rock, ein Oberteil, ein Kleid? Welche Mindestmenge benötigst du für die Verarbeitung? Oder hast du sogar ein Maximalmaß für Stoff?

Puh. Also: für nen Bleistiftrock komm ich mit 70cm hin. Bei den weiteren Röcken liege ich dann irgendwo zwischen 1 und 2 m. Da ich aber überhaupt keine sparsame Zuschneiderin liegt mein default-setting bei 2,5 – 3 m. Da mach ich dann meistens zwei Stücke draus. Aber es beruhigt mich. Für mein lila Etuikleid bin ich aber auch mit 1,50 ausgekommen.

Gibt es sonst noch etwas, das dich als Näh-/Stofftyp in deinen Augen ausmacht?

Oi. Ich glaub, ich verfolge eher eine klassisch-reduzierte Linie. Irgendwo zwischen Jacky O. und Steve McQueen. Also nicht Boho, nicht Hippie, nicht Skater Girl, nicht Punk, nicht zuuuuu vintage. Eher Samtband als Rüsche. Wenn damit jemand was anfangen kann. Allerdings kann man mich auch auf Abwege führen. Multiple Persönlichkeiten, die benäht werden wollen. ;-)

Ich vermute, das ist jetzt alles wenig hilfreich. Trotzdem: Happy hunting, derjenigen, die mich zugelost bekommt.

NIX FÜR LEMMINGE – Märchen – Entwürfe

Die vielen Worte hab ich ja die Woche schon gemacht. Deshalb jetzt ohne großes Tamtam drei Varianten für meine böse Königin – sagt mir mal bitte, wie welcher Entwurf auf Euch wirkt.

Hier Variante 1:

Das ist der Stoff fürs Kleid:

nfl4_stoff

Und das wäre das Kleid dazu:

nfl4_kleid_mit_karreeausschnitt1

Dazu aus schwarzem Nappaleder mit schuppenartig angeordneten Stoffstücken auf den Schultern:

nfl4_lederweste_schuppenschultern

 

Die Kurzarmvariante.

Und wenn mir nicht ganz so nach offenherzig ist, oder schlicht kalt, diese Bluse aus einem transparenten Stoff dazu:

nfl4_transparente_bluse

So daß im Wesentlichen diese Silhouette entsteht:

nfl4_mood1

Variante 2:

Die Lederweste als langarmige Jacke :

nfl4_lederjacke

Und darunter dieses Kleid:

nfl4_kleid_mit_3eckigem_ausschnitt

Wobei die gelden Paspeln bitte als gold gedacht werden. Keine BVB-Homage intendiert. Ich hatte nur gerade kein Gold zur Hand. Ich hätte gerne was Metallisches. Vielleicht Reißverschlüsse? Und einen weichen Wollstoff.

Variante 3:

nfl4_bluse_weste_rock

“Ledermieder” mit transparenter Bluse und einem Rock, bei dem der transparente Stoff mit Spitze überlegt ist, so daß man meinen könnte, es sei etwas zu sehen. Spitze in einem stark geometrischen Muster.

So, und nun zu Euch: Für welche sagenhaften Gewänder habt Ihr Euch entschieden? Oooooooooh, ich bin sooooooo neugierig. Diesmal noch seeeeeeehr viel mehr als sonst.

PowerPoint und Brüste – Die böse Königin greift an

Ich seh sie vor mir stehen – meine böse Königin – seh sie ihre langen Lederhandschuhe überziehen und mich abschätzig mustern und ich denke: “Damn, girl, you’re in deep shit now.” Wie bin ich da nur reingestolpert und wie komme ich aus der Nummer wieder raus?

Will ich da tatsächlich wieder raus? Eigentlich: NEIN! Eigentlich reizt mich die Auseinandersetzung mit dieser Antithese meiner Selbst viel zu sehr. Eigentlich hab ich bloß Angst. Bedenken. Skrupel.

Wovor eigentlich? Es geht hier doch nur um den Entwurf einer oder mehrerer Kleidungsstücke. Es geht doch bei der gesamten Veranstaltung NIX FÜR LEMMINGE darum, aus der eigenen Komfortzone rauszukommen. Bis jetzt war die Herausforderung technischer und organisatorischer Art (äh, das bleibt sie auch). In diesem Fall hast Du Dich nun mal entschieden auch inhaltlich ins Grenzland zu gehen. Wenn Dich das reizt, wird schon was dran sein.

Hm.

Okay. Je mehr ich also über den Kleidungsstil meiner fiktiven bösen Märchenkönigin nachdenken (Ihr merkt, ich versuche, sie so weit wie möglich von mir weg zu schieben), desto überzeugter bin ich, daß sie einerseits Kleidungsstücke trägt, die ihren Anspruch auf Macht, auf Dominanz, auf Aufmerksamkeit unterstreichen. Andererseits stellt sie aber auch deutlich ihre Weiblichkeit, ihren Sex-Appeal, ihre Erotik, ihre Sexualität, eine bestimmte Lesart des weiblichen Körpers, ihre körperlichen Reize aus – wenn ihr das einen Vorteil verschafft.

Genau: Was denn jetzt?

Sobald ich versuche in Worte zu fassen, was ich denn wohl meine, geht der Debattierclub in meinem Kopf los.

1.) Was auch immer als Entwurf am Ende rauskommt, es soll ja in meinem Alltag tragbar sein. Ich und sexy – das geht in meinem Selbstbild vorn und hinten nicht zusammen. Ich komme mir nicht mal in meinem roten Galaxy-Dress oder dem kleinen grauen SEXY vor. Natürlich reizt es deshalb besonders. Aber wenn ich mit 42 meine Art von sexy noch nicht gefunden habe – dann wird das jetzt wohl auch nix mehr. Und lächerlich möchte ich eben auch nicht aussehen.

2.) Und überhaupt: Du kriegst Plaque bei Frauen wie Cersei Lannister. Oder der Ex-Kollegin, die mit Kleinmädchen-Stimme und der permanent angedeuteten Verfügbarkeit (beinahe hätte ich Fickbarkeit geschrieben) jede Hauptrolle bekam – obwohl sie definitiv nicht die talentierteste unter den Kolleginnen im Schauspiel war. Sind das nicht Strategien aus anderen Jahrhunderten? Du willst doch, daß die Kerle auf Deine Powerpoint gucken und nicht auf Deine Brüste. Genau! Mädels, die was in der Birne haben, ziehen was an. Fertig.

Oder? Oder was? Jaa, klar. Vor der bösen Königin würden sie auf die Knie sinken und beides für absolut göttlich halten – die performance und die Titten. Die böse Königin würde aber auch nie mit Verfügbarkeit arbeiten, sondern immer mit Unerreichbarkeit.

Hm, das wäre doch schon mal eine Begrifflichkeit mit der man sexy und erotisch vielleicht auseinander klamüsiert bekäme – right? Also sexy ist: What you see is what you are about to get. Und wer YOU ist, ist erstmal egal. Erotisch ist in your heeeeaaad, in your heeeaad – mindfick. Alles nur Andeutung und dafür sich wund laufendes Kopfkino beim Gegenüber. Einem sehr speziellen Gegenüber.

Na? Klingt schon besser, oder?

Paßt nur immer noch nicht zu mir. Oder fehlt mir die Traute? Und die Übung? Denn die Klamotte allein macht es nun mal nicht.

Nicht mal der Power- Aspekt im Power Dressing funktioniert dauerhaft ohne die entsprechende Haltung drunter.

3.) Wenn man sich aber mal die Anzugschnitte bei den Kerlen anguckt, dann werden die in den letzten Jahren immer körperbetonter. Man vergleiche die weitgeschnittenen, schultergepolsterten Anzüge, die Bill Clinton in seiner ersten Amtszeit trug mit der schmalen Silhouette der Anzüge des jetztigen US-Präsidenten. Konnte man in den ersteren achon mal ein paar streßdonutbedingte Mehrkilos unterbringen, schreit die gegenwärtige schmale Form: ich bin durchtrainiert, ich bin fit, ich bin attraktiv und leistungsfähig. Wenn die Kerle das jetzt also auch als Waffe einsetzen, warum rauscht es dann so bigott im Blätterwald, wenn die Kanzlerin in Abendrobe mal Decolltée zeigt?

4.) Siehe oben: genau deshalb ist das ja bei Dir, Gerull, ein absurdes Unterfangen. Schmale Linie? Ähem. Gegenfrage an Dich, mein inneres Meckerstimmchen: Willst Du mir sagen, erotische Wirkung korrelliere 1 : 1 mit dem BMI?

Und so geht das schon seit Tagen.

Meine Gedanken fahren schon Karussel, wenn ich alleine über das Konzept Power Dressing nachdenke. Auf der Ebene von: ist ein Kostüm macht das herrlich Ideen auf. Bei der Übersetzung: was kann das denn für mich, in meinen momentanen beruflichen Umfeld bedeuten? wird es schon ausgesprochen schwierig. Nicht, daß ich mir die Uniformität eines großen grauen Unternehmens wünschte. Aber bei jedem eher repräsentativen Termin frage ich mich wieder, wie ich jetzt: ich = weiß, wovon sie redet; ich = ich bin aber kein Sozialfuzzi, sondern ne Kreative und ich = Repräsentantin meines einstmals proletarischen Wohlfahrtsvereins zusammen kriege. Und der Teil, wo ich vorne stehe und was zu sagen habe, ist da eher der einfache. Die Klamottenfrage stellt sich viel mehr, wenn es eine Massenveranstaltung ist, und ich da eine unter sehr vielen bin, aber doch eben eine gewisse Klasse signalisieren will. Ohne dabei auf den corporate suit zurückzugreifen.

Ich habe ja gar nicht die Ambition, da die große Odalisque abzugeben. Obwohl einen die Grandes horizontales schon mal darüber nachdenken lassen könnten, ob wir uns nicht, um auch ja nicht als “Weibchen” zu gelten, einiger wirkungsvoller Waffen berauben (lassen).

Wenn man am Theater sozialisiert ist, ist einem sowieso irgendwann klar, daß es fast nichts gibt, was so sexy ist, wie verdammt gut miteinander zu arbeiten. Klar, man weiß dann auch, daß nichts so sehr abturnt, wie eben zusammen arbeiten zu müssen mit jeder Menge negativer Energie. Aber ich halte es ja für einen Mythos, daß das Berufsleben ohne jegliches Knistern auskommt.

Es stellt sichmir mitthin die Frage, wie weit das Knistern beherrschbar ist. Also von Jederfrau beherrschbar ist, nicht nur von der schwarzen Königin. Und wenn frau das Knistern beherrscht, sind die Klamotten vermutlich vollkommen zweitrangig, right?

 

 

Für einen Moment ganz da

Was macht der gemeine Ruhrgebiets-Mensch am Wochenende? Genau! Er /sie / es verbringt die freie Zeit im Schrebergarten oder aufm Campingplatz. Bevorzugt am Fluß der Flüsse – der namensgebenden Ruhr natürlich.

So geschehen am vergangenen Wochenende und am vorvorigen Wochenende. Da hatten wir sogar schönes Wetter, dafür keine Kamera mit. Diesmal war’s stürmisch und nass, dafür wurde aber der Kletterwald in Schwerte und der Schwerter Wald an sich erkundet. – Zum Schlafen sind wir  lieber ins heimische Bett gefahren. Also ich. Der Mann mußte zelten und auf einen Sack Flöhe, äh Jugendlicher aufpassen. Der kleine Mann wäre auch lieber da geblieben, wurde aber von Muttern aus Angst vor einer weiteren fiesen Erkältung nach Haus verschleppt.

Dafür hat er mehrere Monturen durchgematscht, vergeblich nach Dolf Mohr, dem Schwerter Robin Hood gesucht und mit den Großen Werwölfe, Räuber und Gendarm und Mord in der Disko gespielt. Äh, ja. Fragt nicht. So grün, also, ist das Revier. Wenn man an den richtigen Stellen guckt. Und keine Diskussionen, jetzt. Wir sind vielleicht am Rand, aber im Herzen mittendrin. ;-)

thesky

Blauer Himmel, eher selten dieses Wochenende.

pure

Selfies im Liegen? Naja. Ich wollte nur mal die neue Haarfarbe zeigen.

kletterwald

Kletterwald am Freischütz in Schwerte. Für Einsteiger zu empfehlen. Auch preislich in Ordnung. Und nebenan gleich schöne Gastronomie.

hoehe

Hier fehlen eigentlich die Hauptakteure: durch das unebene Gelände ziehen sich jede Menge Bike-Spuren. So was kann man natürlich auch laufen. Besonders wenn man 4 ist.

verkehrtewelt

Verkehrte Welt.

ganznahdran

Im Detail.

staemme

 

skulptur

Skulpturaler Verfall.

lichtundschatten

Licht und Schatten. Nichts photographiere ich im Wald lieber.

derweg

ruhrregen

Meine persönliche Waterfront. Zehn Meter Ruhrufer direkt vorm Wohnwagen. (Äh, na gut: Der Wohnwagen gehört Schwiegervattern und der zahlt auch die Pacht. Trotzdem: MEINS.)

abendessen

Nach so viel Frischluft hat keiner mehr Lust zu kochen. Wie gut, daß es 3-Minuten Gnocchi gibt.

Lehre des Wochenendes?

Die meiste Zeit an diesem Wochenende habe ich wohl damit verbracht, ungeduldig auf den Moment zu warten, in dem ich endlich in Ruhe schreiben konnte. Was angesichts der Wochenendplanung schon ein stupider Wunsch war. Als ich dann allein im Wohnwagen saß, war es so viel schöner, dem Regen und Wind zuzuhören. Genauso schön wie es war mit dem kleinen Menschen durch den Wald zu streifen, eklig neonorange farbenen Nacktschnecken zu zählen, Tierspuren zu suchen und Eichelweitwurf zu üben.

Tatsächlich da zu sein, wo mensch gerade ist? In der Natur (und sei sie so domestiziert wir hier herum) gelingt mir das sehr viel leichter.